Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Erweiterte Suche

Die Geschichte der Medien-Intifada gegen Israel

Die ikonographische gewordene Szene von Mohammed al-Durah im Kugelhagel
Die ikonographische gewordene Szene von Mohammed al-Durah im Kugelhagel (Quelle: Richard Landes)

Ein neues Buch zeigt, wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine modernisierte Ritualmordlegende nicht nur den Kampf gegen jüdischen Staat befeuerte, sondern auch eine neue Gefahr für Westen selbst heraufbeschwor.

Phyllis Chesler

Von dem Moment an, als Jassir Arafat im Jahr 2000 seine lange geplante zweite Intifada gegen Israel begann, wurden unerbittlich die dreistesten Lügen über Juden und Israel erzählt und weithin geglaubt. Jahrelang gelang es den Meisterpropagandisten im Cyberspace, in den westlichen Medien und der Wissenschaft die Realität zu verdrehen. Die ganze Welt glaubte an ein völlig falsches Narrativ.

Richard Landes’ neues Werk Can the Whole World Be Wrong? Lethal Journalism, Antisemitism and Global Jihad dokumentiert unerschrocken, sorgfältig, schonungslos und brillant diese Geschichte. Der Historiker und Experte für apokalyptische Bewegungen ist Autor von acht Büchern und unzähligen Artikeln und unterhält eine beeindruckende Website namens »The Augean Stables«.

Außerdem ist Landes ein hervorragender Wortschöpfer. So hat er den Begriff »Pallywood« – eine Wortkombination aus »palästinensisch« und »Hollywood« – geprägt, um die Taktik der Palästinenser zu beschreiben, in Krisengebieten theatralische Szenen zu inszenieren und als Nachrichten getarnte Anti-Israel-Propaganda zu betreiben. Dabei werden mithilfe gestellter Szenen gewaltsame israelische Übergriffe auf die palästinensische Zivilbevölkerung vorgetäuscht, um die Weltöffentlichkeit gegen den jüdischen Staat einzunehmen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bösartige Berichterstattung

In seinem Buch geht Landes von einem Fall moderner Ritualmordlegende zur nächsten, beginnend mit dem ikonischen Tod von Mohammed al-Dura, einem Kind aus dem Gazastreifen, das angeblich von grausamen israelischen Soldaten vorsätzlich ermordet worden sei. 

Da sein Tod auf Video festgehalten und sofort Israel angelastet worden war, obwohl das Video nichts dergleichen bewies, wurde al-Dura zu dem Jungen, dessen Bild tausende Poster, Tassen und T-Shirts ziert, die ganze Welt in Aufruhr versetzte und zu zahllosen palästinensischen Gräueltaten führte, darunter Selbstmordattentate, Angriffen mit Schusswaffen und Messern und Auto-Rammattacken gegen israelische Zivilisten.

Wie Landes feststellt, war die Berichterstattung über den Vorfall von Anfang an bösartig und aufrührerisch: »Das (mangelhafte) Filmmaterial und die dazugehörige Erzählung gingen sofort viral und wurden dann zum Mythos. Das Filmmaterial war spektakulär und emotional so stark wie die Hunde, die schwarze Demonstranten in Birmingham angriffen (1963), oder das verängstigte vietnamesische Mädchen, das nackt und mit Napalm in Flammen stehend die Straße entlang rannte (1972). … Trotz umfangreicher Probleme mit dem Filmmaterial stürzten sich die Journalisten auf die Geschichte. … Sie wurde zur Ikone des Hasses im 21. Jahrhundert, deren Wirkung man nicht überschätzen kann.«

»Die Rolle der al-Dura-Geschichte zur Aufwiegelung ist eindeutig«, schreibt Landes, »und wenn der Schaden geringer war als bei den historischen europäischen Pogromen, dann nur, weil die Israelis sich verteidigen konnten, was die Juden von Kischinau nicht konnten.« Dabei spielt der Historiker auf einen Pogrom in der bessarabischen Stadt an, bei dem zu Ostern 1903 nach einem Ritualmordvorwurf 49 Juden ermordet wurden.

Landes erinnert auch daran, dass Osama bin Laden Mohammed al-Dura in einem Rekrutierungsvideo für den weltweiten Dschihad verwendete, und dass die ersten palästinensischen Selbstmordattentäter al-Dura in ihren Bekennervideos zeigten.

Die Attentäter hatten begeisterte Kollaborateure in den Medien, wie Landes anmerkt: »Die Nachrichtensprecherin Catherine Nay (Europe News, Decryptage, 2003) kommentierte: ›Mit der Symbolkraft dieses Fotos hebt der Tod von Mohammed den Tod des Jungen mit den erhobenen Händen vor der SS im Warschauer Ghetto auf und löscht ihn aus. Emmanuel Brenner (Naibed, 2007) argumentierte: ›In Wirklichkeit verhalten sich ›diese Leute‹ [die Juden] genauso schlecht wie wir. Die Schande des Holocausts gibt es nicht mehr! Der Tod von Mohammed hat den Jungen im Ghetto ausgelöscht.‹« 

Der palästinensische Dichter Mahmoud Darwish ging sogar so weit, eine Ode über den »kaltblütigen Schützen« zu schreiben, beschrieb darin Szenen »vor der Kamera«, die es nicht gab, und beschwor Assoziationen mit dem »Jesuskind«.

