Die angeblich globale Bedeutung eines regionalen Konflikts

„Wie tiefsitzend in Washington der Glaube daran ist, dass eine nahezu mystische Kraft die Abwesenheit eines palästinensischen Staates mit allen möglichen globalen Konflikten verbindet, wurde in einer Rede von James Jones, dem Nationalem Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, im Jahr 2011 auf den Punkt gebracht: ‚Ich bin der Überzeugung, wenn Gott 2009 vor Präsident Barack Obama erschienen wäre und gesagt hätte, wenn er eine Sache auf dem Planeten tun könnte – nur eine einzige Sache –, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen und den Menschen mehr Hoffnung und Möglichkeiten für die Zukunft zu geben‘, so Jones vor einem israelischem Publikum, ‚ich glaube, dass es etwas mit der Suche nach der Zwei-Staaten-Lösung für den Nahen Osten zu tun gehabt hätte.‘

Nicht ein Heilmittel gegen Krebs, nicht die Emanzipation der Frauen auf der Welt, nicht einmal ein Allheilmittel gegen die globale Erwärmung. Nein, laut dem damals obersten nationalen Sicherheitsberater des mächtigsten Mannes der Welt ist es das Versagen, den 23. arabischen Staat der Welt am östlichen Mittelmeer zu gründen, das den Allmächtigen nachts wach hält. (…)

Indem Politiker und Polemiker die palästinensische Sache mit einer so monumentalen Bedeutung versehen, verwechseln sie einen regionalen Streit mit einem globalen Kampf. Noch vor der Gründung des Staates Israel vor mehr als 70 Jahren begannen die arabischen Regime und ihre westlichen Sympathisanten, das Narrativ zu propagieren, dass die sprichwörtliche ‚arabische Straße‘ von nichts Bedeutenderem als dem Schicksal Palästinas berührt wird. Doch was die arabischen Massen wirklich motiviert, sind, wie der so genannte ‚arabische Frühling‘ zeigte, nicht israelische Siedlungen im Westjordanland, sondern die täglichen Erniedrigungen in ihren Leben, für die ihre Herrscher und nicht die Juden verantwortlich sind. (…)

Die menschlichen Kosten des israelisch-palästinensischen Konflikts sind im Vergleich zu anderen gegenwärtigen Weltkonflikten ebenfalls marginal. Seitdem 1948 fünf arabische Armeen in den entstehenden jüdischen Staat eingedrungen sind, verblasst die Gesamtzahl der Opfer auf beiden Seiten im Vergleich zu den Toten im kongolesischen Bürgerkrieg, den russischen Teppichbombardements in Tschetschenien oder den politisch verursachten Hungersnöten Nordkoreas. Während Sie dies lesen, schmachtet etwa 1 Million uigurischer Muslime in chinesischen Umerziehungslagern und erleidet ein viel abscheulicheres Schicksal als das des durchschnittlichen Palästinensers. (…)

Dass es den Palästinensern an einem Staat mangelt, ist eine Tragödie, aber es ist eine Tragödie, die größtenteils von ihnen selbst verursacht wurde. Mehr als einmal wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, neben Israel ein souveränes Land zu schaffen – und jedes Mal haben sie mit Gewalt darauf reagiert. Auf der langen und wachsenden Liste der Probleme auf dieser Welt steht das Fehlen eines palästinensischen Staates irgendwo zwischen den Konflikten um Transnistrien und der Westsahara, über die Sie wahrscheinlich nichts auf den Titelseiten der Zeitungen lesen werden.“ (James Kirchick: „The world faces many tragedies. The lack of a Palestinian state ranks low on the list“)

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