Ein wenig überzeugender Versuch, den Giftgasangriff in Syrien zu leugnen

„Den Einwänden der Chemiewaffeninspektoren zum Trotz, die in Syrien noch ermitteln, ob in der ehemaligen Rebellenhochburg Douma am 7. April Gas eingesetzt wurde, um Dutzende Zivilisten zu töten, flog Russland am Donnerstag 17 Syrer aus der Kriegszone nach Den Haag in den Niederlanden, wo sie alle bezeugten, sie hätten keinen Chemiewaffenangriff erlebt. Die betreffenden Syrer waren zuvor in einem unmittelbar nach dem Angriff von einem oppositionellen Aktivisten gefilmten Video zu sehen gewesen. Die Aufnahmen des Aktivisten zeigten offenbar verzweifelte Versuche, die möglicherweise dem Kampfstoff ausgesetzten Überlebenden im Krankenhaus zu behandeln, indem man sie mit Wasser übergoss und ihre Atmung unterstützte (…)

Zu den in die Niederlande gebrachten Syrern gehörten mehrere medizinische Mitarbeiter, die in den Aufnahmen zu sehen waren, sowie der 11jährige Hassan Diab, den russische Regierungsvertreter als ihren Kronzeugen bezeichnet haben. Er könne bezeugen, dass der gesamte Vorfall ein Schwindel sei, den freiwillige Rettungsarbeiter inszeniert hätten, um eine militärische Intervention des Westen gegen Russlands Verbündeten, den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, zu provozieren. Als Hassan dem russischen Staatsfernsehen vergangene Woche berichtete, man habe ihm Süßigkeiten angeboten, damit er an der Aufnahme des Videos in dem Krankenhaus teilnehme, und sein Vater hinzufügte, sein Sohn sei grundlos mit Wasser übergossen worden, da es keinerlei Anzeichen für einen Chemiewaffenangriff gegeben habe, gab der russische UNO-Botschafter bekannt, er werde das Interview dem UNO-Sicherheitsrat vorführen. Auf Befürchtungen, es könnte dem Jungen und seinem Vater bei dem in einer von russischen Militärberatern genutzten syrischen Militäreinrichtung gefilmten Interview nicht freigestanden haben, sich wahrheitsgemäß zu den Vorgängen zu äußern, hat Russland nicht reagiert. Ehemalige Kollegen der betreffenden Mitarbeiter des Krankenhauses in Douma erklärten dem Guardian gegenüber, die Mitarbeiter seien ‚massiven Einschüchterungsversuchen‘ durch syrische Beamte ausgesetzt gewesen. Es sei damit gedroht worden, ihren Familien Schaden zuzufügen, sollten sie irgendeinen Einsatz von Chemiewaffen erwähnen.

Logo von „Douma.Revolution“

Während der Präsentation in Den Haag wurden die Aufnahmen aus dem Krankenhaus in Douma auf der Leinwand hinter dem ständigen Vertreter Russlands bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) Alexander Shulgin gezeigt. Sie wurden dabei als ‚gefälschtes Video‘ bezeichnet, das von einem freiwilligen Rettungsarbeiter der sogenannten Weißhelme aufgenommen worden sei. Allerdings wurde das ursprüngliche Video in Wirklichkeit von einem Aktivisten aufgenommen, der am Betrieb der ‚Douma.Revolution‘-Facebookseiten beteiligt ist.

Die Aufnahmen aus dem Krankenhaus, die die Russen bei ihrer Videoanalyse verwendeten, wurde von einer Zusammenstellung jener Aufnahmen kopiert, die Stunden nach dem Angriff von einem anderen ‚Douma.Revolution‘-Aktivisten gepostet wurden und die eindeutig mit einem dem Logo der Gruppe gekennzeichnet war. Warum russische Regierungsvertreter darauf bestehen, die Aufnahmen nicht den Aktivisten von ‚Douma.Revolution‘ sondern den Weißhelmen zuzuschreiben, ist unklar. Dies könnte mit einer bereits laufenden Kampagne zur Dämonisierung der weithin bekannten Rettungsarbeiter, die von westlichen Regierungen finanziert werden und die Folgen russischer Luftschläge auf von Rebellen kontrollierte Gebiete dokumentiert haben, zusammenhängen. (…) Die Bitte der OPCW, ihre Inspektoren in Syrien die Zeugen befragen zu lassen und abzuwarten, bis sie ihre Ermittlungsergebnisse vorgelegt haben, ignorierte Russland.“ (Robert Mackey: „Russia Brings Syrians to The Hague to Make Underwhelming Case Chemical Attack Was Fake“)

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