Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) arbeiten mit Hochdruck daran, technologisch mit der Drohnenbedrohung durch Hamas und Hisbollah Schritt zu halten.
Itay Ilnai
Die beiden Terroristen, die vor einigen Wochen im Südlibanon auf einem Motorrad unterwegs waren, ahnten nichts davon. Als sie mit etwa 100 km/h dahinrasen, die Helme auf dem Kopf und den dröhnenden Motor im Ohr, konnten sie das Surren der Drohnenrotoren nicht hören, die sich von hinten näherten. Videoaufnahmen des Vorfalls zeigen, wie die Drohne das Motorrad einholt, dann manövriert, um es direkt zu treffen und zu explodieren. Die beiden Terroristen hatten keine Chance. »Diese Ausschaltung des Motorrads«, sagte ein zuständiger IDF-Ingenieur, »ist ein großartiger Auftakt für unser Vorzeigeprojekt.«
Das angesprochene Vorzeigeprojekt heißt »Atalef«. Mit dem hebräischen Wort für »Fledermaus« wird die Familie von IDF-Angriffsdrohnen bezeichnet. Diese Drohnen wurden in Israel nach dem von der Hamas angeführten Angriff vom 7. Oktober 2023 entwickelt und haben sich seitdem zu einer der zentralen Waffen im Krieg in Gaza und im Libanon entwickelt. Der Treffer gegen das Motorrad ist nur ein Beispiel für Tausende von Drohnenangriffen, die von israelischen Infanteriebrigaden während des Krieges durchgeführt wurden. Damit besitzen sie nun eine Fähigkeit, die vor dem 7. Oktober nur den Spezialeinheiten vorbehalten war.
Die Lücke schließen
»Weiterentwicklung« ist das Stichwort. In den letzten Wochen wurde das tödliche Potenzial der Hisbollah-Drohnen offensichtlich, nachdem die Terrorgruppe begann, glasfaserbasierte Drohnen einzusetzen, um elektronische Störsysteme zu umgehen und die verwundbaren Stellen der IDF-Truppen im Libanon anzugreifen. Während die IDF fieberhaft nach einer Lösung für dieses Problem suchen, ist klar, dass dies nur eine weitere Etappe im Kampf der Erfindungen ist, der seit zweieinhalb Jahren zwischen der IDF und der Hisbollah sowie der Hamas um die Drohnentechnologie tobt. In diesem Kampf ist die Seite der Gewinner, die schneller denkt: die Seite, die es versteht, zu lernen und sich weiterzuentwickeln, bevor der Feind Zeit hat zu reagieren.
Ein Besuch bei der Yiftach-Einheit sowie bei dem zivilen Unternehmen SpectralX, das Tarnlösungen für die IDF und ausländische Streitkräfte entwickelt, gewährt einen Einblick in die klimatisierten Räume, in denen der eigentliche Drohnenkrieg ausgetragen wird: der Krieg der Köpfe. Die Yiftach-Einheit wurde 1958 von David Laskov gegründet, einem Ingenieur und Erfinder, der dreimal den Israel Defense Prize gewann. Laskov starb 1989, wenige Monate nach seiner Entlassung aus den IDF, im Alter von 85 Jahren. Er versammelte um sich eine Gruppe talentierter Ingenieure, die an militärischen Erfindungen arbeiteten, hauptsächlich im Raketenbereich.
Der Einsatz von Angriffsdrohnen auf dem Schlachtfeld gewann im Russland-Ukraine-Krieg in jeder Hinsicht an Dynamik. Die Yiftach-Einheit sah sich Videos an, die von dort ins Internet hochgeladen wurden, »aber erst am 7. Oktober wurde uns klar, dass es für die IDF keine umfassende Lösung im Bereich der Angriffsdrohnen gab«, gab der derzeitige Kommandant der Einheit zu. »Und dann wurden wir an die Front beordert.«
Um die Lücke zu schließen, die sich auf dem Schlachtfeld aufgetan hatte, musste schnell gehandelt werden. Etwa die Hälfte des Personals der Einheit besteht aus Ingenieuren. An ihrer Seite stehen Produktionsmitarbeiter sowie ultraorthodoxe Soldaten und Soldatinnen, die in den Bereichen Software und Elektronik tätig sind. Es handelt sich um ein breit gefächertes Personal.
Ein erheblicher Kontrast besteht zwischen den veralteten Gebäuden von Yiftach und dem, was in ihnen vor sich geht. Es ist im Grunde eine Art technologischer Knotenpunkt, ein Start-up-Unternehmen in Olivgrün, wo neue Waffen für die Kämpfer an der Front entwickelt und produziert werden, die sie genau in diesem Moment benötigen. Hier, im Entwicklungslabor, nahm die Idee Gestalt an, Infanteriebataillonen eine Schlagkraft zu verleihen, die nicht von der Unterstützung der Luftwaffe, einer Panzergranate oder Artilleriefeuer abhängt.
