Die Waffenruhe, die am 10. Oktober 2025 in Kraft trat, sollte den Anfang vom Ende der Hamas markieren – nachdem sie einen Krieg begonnen hatte, den sie nicht gewinnen konnte, den Gazastreifen in eine verheerende humanitäre Katastrophe stürzte und Israel traumatisiert zurückließ.
Jan Kapusnak
Der Aderlass in der Hamas-Führung ist drastisch. Israelische Einschätzungen sprechen von mehr als 290 ausgeschalteten Kommandeuren auf Kompanie-Ebene und darüber: Schaden, der jene Brigade- und Bataillons-Schicht zerriss, die die Hamas einst wie eine konventionelle Kraft erscheinen ließ. Israel tötete Yahya Sinwar, Mohammed Deif, Mohammed Sinwar, Marwan Issa und Ismail Haniyeh, die gesamte oberste Führung, die den 7. Oktober plante. Doch im ideologischen Rahmen der Hamas ist gezielte Tötung weniger ein endgültiger Schlag sondern wertvolles Material: Die Toten werden in ein Märtyrernarrativ eingespeist, das die Sache der »Befreiung Palästinas« und die Zerstörung Israels als Prozess befeuern soll.
Zudem besitzt die Hamas institutionelles Muskelgedächtnis: Sie hat sich schon früher von Führungsattentaten erholt, etwa nach den Tötungen ihres Gründers Ahmed Yassin 2004 und seines Nachfolgers Abdel Aziz al-Rantisi, indem sie rasch Ersatz fand, Autorität neu verteilte und Verluste als Beweis von Rechtschaffenheit umdeutete, nicht als Scheitern.
Und es sind nicht nur die »großen Namen« der 2000er: Die institutionelle Kultur der Hamas wurde früh geprägt durch den Verlust ikonischer Operativer wie Yahya Ayyash (wegen seiner Bombenbau-Fähigkeiten »der Ingenieur« genannt) im Jahr 1996; und durch die Lektion, dass Attentate, so disruptiv sie sind, metabolisiert werden können. Die Bewegung lernte, Know-how über Kompartimente zu streuen, Ersatz schnell zu befördern und jede Tötung zugleich in einen Rekrutierungsmythos und in einen praktischen Grund zu verwandeln, Sicherheit zu verstärken, Kommando zu dezentralisieren und die Organisation funktionsfähig zu halten, selbst wenn ihre sichtbarsten Figuren entfernt werden.
Externalisierung: Fraktionen und Nachfolge
Nach israelischen militärischen Einschätzungen hat die Hamas keinen einzelnen Führer mehr, der den gesamten Apparat zusammenhält. Israels Enthauptungskampagne schuf ein Vakuum, das die externe Führung nun zu füllen versucht.
Berichte beschreiben eine fünfköpfige Führungsarrangement-Struktur, die von Doha aus operiert; das traditionelle »Gaza-Veto«: der militärische Flügel im Streifen diktiert den Kurs des Politbüros im Ausland, ist stark geschwächt. Damit verschiebt sich das Gravitationszentrum nach außen. Manager im Exil haben mehr Freiheit, Verhandlungspositionen zu setzen, Ressourcen zu verteilen und strategische Entscheidungen zu schlichten, während Akteure in Gaza sich auf Überleben, Wiederherstellung interner Disziplin und Stabilisierung der Reste des bewaffneten Apparats fokussieren.
In dieser Konfiguration trat Izz al-Din al-Haddad, bekannt als »Geist von Al-Qassam«, nach Mohammed Sinwars Tod im Mai 2025 als neuer militärischer und administrativer Führer hervor. Der Kommandeur in den mittleren Fünfzigern, der fließend Hebräisch spricht, überlebte sechs israelische Attentatsversuche und verlor zwei Söhne im Krieg, während er die Kommandoführung hielt. Al-Haddad gilt als pragmatischer als manche Vorgänger in Verhandlungen, bleibt aber dem bewaffneten »Widerstand« verpflichtet.
Interimspolitchef in Gaza ist Ali al-Amoudi, ein ehemaliger Leiter des Hamas-Medienapparats und Sinwar-Verbündeter, der 2011 im Gilad-Shalit-Austausch freikam. Er hat faktisch die tägliche Verantwortung für die Arbeit des Politbüros im Streifen übernommen und arbeitet mit Tawfiq Abu Naim, einer hochrangigen Figur der inneren Sicherheit und ebenfalls Sinwar-Vertrautem, zusammen, um die Organisation funktionsfähig und diszipliniert zu halten.
