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Die Hamas zwischen Washington und Teheran

Angesichts des Irankriegs sind die Entwicklungen um Gaza und die Hamas in den Hintergrund gerückt
Angesichts des Irankriegs sind die Entwicklungen um Gaza und die Hamas in den Hintergrund gerückt (© Imago Images / APAimages)

Berichte über direkte Gespräche zwischen der Hamas und den USA deuten darauf hin, dass die Terrororganisation vor dem schwierigsten politischen Moment ihrer Geschichte stehen könnte.

Mohammed Altlooli

Jüngste Medienberichte deuten auf einen heiklen politischen Moment für die Hamas hin. Laut dem israelischen TV-Sender Channel 12 führt die islamistische Bewegung in Kairo direkte Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über die Zukunft des Gazastreifens, darunter auch höchst umstrittene Themen wie die Regierungsführung nach dem Krieg gegen Israel und die Zukunft bewaffneter Fraktionen in dem Gebiet. Sollten diese Berichte zutreffen, offenbaren sie mehr als nur einen neuen diplomatischen Kanal. Sie legen das strategische Dilemma offen, vor dem die Hamas heute steht.

Eine Bewegung, die einen Großteil ihrer Identität auf der Opposition gegen die Vereinigten Staaten und einer engen Ausrichtung auf den Iran aufgebaut hat, scheint nun selbst mit Washington zu verhandeln. Die Berichte haben denn auch Teheran verärgert, das die Hamas seit Jahren finanziell und militärisch unterstützt. Aus iranischer Sicht stellen die Verhandlungen eine weitere Niederlage dar: Eine Bewegung, die lange Zeit Teil seiner »Achse des Widerstands« war, nimmt nun Gespräche mit genau jener Macht auf, die der Iran als seinen Hauptgegner und »Großen Satan« betrachtet.

Daneben gibt es auch Anzeichen für Spannungen mit Katar, das für die Hamas eine bedeutende politische und vermittelnde Rolle gespielt hat. Beobachter verweisen auf gemischte Signale und widersprüchliche Botschaften, die in dieser heiklen Phase von der Terrorbewegung ausgehen. In diesem Zusammenhang erhält eine unlängst gemachte Erklärung der Hamas, in der sie den Iran aufforderte, keine Nachbarländer anzugreifen, eine neue politische Bedeutung. Auf den ersten Blick schien es ein Aufruf zur Eindämmung der regionalen Eskalation zu sein. Doch angesichts der aktuellen Berichte könnte der Schritt auch den Druck widerspiegeln, der mit den laufenden Verhandlungen hinter den Kulissen einhergeht.

Veränderung der Lage

Doch die wichtigste Veränderung findet möglicherweise nicht in den Hauptstädten der Region statt, sondern innerhalb des Gazastreifens selbst. Nach Monaten eines verheerenden Kriegs, massiver Zerstörung und unermesslichen menschlichen Leids, welche die Hamas mit ihrem Angriff auf Israel über den Gazastreifen brachte, ist die Gesellschaft dort zutiefst erschöpft. Viele Bewohner stellen sich nun eine schwierige Frage: Was kann die Hamas realistisch gesehen für die Zukunft des Gazastreifens bieten?

Einige hoffen noch immer, dass die Bewegung, die den Gazastreifen seit 2007 regiert, eine politische Einigung erzielen kann, die den Krieg endgültig beendet und den Weg für den Wiederaufbau ebnet. Es wächst jedoch auch die Überzeugung, dass der Rückzug der Hamas aus der politischen Kontrolle über den Gazastreifen Teil einer umfassenderen Einigung sein könnte, die den Wiederaufbau des Gebiets ermöglicht und langfristige Stabilität bringt.

Die entscheidende Frage lautet daher: Auf wen setzt die Hamas jetzt? In der Vergangenheit stützte sich die Bewegung stark auf die Hilfestellung des Irans und unterhielt politische Beziehungen zu regionalen Akteuren wie Katar. Berichte über Verhandlungen mit Washington deuten jedoch darauf hin, dass sie angesichts sich wandelnder regionaler Dynamiken eine politische Neupositionierung anstreben könnte. Ein solcher Schritt birgt Risiken. Die Öffnung von Kanälen zu den Vereinigten Staaten könnte traditionelle Verbündete verärgern, während das Festhalten an früheren Strategien die Isolation des Gazastreifens vertiefen und die humanitäre Krise verlängern könnte.

Es mag noch zu früh sein, das politische Ende der Hamas zu verkünden. Dennoch scheint die Terrorgruppe angesichts der regionalen Entwicklungen vor einem Moment ernsthafter Neubewertung zu stehen. Die Diskussionen über die Zukunft des Gazastreifens beschränken sich nicht mehr nur auf die Bedingungen eines Waffenstillstands; sie berühren tiefgreifendere Fragen zur Regierungsführung, zu bewaffneten Gruppen und zur politischen Struktur des Gebiets nach dem Krieg.

Allein die Tatsache, dass diese Themen am Verhandlungstisch zur Sprache kommen, deutet darauf hin, dass sich die politische Landschaft des Gazastreifens möglicherweise vor einem bedeutenden Wandel befindet. Letztendlich ist die heikelste Frage vielleicht nicht, wie sich die Hamas entscheidet, sondern wie sich die Menschen im Gazastreifen selbst ihre Zukunft vorstellen, sobald der Krieg endlich zu Ende ist.

Mohammed Nafez Altlooli ist Autor und Friedensaktivist. Er war als Koordinator für zivile Angelegenheiten tätig und ist eine führende Persönlichkeit in der von Jugendlichen geführten Bewegung Bedna Na’eesh (»Wir wollen leben«) im Gazastreifen. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Bekämpfung extremistischer Ideologien sowohl im Nahen Osten als auch im Westen.

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