Die wahre Geburtsstunde der Israel-Boykottbewegung

„Die Resolution des deutschen Bundestages vom Mai, welche die anti-israelische Boykottbewegung BDS (‚Boycott, Divestment and Sanctions‘) als antisemitisch verurteilt, spaltet neben der Politik auch die Wissenschaft. In den offenen Briefen von Wissenschaftlern, die zu der Resolution Stellung nehmen, sind die Verteidiger des BDS in der Mehrzahl. Das kommt nicht überraschend. Besonders unter Vertretern der postkolonialen Theorie genießt der BDS breite Sympathien, wobei die Linie zwischen Wissenschaft und Aktivismus nur schwer zu ziehen ist, da viele BDS-Aktivisten Wissenschaftler sind.

Die BDS-Bewegung versteht sich als Anwalt der palästinensischen Zivilgesellschaft. Ihre Gründung im Jahr 2005 geht nach eigener Darstellung auf einen Aufruf der palästinensischen Zivilbevölkerung zurück, der jedoch nicht dokumentiert ist. (…) Auf die Frage, ob die weltweit operierende Bewegung allein durch die Solidarität mit der palästinensischen Zivilbevölkerung verbunden wird, oder ob man unter humanitärem Deckmantel noch andere Interessen verfolgt, hat schon 2017 ein Aufsatz des Politikwissenschaftlers Florian Markl Licht geworfen, der jetzt neue Aktualität gewonnen hat (Sans Phrase, Zeitschrift für Ideologiekritik, Heft 11, 2017). Markl führt die Anfänge des BDS auf die UN-Konferenz gegen Rassismus zurück, die 2001 im südafrikanischen Durban stattfand. (…)

Im Abschlusskommuniqué der UN-Konferenz, von der sich später sogar die für gewöhnlich israelkritischen Organisationen Human Rights Watch und Amnesty International distanzierten, wurde Israel schließlich als ‚rassistischer Apartheidsstaat‘ gebrandmarkt, der für ‚ethnische Säuberungen‘ und ‚Völkermord‘ verantwortlich sei. Nach Markl fanden sich in dem UN-Kommuniqué von Durban alle hetzerischen Formulierungen der Teheraner Erklärung wieder, einschließlich der Forderung nach einem Israel-Boykott, weshalb er Durban als die ‚wahre Geburtsstunde der BDS-Bewegung‘ bezeichnet.“ (Thomas Thiel: „Die Spur führt nach Teheran“)


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