Die türkische Wirtschaft steht kurz vor dem Kollaps

„Der türkische Präsident hat mehr als genug Probleme am Hals: Die Unternehmen sind hoch verschuldet, die Inflation galoppiert davon und Investoren suchen scharenweise das Weite. Die wirtschaftliche Bilanz seiner Amtszeit ist verheerend. Die Muskelspiele von Recep Tayyip Erdogan und Donald Trump im Fall des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson helfen da nicht. Die finanzielle Schieflage droht für die Türkei brenzlig zu werden. US-Vizepräsident Mike Pence ließ am Mittwoch in Washington deutlich wissen, wo der Hammer hängt: ‚Lassen Sie Andrew Brunson sofort frei oder machen Sie sich auf Konsequenzen gefasst.‘ Brunson hatte an dem Tag zwar seine Gefängniszelle in der Türkei verlassen, durfte aber nicht ausreisen. Er wurde unter Hausarrest gestellt. Die Amerikaner hatten sich das anders vorgestellt. Annähernd zwei Jahre hat der protestantische Pastor in Untersuchungshaft zugebracht. Wegen angeblicher Spionage und Terrorismus drohen dem 50-Jährigen bis zu 35 Jahre Haft. (…)

Unklar ist bislang, was genau die USA planen. Spekuliert wird, dass Washington möglicherweise Lieferungen des Kampfjets F-35 absagt. Pence und Trump äußerten sich nicht dazu. Die Drohung reichte aber aus, um binnen weniger Tage die Finanzmärkte ein zweites Mal beben zu lassen. Die ohnehin unter Druck stehende türkische Lira fiel auf einen neuen Tiefstand. Und auch die türkische Börse legte einen Sturzflug hin. Inzwischen haben sich Lira und Aktienmarkt wieder etwas erholt. Entwarnung bedeutet das nicht. Die Türkei kämpft mit enormen wirtschaftlichen Problemen. Die Lage ist so schlecht wie seit Jahren nicht. Investoren fliehen in Scharen aus Lira, Aktien und Anleihen. Seit Jahresbeginn hat die Landeswährung mehr als ein Fünftel an Wert zu Dollar und Euro verloren, die Inflation liegt mit 15 Prozent auf Rekordniveau. Die US-Ratingagentur Fitch stufte die Kreditwürdigkeit der Türkei zuletzt noch tiefer in den Ramschbereich runter. Mit ‚BB‘ rangiert die Türkei nun auf einer Stufe mit Ländern wie Guatemala oder Costa Rica. (…)

Bei seiner Vereidigung im Juli hat Erdogan erneut versprochen, die Türkei zu einer der größten Wirtschaftsmächte der Welt zu machen. Wie das funktionieren soll, ist unklar. Ökonomen sprechen eher davon, dass die türkische Wirtschaft kurz vor dem Kollaps steht. (…) Die Vertreter der USA bei der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) werden in Zukunft ihr Veto gegen weitere Kredite für die Türkei einlegen. Und zwar solange, wie Ankara ‚willkürlich‘ amerikanische Bürger und Botschaftsangestellte in Haft hält. ‚Wir wollten niemals, dass dieses Gesetz notwendig wird, aber wir haben die türkische Regierung gewarnt‘, sagte der Leiter des Ausschusses, Bob Corker.“ (Diana Dittmer: „Türkei kommt Crash gefährlich nahe“)

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