Journalistische Versäumnisse

Nach Landes‘ Ansicht stellt die Art und Weise, wie westliche Journalisten mit der Geschichte umgingen, »eines der monumentalsten Versäumnisse des professionellen Journalismus in der langen und wechselhaften Geschichte des Kriegsjournalismus dar«. In der Tat ergab eine ballistische Analyse später, dass die Kugeln, die al-Dura töteten, nicht von IDF-Soldaten abgefeuert worden sein konnten. Es überrascht nicht, dass sich die Medien weigerten, darüber zu berichten. 

Landes erklärt, dies habe nicht nur Auswirkungen auf den israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Sprache, so analysiert er, wurde »zur Waffe« gemacht und »entwertet«, um »Empörung und moralische Panik zu schüren«. 

Er stellt zu Recht fest, dass die durch die Vorfälle rund um Mohammed al-Dura ausgelöste Stimmung und Gewalt gegen Israel »die erste massiver, globale Manifestation einer durch Erzählungen ausgelösten moralischen Hysterie war; die erste massive moralische Desorientierung dieses Jahrhunderts. Seitdem hat der fehlende Kontakt mit der Realität, auf dem sie aufbaut, ihr Ausmaß nur noch weiter vergrößert. … Gegenwärtig versuchen wir, mit einem zutiefst korrumpierten Vokabular zu denken, mit Begriffen, die ihrer Substanz beraubt wurden und zugleich emotional aufgeladen bleiben.«

Der jüngste massive Anstieg der Angriffe gegen Juden hat nicht zu einer größeren Unterstützung für die Arbeit von Landes geführt. Aber sie hat dazu geführt, dass täglich, ja, sogar stündlich über Verbrechen gegen Juden berichtet wird. Und sie hat zu Anhörungen und Resolutionen geführt: Kommissionen, Konferenzen, Abgeordnete und internationale Gremien widmen dem Thema ihre Sitzungen. 

Dieselben jüdischen Organisationen, die das Phänomen früher noch verharmlost haben, bitten jetzt um Mittel, um es zu bekämpfen. Sie versuchen, sich selbst im Geschäft zu halten, indem sie versprechen, sich mit dem Antisemitismus zu befassen, mit dem sie sich allzu lange nicht befasst haben.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts konzentrierten sich verschiedene Abteilungen des United Jewish Appeal (UJA) auf die Umstrukturierung ihres Auftrags und ihrer Aufgaben und erwähnten dabei den Antisemitismus nicht. Im Gegensatz dazu konzentriert sich die aktuelle Spendenkampagne des New Yorker UJA stark auf den Antisemitismus, ebenso wie die Spendenseiten der Conference of Presidents und der Anti Defamation League (ADL). Aber haben die amerikanisch-jüdischen Organisationen wirklich einen Plan, um einen Iron Dome gegen Ritualmordlegenden zu errichten?

Aufruf zum Mut

Liefert Landes selbst irgendwelche Vorschläge? Er ist der Meinung, dass wir die Medienintifada, die mit al-Dura begann, noch einmal studieren müssen, um zu verstehen, wie Fakten und die Realität von einer identitätspolitisch argumentierenden Linken und den Medien verdreht und durch Unwahrheiten ersetzt wurden, was zur vorherrschenden Darstellung Israels als einer von Natur aus bösen Macht sowie der Palästinenser als ewige Opfer geführt hat.

»Eine erneute Beschäftigung mit den frühen 2000er-Jahren kann einen Prozess der moralischen und kognitiven Neuorientierung einleiten, eine Ausrichtung auf ein progressives Credo, das mehr auf der Realität basiert und daher langfristig effektiver ist«, schreibt er. 

Als einzige Möglichkeit, der antiwestlichen Barbarei zu widerstehen, beschreibt Landes den Weg, den »Mut« und die Bereitschaft zu zeigen, um der Wahrheit willen auch öffentliche »Schande« und sogar Schaden in Kauf zu nehmen. »Wir befinden uns im Kampf unseres Lebens, einem Kampf für die Zivilisation, die William Blakes Vision einer Welt des geistigen Streits und nicht des körperlichen Gemetzels möglich gemacht hat. Wir kämpfen gegen diejenigen, die glauben, Wahrheit und Ehre kämen von toten Leichen und Herrschaft«, ist zu lesen.

Mit Blake fordert Landes die Menschen auf, das Leben dem Tod vorzuziehen: »Das Leben zu umarmen bedeutet, Verwundbarkeit zu akzeptieren, aber auch sich um Gegenseitigkeit zu bemühen.  … Sich offen und wehrlos mit Menschen einzulassen, die diese Prinzipien verachten und nach Herrschaft trachten, während man sich zugleich gegen diejenigen wendet, die sich seit fast vier Jahrtausenden diesen Prinzipien verschrieben haben, ist die Definition von Torheit und spiegelt erstaunliche Dummheit wider. Wenn man sich auf das Leben einlässt, entsprechen die Belohnungen den Anforderungen. Wähle das Leben, wie schwierig es auch sein mag.«

Sein Buch ist eine wichtige Geschichtsstunde, vor allem für diejenigen, die noch nicht geboren waren, als die Ritualmodenlegenden und Blutbeschuldigungen erneut ihr Haupt erhoben, die aber jetzt mit dem wuchernden Judenhass auf dem Campus und den Straßen konfrontiert sind.

Phyllis Chesler ist emeritierte Professorin für Psychologie an der City University of New York und Autorin von zwanzig Büchern, darunter Women and Madness (1972), The New Antisemitism (2003) und A Family Conspiracy: Honor Killings (2018). (Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren