Um autoritäre arabische Regime nicht zu verärgern, aber auch aus kolonialen Schuldgefühlen heraus haben westliche Staaten wenig unternommen, um die Situation der Christen im Nahen Osten zu verbessern.
Joseph Puder
Hetze gegen den Islam ist in den Vereinigten Staaten und im Westen im Allgemeinen ein Hassverbrechen, wobei selbst Kritiker, die nicht islamfeindlich argumentieren, Anschuldigungen wegen »Islamophobie« befürchten. Umgekehrt werden Christen in den mehrheitlich muslimischen Staaten, insbesondere im Nahen Osten, verfolgt, diskriminiert und misshandelt. Das Justizsystem in den meisten dieser Länder fördert sogar die Verfolgung von Christen.
In westlichen Hauptstädten, wo Religion zu einer individuellen Angelegenheit und Multikulturalismus zu einer Tugend geworden ist, können Muslime für ihre Anliegen auf die Straße gehen, ohne daran gehindert zu werden. Zugleich würde man kaum Beispiele finden, dass Christen in Bagdad, Kairo, Damaskus, im Gazastreifen, in Istanbul, Teheran, Doha oder Riad im Namen des Christentums demonstrieren.
Länderüberblick
Westliche Politiker scheinen das Leiden der Christen im Nahen Osten weitgehend zu ignorieren. Die Verfolgung von Christen ist durch eine Kombination aus extremistischer Gewalt, rechtlicher Diskriminierung und Massenvertreibung charakterisiert. Im Jahr 1900 machten Christen im Nahen Osten noch 12,7 Prozent der Bevölkerung aus, während es im Jahr 2025 nur noch 4,1 Prozent waren.
Unter Berufung auf die Nachrichtenplattform Al-Monitor berichtete die NGO Genocide Watch, dass »koptische Christen in Ägypten Angriffen ausgesetzt sind, was Besorgnis über die Sicherheit der Minderheit in diesem Land hervorruft«. Im Dorf Fawakher im nördlichen Gouvernement Minya wurden mehrere koptische Häuser niedergebrannt, während sich die Bewohner noch in ihnen befanden. Al-Arabiya und The New Arab meldeten, dass der Angriff eine Reaktion auf angebliche Pläne zum Bau einer neuen Kirche in der Gegend war.
In Ägypten, insbesondere in der Provinz Minya, gibt es eine lange Geschichte der Verfolgung und der Gewalt gegen Kopten. Im Jahr 2018 wurde ein Polizist wegen Mordes an zwei Kopten in Minya angeklagt. Im folgenden Jahr berichtete Al-Monitor aus der Region, dass einige koptische Gotteshäuser aufgrund von Gewalt und Einschüchterung zur Schließung gezwungen waren. Ägypten bezieht in großem Ausmaß wirtschaftliche und militärische Hilfe von den USA. Dennoch schauen die Behörden in Kairo weg, wenn junge koptische Mädchen entführt und gewaltsam zum Islam konvertiert werden.
Im Irak ist die christliche Bevölkerung von etwa 1,5 Millionen im Jahr 2003 auf aktuell ca. 150.000 zurückgegangen. Obwohl der Islamische Staat weitgehend besiegt ist, sind seine Nachbeben noch immer zu spüren. So können viele Familien noch immer nicht in ihre zerstörten Häuser in der Ninive-Ebene zurückkehren.
Die Christen im Iran, insbesondere jene, die vom Islam konvertiert sind, werden als »Bedrohung der nationalen Sicherheit« eingestuft. Seit Anfang dieses Jahres wurden viele von ihnen wegen des Vorwurfs der Propaganda oder der Ausübung ihres Glaubens in geheimen Hauskirchen zu Haftstrafen zwischen fünf und zehn Jahren verurteilt.
Unter dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa, dem ehemaligen dschihadistischen Führer von Hayat Tahrir al-Sham, sind die Christen einer erhöhten Unsicherheit ausgesetzt. Die Abhängigkeit der Übergangsregierung von islamistischen Fraktionen birgt die Gefahr gezielter Gewalt und gesellschaftlicher und religiöser Marginalisierung. Beispiele hierfür sind der Bombenanschlag auf eine große Kirche in Damaskus im Jahr 2025 und die Einschüchterung durch bewaffnete Dschihadisten.