Mit ausgedünnten Führungsrängen in Gaza und stark degradierter Kommando-Kontrolle verschiebt sich Einfluss zunehmend zur externen Führung. Die praktischen Zwänge sind banal, aber entscheidend: Hochrangige Figuren in Gaza können sich nur schwer treffen oder sicher kommunizieren, dadurch rückt die reale Verhandlungsposition nach außen, weg vom Küstenstreifen.
Die Hamas befindet sich Berichten zufolge in der Schlussphase interner Wahlen. Die Auswahl werde durch den geheimnisvollen Schura-Rat vermittelt, inmitten eines Tauziehens zwischen einer irannahen Strömung und einer katar-/türkeinahen. Diese Führungsrefiguration speist direkt die Pattsituation seit dem Beginn der Waffenruhe. Phase zwei von Donald Trumps 20-Punkte-Rahmen befindet sich in einen strukturellen Widerspruch: Sie sieht Entmilitarisierung und eine alternative Sicherheitsordnung vor, während die Hamas die Entwaffnung verweigert und damit jede äußere Kraft blockiert, die ihre Zwangsrolle ersetzen soll.
Vor diesem Hintergrund nennen Berichte eine kurze Liste einflussreicher Figuren, die die Nachfolgedebatte und die externe Ausrichtung prägen:
- Khalil al-Hayya gilt weithin als Favorit. Formell Stellvertreter an der Spitze des politischen Apparats aus Gaza, operiert aber von Katara aus. Er gilt als bevorzugte Wahl des irannahen Lagers und dessen, was vom militärischen Flügel übrig ist. Als langjähriger Sinwar-Vertrauter unterstützt er fortgesetzten bewaffneten Jihad und eine Strategie, die auf Teherans Finanzierung und militärischer Unterstützung basiert.
- Khaled Mashal ist der langjährige Außenführer, der eine eher katar-/türkeiorientierte Strömung verkörpert und als eher bereit gilt, einen verhandelten Waffenstillstand taktisch zu nutzen, um einen israelischen Rückzug aus großen Teilen Gazas zu beschleunigen.
- Muhammad Darwish (Abu Omar Hassan) ist Leiter des General-Schura-Rats und Interimschef des Leadership Council, oft als Kompromissfigur dargestellt, mit Arbeitsbeziehungen zu beiden Lagern, ohne als Favorit zu gelten. Darwish wird seit Langem mit dem Management von Hamas-Investments und -Finanzbeständen in Verbindung gebracht. Diese Rolle im Management stärkt seine Position: Er kontrolliert zentrale Hebel der Finanzierung und leitet seit Ismail Haniyehs Tod den temporären gemeinsamen Führungsrahmen.
- Zaher Jabarin überwacht das Westbank-Portfolio und spielt eine Schlüsselrolle in den Finanzen. 2011 im Gilad-Shalit-Deal freigelassen, operiert er heute aus der Türkei und gilt laut Berichten und israelischen Einschätzungen als zentraler Knoten für das Bewegen und Waschen von Geldern, die Hamas-Aktivität stützen – besonders im Westjordanland, aber auch in Kanälen nach Gaza. Während Gazas Kriegswirtschaft kollabiert und lokale Einnahmen schwerer werden, steigt die Abhängigkeit von externen Pipelines und damit Jabarins Hebel über Rekrutierung und operative Kontinuität.
- Nizar Awadallah sitzt in Doha und ist ein Veteran des Gaza-Politbüros, der Sinwar einst herausforderte und oft als Stimme des »internen« Gaza-politischen Establishments gesehen wird, getrennt vom militärischen Flügel.
Die Waffenruhe-Ökonomie
Die Resilienz der Hamas ist nicht nur militärisch, sondern auch ökonomisch. Unter der Waffenruhe gelangen weiterhin große Mengen an humanitärer Hilfe und kommerziellen Gütern nach Gaza; die Hamas verwandelt diesen Fluss in Einnahmen, Hebel und Patronage. Die IDF beschreibt rund 4.200 Lastwagen pro Woche (etwa sechshundert pro Tag), die nach Gaza einfahren; rund vierhundert davon täglich kämen aus dem Privatsektor, der Rest von internationalen Hilfsorganisationen. Dieses Volumen schafft Raum für die Hamas, sich finanziell und administrativ neu aufzustellen.
