US-Präsident Ronald Reagan wusste, wie man den Iran bekämpft – und Moskau liest. Donald Trump scheint der zweite Teil dieser Fähigkeit abzugehen.
Jan Kapusnak / Felix Haibach
Die naheliegende Feststellung lautet, dass Donald Trumps Republikanische Partei (GOP) nicht mehr »reaganistisch« ist. Das sind alte Nachrichten. Die härtere Wahrheit ist hässlicher: Trumps GOP hat sich nicht bloß vom »Reaganismus« entfernt, sie hat einen seiner zentralen Instinkte ins Gegenteil verkehrt. Und falls die aktuellen Berichte stimmen, wonach Russland dem Iran Informationen geliefert hat, die ihm dabei helfen, amerikanische Soldaten und Militärgüter im Nahen Osten ins Visier zu nehmen, dann ist diese Umkehrung nicht länger bloß Stoff für nostalgische Bibliotheksreden. Sie ist zu einer akuten strategischen Hypothek geworden.
Wie die Washington Post berichtete, habe Moskau dem Iran die Standorte von US-Truppen übermittelt, darunter Kriegsschiffe und Flugzeuge. Damit hat sich Russland – einer der wichtigsten nuklear bewaffneten Konkurrenten Amerikas mit gewaltigen nachrichtendienstlichen Fähigkeiten – in diesem Konflikt auf die Seite Teherans gestellt.
Der Bericht selbst überrascht kaum. Bemerkenswert ist vielmehr die Reaktion, die er ausgelöst hat. Kriegsminister Pete Hegseth erklärte, die Vereinigten Staaten seien darüber »nicht besorgt«. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte, der Austausch geheimdienstlicher Informationen »macht offensichtlich keinen Unterschied in Bezug auf die militärischen Operationen im Iran, weil wir sie völlig zerschlagen« und wollte weder Auskunft geben, ob Trump mit Russlands Präsident Wladimir Putin darüber gesprochen habe, noch ob Russland dafür Konsequenzen tragen sollte. Das Vorgehen dieser Regierung zeugt nicht von strategischer Klarheit, sondern von Verharmlosung und Ausweichen.
Sechs amerikanische Soldaten wurden bei einem Drohnenangriff auf eine US-Einrichtung in Port Shuaiba in Kuwait getötet. Aus der bisherigen Berichterstattung geht nicht hervor, dass gerade diese tödlichen Angriffe durch russische Geheimdienstinformationen ermöglicht wurden. Sie zeigt aber, dass bereits Amerikaner in einem Krieg sterben, in dem Moskau mithilft, US-Streitkräfte verwundbarer zu machen.
Persönliche Nachsicht
In Bezug auf den Iran handelt die aktuelle US-Regierung aus Instinkten heraus, die Ronald Reagan verstanden hätte. Trotz des Makels der Iran-Contra-Affäre – des Skandals von 1985/86 um geheime US-Waffenverkäufe an den Iran und daraus umgeleitete Gelder für die antikommunistischen Contra-Rebellen in Nicaragua – betrachtete Reagan die Islamische Republik weiterhin primär als feindliches, den Terrorismus unterstützendes Regime und war bereit, Gewalt anzuwenden, wenn iranische Aggression amerikanische Interessen im Golf bedrohte.
Das Regime in Teheran bewaffnet seit Jahrzehnten Terror-Stellvertretergruppen im Nahen Osten, greift Israel durch sie an und bedroht den jüdischen Staat, entwickelt ein fortgeschrittenes Programm für ballistische Raketen, strebt den Bau von Atomwaffen an und kleidet seine antiamerikanische und antiisraelische Agenda in eine Mischung aus antiimperialistischer Rhetorik und kosmisch-religiösem Kampf gegen den »großen« und den »kleinen Satan«. Dadurch ist eine militärische Konfrontation immer schwerer vermeidbar geworden.