»Musste ein Kompaniechef früher noch Unterstützung durch einen Kampfhubschrauber, eine Drohne oder Artillerie anfordern, verfügt er heute über eine eigene Fähigkeit für Luftangriffe mittels Drohnen«, erklärte ein Yiftach-Ingenieur. »Abgesehen von der Unabhängigkeit, die dies den Truppen vor Ort verschafft, erkennen wir auch den Vorteil in Bezug auf die Munition, denn letztlich kostet das Abfeuern von schultergestützten Raketen und Panzergranaten viel Geld, und es muss eine kostengünstige Lösung her.«
Diese Lösung ist eine relativ einfache Drohne mit First-Person-View-Fernsteuerung (FPV), bestehend aus einem Rahmen, vier Motoren, einem Flugcontroller und einer Batterie. Es handelt sich um ein kostengünstiges, wendiges Gerät, das nur ein Kilogramm wiegt, aber einen Sprengkopf tragen kann, der um ein Vielfaches schwerer ist als es selbst. Abgesehen von seinem geringen Gewicht ist es einfach zu bedienen, was es auf dem Schlachtfeld äußerst nützlich macht. Anhand von Videos, die ich mir im Büro des Yiftach-Einheitskommandanten ansah, zeigte er mir, wie diese »Fledermäuse« in Gebäuden in Gaza, auf Fahrzeugen im Libanon und an anderen Orten explodierten. »Heute«, sagte er, »geht keine Einheit mehr in einen Einsatz, ohne mehrere ›Fledermäuse‹ mitzunehmen.«
Die ersten Atalef-Drohnen wurden bei der Yiftach-Einheit entwickelt und werden nun von zivilen, auf Drohnen spezialisierten Unternehmen in Serie produziert. Bald werden die Streitkräfte beginnen, sie selbst herzustellen. Das soll in einer neuen Drohnenfabrik geschehen, die im Wartungs- und Sanierungszentrum eröffnet werden soll, das sich in Tzrifin befindet. »Das wird den IDF Tausende von Drohnen verschaffen«, sagte der Einheitskommandant begeistert.
Gesehen und ungesehen
Die zwei neuen, glänzenden und geräumigen Gebäude im gepflegten Industriegebiet von Caesarea, in denen das Verteidigungs-Startup SpectralX untergebracht ist, unterscheiden sich stark von denen der militärischen Yiftach-Einheit. »So sah es am Anfang nicht aus«, sagte der SpectralX-Vorstand Asaf Picciotto mit einem Lächeln. Picciotto und sein Partner Asaf Miller gründeten ihr Unternehmen zur Entwicklung fortschrittlicher Tarnlösungen, die auf modernster Technologie basieren.
»Das Militär weiß sehr genau, was es will«, sagte Miller, der Chief Technology Officer des Unternehmens, »aber manchmal muss man dem Militär sagen, was es braucht.« Genau das ist bei SpectralX und dem Drohnenbereich der Fall. »Seit vielen Jahren beobachten wir, was im Krieg zwischen der Ukraine und Russland mit Drohnen geschieht«, erklärte Picciotto. »Schließlich ist der Einsatz von Kampfdrohnen auf YouTube zu sehen. Man muss kein großer Experte sein, um zu verstehen, was vor sich geht.«
Während sich die IDF auf den offensiven Aspekt von Kamikazedrohnen konzentrierte, entschied sich das von Veteranen der Maglan-Spezialeinheit gegründete Unternehmen, sich mit der defensiven und weniger glamourösen Seite des Themas zu befassen. Das Ergebnis ist mit »Armadillo« ein Tarnset für Fahrzeuge, das auf den ersten Blick ziemlich lächerlich aussieht. Aber genau darauf basiert das Prinzip: Das Set wird an Kampffahrzeugen angebracht und verändert deren Silhouette grundlegend mithilfe ausgeklügelter Tarnplanen, die sich auf Knopfdruck entfalten. Innerhalb einer Sekunde verwandelt sich so ein Militär-Humvee in ein seltsames Ding, das selbst das menschliche Auge nur schwer einordnen kann – und ganz sicher nicht durch eine Drohnenkamera.
»Vor dem Krieg hatten wir unsere Feuertaufe bei dem Einsatz einer Spezialeinheit, die mit Fahrzeugen in einem weit entfernten Einsatzgebiet operierte«, verriet Amir Haimovich, der Vizepräsident für Marketing des Unternehmens. »Im Rahmen ihres Kampfeinsatzes kamen sie zu uns, und wir schneiderten einen ›Anzug‹ für ihre Fahrzeuge. Es war ein Erfolg für alle und bestätigte, dass das Produkt gut funktionierte.«
Schutz für die Beschützer
Ein weiterer Bereich, in dem die Tarnlösungen von SpectralX während des Krieges zum Einsatz kamen, ist das äußerst wichtige und in Israel zuvor sträflich vernachlässigte Feld des Schutzes von Flugabwehrsystemen. Bereits zu Beginn des Krieges griff die Hisbollah alle Sensoren, die Israel entlang der libanesischen Grenze zur Früherkennung von Luftbedrohungen aufgestellt hatte, mit Präzisionsraketen an. »Einige der Beobachtungssysteme, die von den weiblichen Wachposten genutzten Überwachungskameras und die Sensoren der Einheit 8200 wurden getroffen«, sagte Haimovich. »Das Nordkommando war blind. Sie verloren den Kontakt zum Feind. Und warum? Weil sie einfach nicht getarnt waren.«
Die Hisbollah nutzte diese Blindheit aus, um Einfallstore in israelisches Gebiet zu schaffen, durch die sie unbemannte Luftfahrzeuge (UAV) und später Drohnen schickte, um Angriffe tief im Hinterland durchzuführen. Einer dieser UAVs gelang es, den Speisesaal auf dem Ausbildungsstützpunkt der Golani-Brigade anzugreifen, wobei vier Soldaten getötet und etwa sechzig verletzt wurden. Auch hier begriffen die IDF erst nach Ausbruch des Krieges, dass sie ihre Erkennungssysteme entlang der Grenze tarnen musste.
Während der Kämpfe an der Nordgrenze begaben sich Mitarbeiter von SpectralX zu den entlang der Grenze stationierten Erkennungssystemen der IDF und tarnten diese auf kreative und kostengünstige Weise. »Der Vorteil ist hier nicht nur operativer, sondern auch wirtschaftlicher Natur«, sagte Haimovich. »Jedes dieser Systeme ist Millionen Dollar wert, und jetzt gelingt es uns, sie kostengünstig zu schützen.«
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