Die Hamas entwickelte ein doppeltes Besteuerungsmodell: Sie soll eine Abgabe von fünfzehn bis vierzig Prozent auf den Wert privatwirtschaftlicher Ladung beim Eintritt erheben und dann zusätzliche Gebühren einnehmen, sobald Waren auf Gazas Märkten verkauft werden. Diese Logik funktioniert selbst dann, wenn die Verfügbarkeit steigt. So beschrieben Berichte aus Gaza einen Schwarzmarkt, der trotz der Rückkehr vieler Güter in die Regale voll aktiv bleibt, weil Kontrolle, künstliche Knappheitsinseln und Distributionsengpässe weiter Rendite ermöglichen.
Ein Beispiel ist Kochgas: Trotz eines gemeldeten Preissturzes von etwa sechshundert Schekel (162 Euro) pro Kilogramm auf rund fünfzig Schekel (13,50 Euro) pro Kilogramm gingen die Schwarzmarktverkäufe weiter, weil Haushalte Berichten zufolge nur rund acht Kilogramm alle drei Monate erhalten, die Nachfrage liegt weit über der offiziellen Zuteilung.
Auf der humanitären Seite versucht die Hamas, das System zu monopolisieren, indem sie sich als »Tor« präsentiert. Berichten zufolge schöpft sie die liquidesten, strategischen Güter ab: Treibstoff, Zigaretten, Mehl, Reis, Öl, Zucker, Medikamente, Hygieneartikel und andere hoch nachgefragte Waren wie Kaffee, bevor die formelle Zuteilung greift, und leitet sie dann durch eigene Kanäle um oder lässt sie zu überhöhten Preisen auf dem Markt auftauchen.
Manche Einschätzungen gehen davon aus, dass die Hamas – allein oder mit angeschlossenen kriminellen Netzwerken – bis zu 85 Prozent der humanitären Einfuhren abschöpft, gestützt durch lokale Partner und bezahlten Personal an Kontrollpunkten, die Berichten zufolge rund 10.000 Dollar pro Monat erhalten, um zentrale Verteilungslinien zu kontrollieren. Selbst bei engeren Routen sondiert die Hamas weiterhin den Nachschub: über Sinai-Korridore, maritime Einfuhrversuche und besonders den Drohnen-Schmuggel von hochwertigen Komponenten.
Zusätzlich zu wiederkehrenden »Steuer«-Einnahmen schätzt israelische Aufklärung erhebliche Bargeldreserven in Gaza: mindestens rund vierhundert Millionen Schekel (109 Mio. Euro), teils bis zu etwa einer Milliarde Schekel (271 Mio. Euro). Teile davon sollen in Tunnelnetzen und Notdepots versteckt sein.
Dieses Bargeld-Polster ist politisch wichtig: Es hält die Regierungsmaschine am Laufen und erklärt, warum anhaltender öffentlicher Unmut schwer in organisatorischen Zusammenbruch zu übersetzen ist. Selbst unter Kriegsausterität zahlt die Hamas Berichten zufolge weiterhin Zehntausende operative und zivile Angestellte; nicht auf Vorkriegsniveau, aber genug, um Befehlsketten und Loyaliten sich zu erhalten. Nach Minimalzahlungen im Krieg habe sie zuletzt die monatlichen Zahlungen wieder auf etwa 800 bis 1.500 Schekel (220 bis 400 Euro) erhöht – ein bedeutender Betrag in der zerstörten Ökonomie des Gazastreifens.
Daneben nutzt die Hamas gezielte Bargeld-Zuwendungen als soziale Kontrolle und Schirmherrschaft. Berichte aus Gaza erwähnen ein Fünfhundert-Schekel-Zuschussprogramm (135 Euro) namens »Wir sind eure Unterstützung/Wir sind eure Wohlfahrt« für bedürftige Familien sowie Familien von Inhaftierten. Das Hamas-Ministerium für soziale Entwicklung meldete zudem, mehr als rund 9,6 Millionen Schekel (2,6 Mio. Euro) an 19.306 Witwen von »Märtyrern«, sprich: Kriegstoten verteilt zu haben. Die Hamas rahmte das Geld ausdrücklich als im Rahmen ihrer »Anti-Wucher« Kampagne seit Beginn der Waffenruhe beschlagnahmte Mittel, die Händlern abgenommen wurden, welche die Zivilisten ausgebeutet hätten.