Der Iran ist kein missverstandener Akteur, dem es um die Aufrechterhaltung des Status quo ginge, sondern ein revolutionäres, expansionistisches und apokalyptisches Regime. Und Russlands Unterstützung ist auch keine plötzliche Anomalie. Moskau und Teheran unterhalten seit Jahrzehnten enge Beziehungen. Was sich in den letzten Jahren verändert hat, war der militärische Wert dieser Partnerschaft: Russland hat die Beziehungen weiter vertieft, als es für seinen brutalen Krieg in der Ukraine dringend Raketen und Drohnen brauchte. Der eigentliche Skandal besteht darin, dass Trump den russischen Präsidenten offenbar noch immer nicht klar lesen kann oder will.
Das müsste für eine Partei verheerend sein, die ihre außenpolitische Identität einst auf Misstrauen gegenüber Moskau gründete. Stattdessen fällt Trump, aus welchen Gründen auch immer, immer wieder in persönliche Nachsicht gegenüber dem Diktator Wladimir Putin zurück.
Dieses Muster zeigt sich seit Jahren. Im Dezember 2015, nachdem Putin Donald Trump als »sehr talentiert« bezeichnet hatte, sagte Trump, es sei »eine große Ehre«, vom russischen Präsidenten gelobt zu werden. In Helsinki 2018 schien er Putins Leugnung russischer Wahleinmischung ernster zu nehmen als die Erkenntnisse der eigenen amerikanischen Geheimdienste. Im März 2025, während er noch mit Zöllen drohte, falls Moskau einen Waffenstillstand blockiere, sagte Trump über Putin: »Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihm … der Ärger verfliegt schnell …, wenn er das Richtige tut.«
Im August 2025 meinte er: »Ich glaube, Präsident Putin wird Frieden machen.« Im Januar 2026 erklärte Trump gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: »Ich glaube, er ist bereit, einen Deal zu machen. … Ich denke, die Ukraine ist weniger bereit, einen Deal zu machen.« Auf die Frage, wer die Verhandlungen aufhalte, antwortete er mit einem einzigen Wort: »Selenskyj.« Der Kreml stimmte Trumps Deutung umgehend zu.
Und Trumps Nachsicht gegenüber Russland ist nicht bloß rhetorisch geblieben. Vor Kurzem gewährte Washington Rosneft Deutschland eine unbefristete Sanktionsausnahme, gestattete per befristeter Sondergenehmigung den Verkauf festliegender russischer Öllieferungen nach Indien und signalisierte, dass der Druck auf russische Ölexporte weiter gelockert werden könnte. Es stellte sich sogar an Russlands Seite, als es eine Resolution der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) ablehnte, die Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur verurteilte.
Zugleich drängte die US-Regierung Kiew zu Zugeständnissen, die eher mit Moskaus Zielen vereinbar sind als mit den von der Ukraine selbst gezogenen roten Linien. Und während Putin auf einen raschen Stopp drängt, erklärt Trump, der Iran-Krieg sei »sehr vollständig« und »so gut wie« abgeschlossen: Die USA seien »sehr weit« vor dem ursprünglichen Zeitrahmen von »vier bis fünf Wochen«, den er selbst prognostiziert hatte – Formulierungen, welche die Frage nur noch zugespitzter erscheinen lassen, ob der US-Präsident erneut zu bereitwillig ist, dem Kreml auf halbem Weg entgegenzukommen.
