Eine nützliche Lehre für Diktatoren

„Nach mehr als sieben Jahren eines Bürgerkriegs, der zur Vertreibung der Hälfte der syrischen Bevölkerung geführt hat, und in dem mehr als 500.000 Menschen getötet wurden, liegen die Städte in Trümmern. Nun scheint ein Sieg Präsident Bashar al-Assads in greifbarer Nähe zu sein. Im Juli eroberten regimetreue Einheiten die Provinz Daraa zurück. Dort waren die friedlichen Proteste 2011 in den gewaltsamen Aufstand gegen Assad gemündet. Inzwischen hat Assad den Süden des Landes vollständig zurückerobert. Dort befanden sich einige der letzten Gebiete, die noch von den Aufständischen kontrolliert wurden. (…)

Der Krieg ist zwar noch lange nicht vorbei, denn Syrisch Kurdistan im Osten des Landes und die von Aufständischen gehaltene Provinz Idlib entziehen sich weiterhin der Kontrolle des Regimes. Angesichts der katastrophalen Verheerungen könnte sich jeder Sieg zudem als Pyrrhussieg erweisen. Dennoch scheint jetzt klar, dass weiterhin mit Assad gerechnet werden muss. Im Gegensatz zu Barack Obama, Nicolas Sarkozy und David Cameron, jenen westlichen Spitzenpolitikern, die einst damit rechneten, er werde ‚in wenigen Monaten‘ gestürzt, befindet Assad sich weiterhin im Amt. (…)

Von außen sieht Assads Sieg kaum wie ein Sieg aus. Er ist der König der Asche und von seinem Präsidentenpalast aus überblickt er ein verwüstetes Land. Weite Teile des Landes muss er erst noch zurückerobern. Zudem ist er mit Terrorangriffen dschihadistischer Schläferzellen konfrontiert. Er muss eine schwer verschuldete und strauchelnde Wirtschaft mit einer geschrumpften Bevölkerung wiederaufbauen, der viele ihrer technischen und intellektuellen Fähigkeiten abhandengekommen sind. Er ist von zwei mächtigen ausländischen Verbündeten, Russland und dem Iran, abhängig. Sie haben sich in den staatlichen Institutionen und der Wirtschaft eingenistet und genießen enormen Einfluss. Er muss Millionen regimetreuer Syrer zufriedenstellen, die ihr Blut und Vermögen geopfert haben, um ihn auf dem Thron zu halten.

Doch planen Assad und sein engster Kreis langfristig und ihnen dürften diese Herausforderungen bewältigbar erscheinen, selbst wenn sie Jahrzehnte in Anspruch nehmen sollten. Für sie ging es in dem Krieg ums Überleben und in diesem Sinne haben sie gewonnen. Gepaart mit der entscheidenden (absichtlichen und unabsichtlichen) Unterstützung aus dem Ausland hat ihr eigener Zynismus und ihre Skrupellosigkeit es ihnen gestattet, an der Macht zu bleiben. Ihr Vorgehen war brutal und unmenschlich, doch aus ihrer Perspektive hat es sich ausgezahlt. Das ist eine erschreckende aber nützliche Lehre für andere Diktatoren.“ (Christopher Phillips: „The World Abetted Assad’s Victory in Syria“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login