Die Türkei auf Konfrontationskurs im östlichen Mittelmeer

Arena neuer Ambitionen der Türkei: das östliche Mittelmeer. (Quelle: NASA)

„Die Ambitionen der Türkei, sich als Nahostmacht zu behaupten, sind derzeit im gesamten westlichen Teil der Region erkennbar. Sie nimmt einen Teil Nordwestsyriens ein. Ihre Truppen sammeln sich derzeit an der Grenze zu Syrien weiter östlich. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat gedroht, dass seine Truppen ‚plötzlich eines nachts‘ eingreifen könnten, es sei denn, die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte gestatten die Errichtung einer 30 Kilometer breiten, von der Türkei unterhaltenen ‚Sicherheitszone‘ entlang der Grenze in Syrien.

Türkische Streitkräfte befinden sich auch im Nordirak, wo sie gegen die PKK-Präsenz im kurdisch kontrollierten Norden vorgehen. Darüber hinaus bietet die Türkei der mit der Muslimbruderschaft verbundenen Regierung in Libyen aktive Unterstützung und liefert unter Verletzung eines seit 2011 geltenden UN-Embargos Drohnen nach Tripolis.

Und natürlich unterstützt Ankara das Hamas-Regime in Gaza. Die palästinensisch-islamistische Bewegung unterhält in Istanbul ein aktives Büro, das laut dem jüngsten Überläufer Sohaib Hassan Yousif ‚Sicherheits- und Militäroperationen auf türkischem Boden unter dem Deckmantel der Zivilgesellschaft durchführt. (…)

Die Bemühungen der Türkei, Einfluss und Macht in ihrer Nachbarschaft aufzubauen, beschränken sich nicht nur auf das trockene Land. Eine wichtige, sich derzeit entwickelnde Arena für die Durchsetzungsfähigkeit der Türkei ist vielmehr das östliche Mittelmeer.

Dieses Gebiet war in den letzten Jahren Schauplatz bedeutender Gasfunde in israelischen, zypriotischen und ägyptischen Gewässern. Auch der Libanon versucht, mit der Erkundung seiner Territorialgewässer zu beginnen. (….) Die Türkei hat keine großen Gasreserven entdeckt. Sie wurde nicht eingeladen, dem Gasforum des östlichen Mittelmeerraums beizutreten, dem neu gegründeten Gremium, das die Bemühungen zur Entwicklung von Gasressourcen und -mechanismen für den Export auf internationale Märkte koordinieren soll. Ägypten, Zypern, Griechenland, Israel, Italien, die palästinensischen Gebiete und Jordanien sind Mitglieder dieses Forums.

Während sich die Türkei weiter vom Westen entfernt und sich einem Bündnis mit Russland annähert, entwickelt sie sich zu einer aggressiven und disruptiven Kraft in Bezug auf die Gasförderung im östlichen Mittelmeerraum. Das Hauptaugenmerk liegt derzeit auf Zypern. Israel, Ägypten und der Libanon haben alle Abkommen zur Begrenzung der jeweiligen Zuständigkeiten mit Nikosia unterzeichnet. Die Türkei weigert sich, dies zu tun. (…)

Erdogan fasste die türkische Position kürzlich in einer Rede in einer Marine-Kommandozentrale in Istanbul zusammen, die von der Al-Monitor-Nachrichtenseite zitiert wurde: ‚Wir werden keine Maßnahmen zulassen, die darauf abzielen, sich der natürlichen Ressourcen des östlichen Mittelmeers unter Ausschluss unseres Landes und der Türkischen Republik Nordzypern zu bemächtigen. So wie wir den Terroristen in Syrien eine Lektion erteilt haben, werden wir den Banditen im Meer keinen Boden überlassen.‘ (Letzteres bezieht sich auf die türkische Militäroperationen gegen kurdische Gebiete im Norden Syriens in den Jahren 2016 und 2018.) (…)

Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Türkei ihre Versuche, den Prozess der Gasförderung im östlichen Mittelmeerraum zu behindern, vorantreiben wird. Derzeit beschränken sich die Bemühungen Ankaras auf den zypriotischen Kontext. Die Türkei versucht nicht, sich in den Prozess weiter südlich einzumischen. Die zukünftige Entwicklung der Ereignisse wird also wahrscheinlich vom Ausmaß der türkischen Ambitionen abhängen.

Die türkische Führung bezeichnet sich heute offen als Feinde Israels. Sie scheint einen Kurs eingeschlagen zu haben, der auf tiefergehende Feindseligkeit gegenüber dem Westen setzt. Das östliche Mittelmeer dürfte einer der Schauplätze sein, an denen dieser Kurs umgesetzt wird.“ (Jonathan Spyer: „Behind the Lines: Turkey sets course against the West in the Mediterranean“)


[Anmerkung der Redaktion: Sie können sich diesen Artikel vorlesen lassen, indem Sie auf das „Play“-Symbol über dem Text klicken. Das ist ein Pilotprojekt, die Software befindet sich in der Testphase. Wir freuen uns über Ihr Feedback an info@mena-watch.com.]

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