Die Schas-Partei spielt als Vertretung sephardischer und mizrachischer Israelis oft eine wichtige Rolle bei der Regierungsbildung.
Der Name Schas ist ein Akronym des hebräischen Namens Shomrei Torah Sfaradim (»Sephardische Hüter der Torah«). Die Partei ist eine der einflussreichsten religiösen Parteien Israels. In den 1980er Jahren entstanden, versteht sie sich als politische Vertretung der sephardischen und mizrachischen Juden, also der Juden mit Wurzeln in Spanien, in Nordafrika und im Nahen Osten. Obwohl Schas eine orthodoxe Partei ist, erhält sie bei Wahlen auch Stimmen nicht-orthodoxer Bürger aus diesen Herkunftsländern.
Hintergrund
Israel wurde in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens maßgeblich von aschkenasischen Juden geprägt, also Juden mittel-, nord- und osteuropäischer Abstammung. Sie dominierten das politische und gesellschaftliche Geschehen. Demgegenüber fühlten sich viele Juden sephardischer und mizrachischer Herkunft, die später ins Land kamen und im Schnitt über weniger Bildung verfügten, stark benachteiligt.
Die Mizrachi waren in der Regel ärmer und bekleideten nur selten höhere Positionen in Wirtschaft und Staat. Sie waren religiöser und sozial konservativer eingestellt als die aschkenasischen Juden. Ihre Familien waren meist größer und wiesen höhere Geburtsraten auf.
Diese Unterschiede, die mittlerweile stark zurückgegangen, aber immer noch nicht verschwunden sind, spiegelten sich in politischen Präferenzen wider: Aschkenasische Juden machten das wesentliche Wählerreservoir für die lange dominierende Arbeitspartei und andere linke Parteien aus. Sephardische und mizrachische Juden tendierten im Gegensatz dazu mehrheitlich zu rechten bzw. religiösen Parteien.
Gründung und Charakteristik
Die Schas-Partei wurde 1984 von Rabbiner Ovadia Yosef, einem ehemaligen sephardischen Oberrabbiner (1972–1983), als Abspaltung von der strengorthodoxen haredischen Liste der Agudat Israel (heute Jachdut HaTorah/»Vereinigtes Thora-Judentum«) gegründet. Hintergrund war ein Streit über die geringe Vertretung der Sephardim auf den Wahllisten der Agudat Israel.
Gleich bei ihrem ersten Antreten zu einer Knessetwahl 1984 zog Schas mit vier Mandaten ins israelische Parlament ein. Ihr bestes Ergebnis konnte sie 1999 mit 17 gewonnenen Mandaten erreichen. In der Regel erhält sie um die zehn Mandate, bei der letzten Wahl 2022 waren es elf. In der israelischen Politik spielt Schas als Koalitionspartner rechter wie linker Regierungsbündnisse eine bedeutende Rolle. Als Mehrheitsbeschaffer ist sie nicht selten das Zünglein an der Waage.
Politisch steht Schas für eine ultraorthodoxe Religionspolitik, ihr eindeutiger Schwerpunkt liegt auf der Absicherung der von ihr aufgebauten sozialen Wohlfahrtsprogramme und des eigenen Bildungssystems. Um das zu erreichen, koaliert sie mit jedem, der ihr die Finanzierung ihrer Einrichtung und ihrer Form von ethnisch-kultureller Identitätspolitik zusichert. Ihre Wählerschaft besteht hauptsächlich aus ärmeren mizrachischen Juden.
Die großen Budgets, die Schas für ihre Klientel herausschlagen konnte, führten immer wieder zu kleineren und größeren Korruptionsskandalen. Betroffen davon war nicht zuletzt der langjährige Generalsekretär der Partei, Aryeh Deri. Er wurde 1999 – als amtierender Innenminister – wegen Korruption, Betrugs und Amtsmissbrauchs zu drei Jahren Haft und zehn Jahren Absenz aus dem politischen Leben verurteilt.
Das bedeutete allerdings nicht das Ende seiner politischen Karriere: 2013 war er wieder zurück an der Spitze der Schas-Partei, geriet aber wegen Steuerbetrugs 2022 wieder ins Visier der Justiz. Obwohl Deri von Premier Netanjahu zum Innen- und Gesundheitsminister gemacht wurde, musste er diese Ämter abgeben und aus der Knesset ausscheiden, nachdem ihn das Oberste Gericht aufgrund seiner Vergehen für nicht geeignet erklärt hatte.
Die Schas-Partei gehörte ursprünglich auch der aktuellen rechts-rechten Regierungskoalition von Premier Netanjahu an, zog sich aber im Juli 2025 zurück. Hintergrund war der Streit um die auf immer weniger Akzeptanz unter Israelis treffende Befreiung Strengreligiöser vom verpflichtenden Wehrdienst.
Laut den meisten Meinungsumfragen darf Schas bei der bevorstehenden Knessetwahl im Oktober wieder mit dem Gewinn von rund zehn Mandaten rechnen.






