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Die Hisbollah nach der Eliminierung eines weiteren Militärchefs

Libanesisches Militär am Ort des israelischen Luftschlags gegen Hisbollah-Militärchef Tabatabai in Beirut
Libanesisches Militär am Ort des israelischen Luftschlags gegen Hisbollah-Militärchef Tabatabai in Beirut (Quelle: JNS)

Angesichts der ihr zugefügten Schläge spielt die schiitische Terrorgruppe Hisbollah auf Zeit und setzt darauf, dass die demografischen Trends im Libanon zu ihren Gunsten verlaufen.

Shachar Kleiman

Haytham Ali Tabatabai, der in den Reihen der Spezialeinheiten der Hisbollah aufstieg, war mehr als nur ein hochrangiger Kommandeur in der Radwan-Einheit der Terrororganisation, sondern auch während der Bürgerkriege im Jemen und in Syrien im letzten Jahrzehnt mit wichtigen Aufgaben betraut. Durch diese Arbeit leistete er anderen Elementen der iranischen Achse umfangreiche Unterstützung und ermöglichte es ihnen, sich gegen ihre Rivalen aus der sunnitischen und salafistischen Achse zu behaupten.

In diesen Jahren operierte die Hisbollah auf dem Höhepunkt ihrer Macht und entsandte Delegationen von Militärberatern in entlegene Winkel des Nahen Ostens. Diese Missionen trugen maßgeblich dazu bei, die Huthi in ihrem Kampf gegen die jemenitische Regierung und ihre Verbündeten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu unterstützen. Sie dienten auch als wichtige Stütze für das Assad-Regime in Syrien und berieten die schiitischen Milizen im Irak. Der frühere Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah, begnügte sich in dieser Zeit nicht damit, lediglich ein Beraterteam zu entsenden, sondern beriet den Huthi-Führer laut Berichten ausländischer Publikationen auch persönlich per Telefon.

Die Niederlage der Hisbollah gegen Israel und die fortgesetzte Eliminierung ihrer obersten Führung katapultierten Tabatabai an die Spitze des militärischen Flügels der Terrororganisation. Er arbeitete eng mit Mohammed Haidar zusammen, einem hochrangigen Berater des »Dschihad-Rats«, der selbst ein Attentat überlebt hatte. Im vergangenen Jahr konzentrierten sich beide Männer – wie auch die wenigen anderen überlebenden, hochrangigen Hisbollah-Funktionäre – vor allem auf die Versuche, die Terrorinfrastruktur im Libanon wieder aufzubauen und nicht auf Engagements in Sanaa oder Damaskus. Infolgedessen hat die iranische Achse an beiden Fronten schwere Rückschläge oder sogar einen völligen Zusammenbruch erlitten.

Langfristige Strategie

Der Tod von Haytham Ali Tabatabai wird die Debatte innerhalb der Hisbollah darüber verschärfen, wie auf die israelischen Angriffe im Libanon zu reagieren ist, eine Debatte, an der der verstorbene Funktionär selbst beteiligt war. Vor Kurzem verschärfte Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem seine Rhetorik und erklärte, dass »die derzeitige Situation nicht so weitergehen kann«. Qassem scheint damit die Unzufriedenheit innerhalb der Organisation zum Ausdruck gebracht zu haben, die sich nach Hunderten von gezielten Tötungen im vergangenen Jahr aufgebaut hat.

Kurz nach dem Angriff äußerten sich zwei hochrangige Hisbollah-Vertreter zu Israels Schlag. Während der Abgeordnete Ali Ammar davon sprach, den »geeigneten Zeitpunkt« für eine Reaktion zu finden, betonte Mohammed Qamati, dass »alle Optionen offen« seien. Diese Äußerungen sind ein deutlicher Hinweis auf die gravierenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Hisbollah, welche die bevorstehenden Beratungen der Führung dominieren.

Auf der einen Seite befindet sich die Hisbollah in einer historisch schwachen Position und ist trotz ihrer Bemühungen, sich zu erholen, gegenüber Israel im Nachteil. Der Abschuss einer einzigen Rakete oder einer ganzen Salve könnte Israel den perfekten Vorwand für weitere Angriffe liefern, um die wenigen verbliebenen hochrangigen Kommandeure zu eliminieren. Qassem mag es an Stärke und Charisma mangeln, aber die Organisation hat keine bessere Alternative. Der Vorsitzende des politischen Rats der Hisbollah, Ibrahim Amin al-Sayyed, ist eine ebenso wenig inspirierende Persönlichkeit.

Auf der anderen Seite sieht sich die Organisation aufgrund von Verzögerungen beim Wiederaufbau und bei Entschädigungszahlungen mit wachsenden Unruhen unter der schiitischen Bevölkerung im Libanon konfrontiert, was den Wunsch nach Rache weiter schürt.

Angesichts dieser unmittelbaren Belastungen ist die Kalkulation der Hisbollah langfristig angelegt. Ihre Argumentation lautet, es sich leisten zu können, abzuwarten und sich ausschließlich auf die Instandsetzung der Infrastruktur zu konzentrieren, solange die schiitische Bevölkerung auf Kosten der Christen weiter wächst und ihre Unterstützung für die Terrororganisation aufrechterhält. Mit der Zeit werde der Libanon zunehmend schiitisch und pro-iranisch werden, glauben sie. Aus dieser Sicht repräsentiert die derzeitige libanesische Regierung, darunter Persönlichkeiten wie Präsident Joseph Aoun, den letzten Widerstand der »pro-westlichen« Elemente des Landes.

Diese Dynamik verlagert das zentrale Dilemma auf Israel. Kann Jerusalem eine geschwächte Hisbollah akzeptieren, wohl wissend, dass sie sich in zehn Jahren wieder vollständig erholen könnte, oder sollte es die aktuelle Gelegenheit nutzen, um die Terrororganisation in einen noch tieferen Abgrund zu treiben – einen Krisenpunkt, an dem ihre Rivalen im Land der Zedern endlich den Mut haben werden, einzugreifen und das Waffenarsenal der Organisation dauerhaft zu zerstören?

Shachar Kleiman ist Korrespondent für arabische Angelegenheiten bei Israel Hayom. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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