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Eine neue Gretchenfrage für deutsche Juden

Supermarkt in Gush Etzion, auf das möglicherweise die israelische Souveränität ausgweweitet wird
Supermarkt in Gush Etzion, auf das möglicherweise die israelische Souveränität ausgweweitet wird (© Imago Images / UPI Photo)

Juden in Deutschland müssen sich für die Pläne Israels rechtfertigen, seine Souveränität auf jüdische Gemeinden im Westjordanland ausdehnen zu wollen.

Michael Wuliger, Jüdische Allgemeine

Es geht schon los. Der erste Bekannte hat mich Montagfrüh gefragt, was ich von der angekündigten israelischen Eingliederung von Teilen des Westjordanlandes halte. „Gefragt“ ist allerdings nicht wirklich das passende Verb. „Bedrängt“ würde besser passen. „Das willst du doch nicht gutheißen, oder?“, hatte er hinzugefügt. Womit sofort klargestellt war, welche Antwort die einzig zulässige sein durfte.

Ich werde nicht der und die Einzige sein, dem das in diesen Tagen so oder ähnlich widerfährt. Wann immer in Israel etwas passiert, das hierzulande zum Problem erklärt wird, wird unsereiner unter Bekenntniszwang gesetzt. Ob Gaza-Kriege, Siedlungsausbau und jetzt Annexion: Von Juden wird verlangt, Stellung zu beziehen, selbstredend im Sinn des hier herrschenden Konsenses, sprich: kritisch.

Ausflüchte wie „Das ist ein kompliziertes Thema“ oder „Ich habe mich damit noch nicht wirklich beschäftigt“ helfen da nicht. Im Gegenteil, sie gießen Öl ins Feuer. „Es geht um die Zukunft des Friedensprozesses. Das kannst du nicht einfach ignorieren!“ (…) „Du stehst doch nicht etwa aufseiten der Siedler?“ Genauso gut könnte man sich als praktizierender Kannibale outen. (…)

Manchmal fließt auch eine Art fürsorgliche Drohung mit ein: „Mit solchen Maßnahmen heizen die Israelis nur den Antisemitismus hier weiter an. Am Ende seid ihr es, die darunter leiden müssen.“ Und wenn das alles nichts fruchtet, gibt es immer noch das menschliche Mitgefühl: „Ich verstehe ja, dass du dich nicht offen äußern kannst. Der Druck in eurer Community muss immens sein.“

Ein Entkommen gibt es nicht. Spätestens wenn in den nächsten Tagen der Bundestag seine parteiübergreifende Resolution gegen die Annexion verabschiedet, werden Deutschlands Juden, ob sie es wollen oder nicht, das Thema aufgetischt bekommen: die Prominenten von den Medien, die anderen am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und bei Facebook.

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