Die Hamas versteht sich nur auf militärische Konfrontation

SRF: Was hat Sie während ihrer Reise im Gazastreifen am meisten überrascht?

Martin Durm: Die überraschendste Erkenntnis war, dass das, was wir üblicherweise im Fernsehen zu sehen bekommen, nur ein kleiner Ausschnitt der Realität in Gaza ist. Man hat den Eindruck, jeden Freitag gebe es dort einen Volksaufstand und die palästinensische Jugend opfere sich im Anrennen gegen die israelischen Grenzzäune. Das ist tatsächlich so, aber es beschränkt sich auf ein paar hundert oder auch mal ein paar tausend Menschen. Der große Rest in Gaza bleibt lieber zu Hause. Wenn man diese daheim besucht, dann fluchen sie über die Hamas, sie preisen sie nicht. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Hamas einen großen Teil ihrer Unterstützung, die sie einmal genossen hat, längst verspielt hat. (…)

Die Islamisten verstehen sich im Grunde nur auf militärische Konfrontation: Sie preisen die Schönheit des Märtyrertods, sie rufen jeden Freitag in den Moscheen dazu auf, zu den Grenzzäunen zu gehen und sich dort zu opfern. Aber sie kümmern sich nur um den bewaffneten Kampf, nicht um die Alltagssorgen in Gaza. Gesundheit, Bildung, Nahrung – das überlassen sie lieber den Vereinten Nationen.

SRF: Warum kann sich die Hamas noch halten?

Martin Durm: Schlicht und einfach, weil sie Gewehre hat. Weil sie es ist, die mit den Massen an Waffen, die sie mittlerweile hortet, die Bevölkerung in Schach halten kann. Worüber aber wenig geredet wird: Im Gazastreifen gibt es mittlerweile durchaus Konkurrenz zur Hamas, nämlich durch radikalste Islamisten. Es gibt Zweige des Islamischen Staats IS, die vom Sinai her einsickern.“ (Interview auf SRF: „Die Menschen im Gazastreifen fluchen über die Hamas“)

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