Die Hamas profitiert auch von Währungswechsel- und Bargeld-Transfer-Workarounds. Da das Bankensystem geschädigt ist, sind viele Gazaner auf Geldwechsler und app-basierte Auszahlungen angewiesen, bei denen Hamas-nahe Netzwerke abschöpfen können – gemeldete Kommissionen reichen bis zu vierzig Prozent pro Transaktion. Ähnlich wirkt die Logik in informellen Transfersystemen wie Hawala: einem vertrauensbasierten »banklosen« Netzwerk, bei dem ein Sender im Ausland einen Broker bezahlt, der Broker einem Partner in Gaza signalisiert, und der Empfänger lokal ausgezahlt wird – später werden die Broker über Handel, Verrechnungen oder Sammeltransfers ausgeglichen.
Auch hier zeigt sich die Durchsetzungshaltung der Hamas, die mit Zwang durchgesetzt wird. Ihr Ministerium für Nationalökonomie fordert Ladenbesitzer auf, alle Währungen und Stückelungen zu akzeptieren, auch abgenutzte Banknoten, und warnt, Ablehnung vertiefe Not und störe den Markt; es droht Überwachung und rechtliche Schritte gegen Verstöße an. De facto stützt die Hamas diese Botschaft mit Verbraucher- und Versorgungskontrollteams. Doch lokale Berichte deuten darauf hin, dass die Anordnung nur teilweise durchsetzbar ist: Händler lehnen abgenutztes Bargeld weiterhin routinemäßig ab; Zwanzig-Schekel-Scheine sind fast aus dem Umlauf verschwunden; die meisten Fünfzig-Schekel-Scheine werden kaum noch genutzt; und etwa die Hälfte der Hundert-Schekel-Scheine wird Berichten zufolge nicht mehr akzeptiert, während Zweihundert-Schekel-Scheine vergleichsweise verwendbar sind – aber seltener.
Dieses ökonomische System ist durch Gewalt abgesichert. Berichte aus Gaza beschreiben Hamas-Sicherheitsaktionen gegen Rivalen, Wucherer und mutmaßliche »Kollaborateure«. Die Razzien der Sahm-Einheit, lösen öffentliche Wut aus, Bewohner nennen Hamas-Operative »Kriminelle«, »eine Bande« oder »eine Mafia« und kritisieren das Schweigen oder die Ohnmacht des technokratischen Zivilkomitees, das den Streifen verwalten soll. Mit anderen Worten: Durchsetzung ist nicht nur Geld – sie ist das Signal, dass keine alternative Autorität sicher Streit schlichten, Händler schützen oder Verteilung kontrollieren kann.
Ein auffälliges Merkmal der Waffenruhe-Ökonomie ist das Entstehen zweier paralleler Gesellschaften in Gaza. Der palästinensisch-amerikanische Menschenrechtsaktivist Ahmed Fouad Alkhatib beschreibt rund siebzig Prozent der Bevölkerung als in Vertreibung und Armut lebend, während der Rest in neu bestückten Läden einkauft, in teuren Restaurants isst und durch wiedereröffnete kommerzielle Räume flaniert.
Dieser Mechanismus ist strukturell und nicht zufällig: Nach der Waffenruhe kommen mehr kommerzielle Lastwagen in den Gazastreifen, aber die meisten Menschen können sich die Marktpreise nach zwei Jahren kollabierter Beschäftigung und Banking nicht leisten. Wer transaktionsfähig ist, ist oft mit NGOs, internationalen Organisationen, PA-Gehältern, Händlern mit Lieferkettenzugang oder einer Kriegs-Klasse von Mittelsmännern verbunden – darunter Figuren mit Nähe zur Hamas.