Die World Watch List 2025 der NGO Open Doors stufte die Türkei auf Platz 41 jener fünfzig Länder ein, in denen Christen bei der Ausübung ihres Glaubens mit den größten Herausforderungen konfrontiert sind. In Bezug auf die Türkei zeigen die Ergebnisse eine beunruhigende Mischung aus kulturellen, rechtlichen und sozialen Herausforderungen, durch welche die christliche Bevölkerung weiterhin marginalisiert wird, darunter die Abschiebung ausländischer christlicher Arbeitnehmer, die als »Sicherheitsrisiko« angesehen werden. Im Jahr 1915 verübte die Türkei einen Völkermord, indem sie 1,5 Millionen christliche Armenier ermordete. Mehr als ein Jahrhundert später hat der derzeitige Präsident Recep Tayyip Erdogan immer noch eine gefährlich geringe Achtung für Christen.
Christen im Westjordanland und im Gazastreifen sind erheblicher Verfolgung und Not ausgesetzt, was zu einem Rückgang der Bevölkerung geführt hat, wobei die Anzahl der Christen an der Gesamtbevölkerung im Westjordanland weniger als zwei Prozent beträgt, während im Gazastreifen im vergangenen Jahr nur noch rund tausend Christen lebten.
In der Küstenenklave sind Christen Gewalt und Zwang zur Konversion ausgesetzt. In Bethlehem, dem Geburtsort Jesu, stellten Christen bis Ende der 1980er-Jahre die Mehrheit der Bevölkerung. Heute machen Christen weniger als zehn Prozent der Bevölkerung aus. Der Autor interviewte 1991 den christlichen Bürgermeister von Bethlehem, Elias Freij, und fragte ihn, wo sich die christliche Bevölkerung befinde. Er zeigte mit dem Finger nach Westen und sagte: »In Santiago de Chile.«
Christen, die in Katar leben, müssen bei Gottesdiensten äußerste Vorsicht walten lassen, während Christen, die keine Staatsbürger sind, auf einem von der Regierung kontrollierten Gelände, das für katarische Staatsbürger gesperrt ist, den Gottesdienst feiern müssen. Etwa 65 Prozent der Bevölkerung des Landes besteht aus ausländischen Arbeitskräften, hauptsächlich Filipinos. Ausländische Christen in Katar wurden wegen evangelistischer Aktivitäten unter einheimischen Katarern ausgewiesen.
Saudi-Arabien schränkt die Ausübung des christlichen Glaubens stark ein und verbietet öffentliche Gottesdienste, Kirchen und Missionierung. Wer seinen Glauben offen ausübt oder vom Islam konvertiert, riskiert Verhaftung, Inhaftierung und Ausweisung. Christen, insbesondere Konvertiten, sind Überwachung, Diskriminierung und potenzieller Misshandlung ausgesetzt.
Bedrohung durch Islamismus
Der Niedergang von Ideologien wie dem Panarabismus und dem säkularen Sozialismus in der arabischen Welt öffnete dem Islamismus erneut Tür und Tor. Der radikale Islam im Iran und im Jemen hat das Leben von Christen in diesen Staaten praktisch unmöglich gemacht. Die Lage im übrigen muslimischen Nahen Osten ist nicht viel besser, und das ideologische Gebräu aus Hass auf den Westen, der mit dem Christentum identifiziert wird, hat die schwindende Zahl der Christen in der Region in weitere Gefahr gebracht.
Um autoritäre arabische Regime nicht zu verärgern, aber auch aus kolonialem Schuldgefühl heraus haben westliche Staaten wenig unternommen, um die schlechte Lage der Christen in der Region zu verbessern. Ironischerweise hat sich die Schuld des Westens auch darin manifestiert, dass Millionen von Muslimen aus dem Nahen Osten nach Europa und Amerika fliehen durften, anstatt in den riesigen, ölreichen Ländern Saudi-Arabien, Libyen und Algerien aufgenommen zu werden.
Während der Antisemitismus im muslimischen Nahen Osten weit verbreitet ist, gibt es in der Region kaum noch Juden. Was ist also das nächstbeste Ziel für den Hass und die Gewalt islamistischer Regime? – Christliche Gläubige. Es ist höchste Zeit, dass die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten die Lage der christlichen Minderheiten im Nahen Osten zur Kenntnis nehmen.
Joseph Puder ist Gründer und Direktor der Interfaith Taskforce for America and Israel (ITAI). Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






