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Irak: „Niederschlagung der Proteste schlimmer als der Terror des IS“

Sicherheitskräfte in Baghdad gehen mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor
Sicherheitskräfte in Baghdad gehen mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor (© Imago Images / Xinhua)

Sanitäter, die verletzten Demonstranten im Irak helfen, werden zum systematischen Ziel von Sicherheitskräften und iranisch gelenkten Milizen.

Mohammed Rasool / Martin Chulov, The Guardian

Während der beispiellosen täglichen Demonstrationen haben bis zu 200.000 Demonstranten die irakische Führung dazu aufgefordert, die Macht an Beamte abzugeben, die die korrupten Netzwerke zerschlagen, die den enormen Ölreichtum des Landes zunichte gemacht haben. Gleichzeitig forderten sie, dass die umfassende Rolle des Iran in der irakischen Politik zurückgedrängt wird.

Weder irakische Politiker noch deren Führer im Iran scheinen jedoch zu Kompromissen bereit zu sein. Stattdessen ist eine Duldung der Proteste während der ersten vierzehn Tage einem gewaltsamen Vorgehen gewichen. Mehr als 300 Menschen wurden getötet und Tausende weitere verletzt, viele davon auf dem Tahrir-Platz im Zentrum von Bagdad, dem Herzen der Bewegung.

Hier haben Ahmad (31) und Abbas (32) [zwei Militärsanitäter] Verletzte behandelt, und hier hat sich das Vorgehen gegen Demonstranten zu einem offenen Krieg gegen die Sanitäter entwickelt. Die beiden Männer haben ihre Fähigkeiten in Sachen Unfallmedizin während des Kampfes gegen den Islamischen Staat in den Ruinen von Mosul, Tikrit und Baiji verbessert. „Nach dem Krieg gegen Isis hätte ich nicht gedacht, dass ich wieder so heftige Kämpfe sehen würde“, sagte Abbas. „Aber die Straßen und Plätze von Bagdad haben sich als wesentlich schlimmer herausgestellt. Im Krieg waren Verluste zu erwarten. In den vergangenen Wochen habe ich bei den Protesten einige schwere Verletzungen gesehen, die mir im Kampf selten begegnet sind.“

Der Schock, sterbende Zivilisten zu behandeln, die bloß Mitglieder einer Bürgerbewegung waren, ist etwas, mit dem sich keiner der Sanitäter abgefunden hat. (…) „Selbst ISIS hätte während der schlimmsten Kämpfe nicht auf medizinisches Personal geschossen“, sagte Abbas. „Aber die Bereitschaftspolizei beschießt Zivilisten mit Rauch- und Tränengasgranaten.“ (…)

Einige Mediziner wurden festgenommen, und seitdem hat man nichts mehr von ihnen gehört. Anderen wurde gesagt, dass sie von der Polizei gesucht würden. „Ein Medizinstudent, der mit uns auf der Sinak-Brücke arbeitete, wurde auf dem Heimweg in Gewahrsam genommen“, sagte Khalil. „Und wir haben seitdem nichts mehr von ihm gehört.“

‚Even Isis wouldn’t shoot at us‘: medics on frontline of Baghdad protests

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