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Die arabische Welt und Israel: „Feindselig wie eh und je“?

Der Nahe Osten (Pixabay)
Der Nahe Osten (Pixabay)

In einer Zeitung ist zu lesen, die arabische Welt würde Israel „feindselig wie eh und je“ gegenüberstehen. Wie groß müssen die Scheuklappen vor den Augen sein, um so daneben liegen zu können?

Sehr geehrte Redaktion der Salzburger Nachrichten,

in seinem Kommentar über die Anklageerhebung gegen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu schreibt Helmut L. Müller über die Lage des Landes: „Die arabische Umgebung ist feindselig wie eh und je.“ Über diese Behauptung kann sich jeder nur wundern, der den tatsächlichen Vorgängen in der Region in den vergangenen Jahren auch nur ein bisschen Aufmerksamkeit geschenkt hat. Lassen Sie mich einige wenige Entwicklungen der jüngeren Zeit in Erinnerung rufen:

Im Februar forderte der Außenminister des Oman, dass die arabische Welt dazu beitragen müsse, Israels Unsicherheitsgefühl zu überwinden. Im Rahmen einer internationalen Konferenz hatte der Oman die Länder des Nahen Ostens zuvor schon dazu aufgerufen, Israel anzuerkennen und wie alle anderen Länder zu behandeln.

Im vergangenen Juni setzte sich der bahrainische Außenminister für Israels Existenzrecht ein. Israel sei „da, um zu bleiben“ und wolle Frieden. Immer wieder erklärt Bahrain, dass Israel das Recht habe, gegen iranische Stellungen in Syrien militärisch vorzugehen. Bereits im Herbst 2017 verurteilte der König von Bahrain den arabischen Boykott des jüdischen Staates und erlaubte seinen Untertanen Reisen nach Israel.

Im vergangenen Oktober nahmen Vertreter Israels, Bahrains, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und anderer arabischer Staaten an einer Konferenz in Südkorea teil. Wenige Wochen besuchte eine hochrangige Vertreterin des israelischen Außenministeriums eine Sicherheitskonferenz in Bahrain. Mehrfach sollen sich in den vergangenen Jahren Delegationen Israels und der VAE getroffen haben, um sich angesichts der iranischen Bedrohung über militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit auszutauschen. Jüngst gaben die VAE bekannt, dass ab 2020 israelische Touristen in den Emiraten willkommen geheißen würden.

Im Jahr 2019 gab es mehrere Hinweise darauf, dass der Irak sich um bessere Beziehungen zu Israel bemühen könnte. In den vergangenen zwei Jahren haben mindestens drei irakische Delegationen den jüdischen Staat besucht.

Im Frühjahr 2018 bekannte sich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman zum Recht der Israelis auf ein eigenes Land. Immer wieder gibt es Berichte über eine sich andeutende Normalisierung der Beziehungen des Königreichs zu Israel.

Die Aufzählung ließe sich noch erheblich erweitern, ich habe mich auf eine Auswahl an Beispielen aus allein den vergangenen drei Jahren beschränkt. Man muss sich die Sicht auf den Nahen Osten schon mit riesigen Scheuklappen verstellen, um die offensichtliche Annäherung Israels und großer Teile der arabischen Welt zu verpassen, über die in Medien der ganzen Welt berichtet und diskutiert wird.

Ich kann nur darüber spekulieren, warum Helmut L. Müller seine so eklatant falsche Behauptung zu Papier gebracht hat: Vermutlich wollte er in einem kurzen Satz festhalten, dass Israels Premier Netanjahu auch auf außenpolitischem Gebiet gescheitert sei. Er übersieht dabei völlig, dass die israelisch-arabische Annäherung selbst von den schärfsten israelischen Kritikern als eine bedeutende Leistung des ansonsten heftig umstrittenen Premiers anerkannt und gewürdigt wird.

Unter dem Strich bleibt festzuhalten: Dass die arabische Umgebung Israel „feindselig wie eh und je“ begegne, ist eine der falschesten Behauptungen über den Nahen Osten, die mir in jüngerer Zeit untergekommen sind. Die Salzburger Nachrichten erweisen ihren Lesern keinen guten Dienst, sie mit solch kontrafaktischen Aussagen zu desinformieren.

Mit freundlichen Grüßen,
Florian Markl
Mena Watch – der unabhängige Nahost-Thinktank

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