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Iran/Irak: Politische Morde, bei denen Brüssel diskret wegschaut

Irakischer Aktivist Salih al-Iraqi wurde Mittwoch in Bagdad erschossen
Irakischer Aktivist Salih al-Iraqi wurde Mittwoch in Bagdad erschossen (Quelle: Facebook)

Irakische Demonstranten wissen, dass die EU nur bei der Tötung iranischer Regimegrößen kondoliert, die Ermordung von Aktivisten aber nicht als Terror verurteilen wird.

„Die Freien sterben, die Feiglinge regieren.“ So lautet eine der letzten Eintragungen des irakischen Aktivisten Salih al-Iraqi auf seiner Facebookseite, denn Mittwoch wurde er in Bagdad erschossen. Hunderte zuvor erlitten seit vergangenem Herbst, als die Massenproteste im Land begangen, dieses Schicksal: Vom Iran gesteuerte und finanzierte Milizen machen gnadenlos Jagd auf die jungen Sozialrevolutionäre, die eben nicht nur gegen Korruption und Misswirtschaft im eigenen Land demonstrieren, sondern vor allem auch gegen den massiven Einfluss des Iran.

Langsam gelingt es den schiitischen Killerkommandos, die aktivsten Köpfe der Protestbewegung auszuschalten. Ihr Ziel: Einmal mehr Friedhofsruhe zu schaffen, um den Irak als Vasallenstaat der benachbarten Islamischen Republik zu erhalten. Dies alles geschieht in Zeiten, in denen sich die Wirtschaftskrise weiter verschärft und Millionen von Irakis zusätzlich unter die Armutsgrenze rutschen und perspektivlos ins neue Jahr schauen.

Hunderte Demonstranten wurden in den letzten zwölf Monaten brutalst von den verschiedenen Sicherheitskräften getötet, tausende schwer verletzt. Dabei ist oft unklar, ob es sich bei den Tätern um reguläre Einheiten oder irreguläre Milizen handelt. Ihr Ziel ist dasselbe: Angst und Schrecken zu verbreiten und die Köpfe des Protestes auszuschalten.

Von Europa nichts zu erwarten

Nur, es wird ihnen vielleicht gelingen, das Ende noch ein wenig zu verzögern, aufhalten werden sie es nicht. Zu groß ist inzwischen die Frustration und der Unmut einer Generation, die nichts mehr zu verlieren hat und weiß, dass sie von den regierenden Eliten auch nichts mehr zu erwarten hat.

Salih al-Iraqi wird ein weiterer Held der irakischen Freiheitsbewegung werden und sein letzter Facebook-Eintrag zeigt zugleich, wie sich der Nahe Osten in den letzten Jahren verändert hat. Denn nichts ist da von Gott oder großen Führern die Rede, für die man gerne in den Tod geht.

Im Gegenteil, es handelt sich um eine Hommage an die Freiheit, die sich die Demonstrantinnen und Demonstranten, ob in Bagdad, Teheran oder Beirut so sehr ersehnen – und die ihnen vorenthalten wird von einem völlig korrupten und dysfunktionalen Establishment, dessen Verfallsdatum Dekaden zurück liegt.

Da dieser Tage allerdings die Freiheit auf den Straßen des Irak weit mehr geschätzt zu werden scheint als in Europa, erwarten diese Demonstranten längst keine Unterstützung mehr gegen ihre Unterdrücker. Auch in Bagdad weiß man, dass aus Brüssel nur Beileidstelegramme an die Hinterbliebenen getöteter iranischer Regimemitglieder versendet werden. Feige Morde an Aktivisten dagegen werden von der EU ganz sicher nicht als terroristische Attacken verurteilt werden.

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