»Wohltätigkeit«
Die Hamas wird über ein zweckgebautes System ziviler Fassaden finanziert: NGOs in Gaza, die humanitäre oder medizinische Arbeit bewerben. Organisationen wie Al-Falah Society Gaza, Merciful Hands Gaza, Waed Society Gaza, Al-Salameh Society Gaza, Al-Nur Society Gaza und Qawafil Society Gaza werden vom US-Finanzministerium als in den militärischen Flügel, die Izz-ad-Din-al-Qassam-Brigaden, integriert beschrieben und dazu genutzt, Auslandsspenden anzuwerben, die in operative Bedürfnisse umgeleitet werden können. Das Geld bewegt sich dann durch eine interne Bürokratie, die Projekte finanziert und Dienstleistungen bereitstellt, und so Wohltätigkeits-Papierarbeit in eine Beschaffungs- und Leistungs-Pipeline für Kämpfer verwandelt.
Parallel beschreibt das Finanzministerium auch eine externe politisch-finanzielle Diaspora-Schiene: Die im Libanon ansässige Popular Conference for Palestinians Abroad wird als von der Hamas gelenktes Vehikel dargestellt, das Einfluss im Ausland ausbaut. Sie war ein zentraler Unterstützer mehrerer sogenannter Flottillen, die versuchten, Gaza zu erreichen. Das gleiche Muster zeigte sich auch in Europa: Italienische Staatsanwälte teilten Ende Dezember 2025 mit, neun Personen seien festgenommen worden, weil sie verdächtigt wären, über drei in Italien ansässige Wohltätigkeitsgruppen rund sieben Millionen Euro an hamasnahe Strukturen geleitet zu haben.
Auch andere externe Rettungsleinen gibt es noch: Katar beherbergt hochrangige Hamas-Persönlichkeiten und war vor dem Krieg ein wichtiger Finanzkanal nach Gaza, sichtbar etwa im Arrangement von rund dreißig Millionen Dollar pro Monat, die mit israelischer Zustimmung als Bargeld in den Streifen gelangten. Die Türkei beherbergt ebenfalls Teile der Hamas-Führung und drängt auf schnellen Wiederaufbau und eine Normalisierung in Gaza, selbst ohne vorherige Entmilitarisierung. Und auch der Iran bleibt Teil der militärisch-finanziellen Achse der Hamas, trotz erheblicher innerer wirtschaftlicher Belastungen.
Die Hamas testet weiterhin externe Nachschubwege, selbst wenn sie enger geworden sind: über dein Sinai (einschließlich dem Wiederaufbau grenzüberschreitender Tunnel), maritime Routen und vor allem zivile Drohnen, die hochwertige Inputs wie Elektronik, Batterien und Kommunikationsgerät transportieren können. Israelische Berichte nennen das Ausmaß dieses Korridors: In der Knesset präsentierte Daten sprachen von fast neunhundert Drohnen-Schmuggelvorfällen von Ägypten nach Israel in den drei Monaten vor Oktober 2025, ein Hinweis auf das dichte Logistik-Ökosystem, das die Hamas anzapfen kann.
Gleichzeitig beschreiben israelische Behörden große Schmuggelpipelines nach Gaza, insbesondere Zigaretten/Tabak, aber auch Telefone und Dual-Use-Komponenten, die Schwarzmarktumsätze und Wiederaufrüstung fördern. Der jüngste Schmuggelskandal, bei dem laut Berichten der Bruder des Shin-Bet-Chefs als Verdächtiger in einem Fall von Zigarettenschmuggel nach Gaza genannt wurde, unterstreicht, wie weit verzweigt diese Netzwerke dank entsprechender Korruption werden können.
Die Resilienz der Hamas nach der Waffenruhe reproduziert eine »Tag-Danach«-Falle: Technokratische Pläne lassen sich schreiben, doch sie müssen dort funktionieren, wo der Zwang entscheidet, was überhaupt funktioniert. Das Paradox ist, dass Konzepte, die die Hamas umgehen sollen, am Ende von ihrer stillschweigenden Kooperation abhängen: von der Schaffung einer Grundruhe, von kontrollierten Straßen und einer praktikablen Logistik. Diese Abhängigkeit von der Hamas wird zum Erholungsmotor für die Hamas: Sie verschafft der Terrororganisation Zeit, Geld, Raum und damit Kontrolle wiederzuerlangen – bis sie, obwohl schwer angeschlagen, doch wieder im Sattel sitz und bleibt.






