Tom Watson hat bekanntgegeben, dass Antisemitismus einer der Gründe dafür war, dass er im vergangenen Jahr keine Wiederwahl ins Parlament anstrebte.
Campaign against Antisemitism
Der ehemalige stellvertretende Labour-Führer, dessen Differenzen mit dem damaligen Parteichef Jeremy Corbyn bekannt waren, trat zu Beginn des Wahlkampfes für die Parlamentswahlen 2019 zurück, nachdem er sich in den Jahren zuvor immer wieder gegen den Antisemitismus in seiner Partei ausgesprochen hatte.
Im Podcast „Last Call With Sweeney and Weiss“ hat er nun offengelegt, dass „der bösartige und kompromisslose Antisemitismus“ in der Labour Party „zu meiner Entscheidung beigetragen hat, die Politik zu verlassen“. Er erklärte, dass die Partei „von antijüdischem Rassismus durchsetzt“ sei, und dass „die Parteimitglieder den Antisemitismus in unseren Reihen einfach blind verleugnet“ hätten.
Er bemerkte, dass zu viele Menschen, „einfach nicht zwischen dem Staat Israel und jüdischen Menschen unterscheiden konnten und schlicht jüdische Menschen nicht mochten. Die Sprache, die sie benutzten, war rassistisch«. Auf die Frage, ob er glaube, dass Jeremy Corbyn ein Antisemit sei, sagte Watson: „Das spielt keine Rolle – diese Leute traten bei, als er Parteiführer war“, und sie hätten „sehr leicht“ wieder aus dem Amt und der Partei entfernt werden können.
Der Antisemitismus innerhalb von Labour sei „seit vielen Jahrzehnten nicht mehr Teil des Partei-Mainstreams“ gewesen, sagte er, aber „Freunde in der jüdischen Gemeinde sagen, er sei immer da gewesen – er sei nur nie artikuliert worden.“Watson bemerkte, dass „es zu viele sehr enge Freunde von mir gab, die wirklich Angst davor hatten, dass Labour bei der letzten Wahl an die Macht kommt, als dass ich mich in der Rolle, die ich ausübte, wohl fühlen könnte.“
Zu seinem Verdienst – und im Gegensatz zu den Hunderten von anderen Labour-Parlamentskandidaten – hatte Tom Watson nicht das Gefühl, dass er sich für einen Antisemiten einsetzen konnte. Allerdings prangerte er den Labour-Antisemitismus nicht an, als er sich aus der Politik zurückzog: Dass er damals sagte, sein Schritt sei „persönlich, nicht politisch“, war für die jüdische Gemeinde enttäuschend.