Noch im Denken des Kalten Kriegs
Ronald Reagans Instinkt war das Gegenteil. So verhandelte er zwar mit Moskau, aber aus einem disziplinierten Misstrauen heraus. Bei der Unterzeichnung des Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty in Washington am 8. Dezember 1987 wiederholte er den Leitsatz »Vertrauen, aber überprüfen«. Als Michail Gorbatschow scherzte: »Das wiederholen Sie bei jedem Treffen«, antwortete Reagan: »Ich mag das.« In seiner Abschiedsrede aus dem Oval Office am 11. Januar 1989 verschärfte Reagan dieses Prinzip: »Es heißt immer noch: Vertrauen, aber überprüfen. Es heißt immer noch: Genau hinsehen. Und fürchten Sie sich nicht davor, zu sehen, was Sie sehen.«
Gerade dieser letzte Satz ist es, der den Republikanern von heute am sichtbarsten fehlt: Fürchtet euch nicht davor, zu sehen, was ihr seht. Und was sieht man heute? Man sieht Putin, wie er den Krieg als »bewaffnete israelisch-amerikanische Aggression« gegen den Iran bezeichnet. Man sieht Moskau, wie es Washingtons Handeln als auf einem »falschen Vorwand« beruhend verurteilt. Man sieht also genau jene Art gegnerischen Verhaltens, die »reaganistische« Republikaner einst sofort erkannten.
Und genau das ist der Punkt, um den Republikaner immer wieder herumschleichen: Russland denkt noch immer in Kategorien des Kalten Kriegs. Das Denken des Kremls ist weiterhin darauf ausgerichtet, die Vereinigten Staaten indirekt zu schwächen – sie von ihren Verbündeten zu trennen, sie über Stellvertreter unter Druck zu setzen und regionale Konflikte auszunutzen, ohne einen direkten Krieg zwischen Großmächten zu riskieren.
Reagan verstand ein solches Verhalten als das, was es war. Seine berühmte Rede vom »Reich des Bösen« im Jahr 1983 war nicht bloß moralisches Theater. Gehalten auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs und während des sowjetischen Afghanistan-Kriegs, fiel sie in eine Zeit nach der langen Ära Leonid Breschnews, die sowjetischen Expansionismus und Repression verfestigt hatte, und in einen Moment, in dem der Kreml unter Juri Andropow noch immer dieselbe ideologische Feindschaft gegenüber der liberalen Ordnung betrieb.
Reagan warnte den Westen vor Selbsttäuschung; der Gewohnheit, Aggression als Missverständnis und Ideologie als bloßes Hintergrundrauschen zu behandeln. Er forderte seine Zuhörer auf, nicht »die Tatsachen der Geschichte und die aggressiven Impulse eines bösen Imperiums« zu ignorieren und nicht so zu tun, als sei das Wettrüsten bloß »ein gigantisches Missverständnis«. Der »Trumpismus« hat aus dieser alten Versuchung einen Stil gemacht. Er nennt sich Realismus, reduziert Außenpolitik aber auf Ego und Impuls. Glaube ich, dass ich mit dem Kerl klarkomme? Respektiert er mich? Fühlt sich die Beziehung gut an? Das ist keine strategische Analyse. Das ist Narzissmus, festgetackert an geopolitische Ahnungslosigkeit.
Hier liegt eine fast perfekte historische Ironie. Am 6. März 1987 schloss die damalige Reagan-Regierung gerade die Vorbereitungen für die Eskorte von Öltankern in der Straße von Hormus ab – eine Mission, aus der später die Operation Praying Mantis hervorging, das größte Überwassergefecht der US-Marine seit dem Zweiten Weltkrieg. Neununddreißig Jahre später, am 6. März 2026, tauchten Berichte auf, wonach Russland den Iran dabei unterstützte, amerikanische Streitkräfte zu identifizieren.
Trump mag Reagans Härte gegenüber dem Iran in Teilen nachgeahmt haben, auch, indem er die iranische Fregatte IRIS Dena versenken ließ – die erste Versenkung eines größeren Überwasserkampfschiffs durch die USA seit der Operation Praying Mantis. Was er nicht erreicht hat, ist Reagans Klarheit in Bezug auf Moskau – und Putin nutzt diese Lücke aus, mit sichtlichem Vergnügen und zu unser aller Gefährdung.
Jan Kapusnak ist Politikwissenschaftler und freier Autor in Tel Aviv. Er schreibt regelmäßig über den Nahen Osten, Israel und geopolitische Fragen. Felix Haibach ist Historiker und Politikwissenschafter in München sowie früherer außenpolitischer Redenschreiber von Bundeskanzler Kohl.






