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Der Rassismus der Intifada (Teil 4): Die Triage der Tragödien 

Lager für Kriegsflüchtlinge in Gaza: Weit schlimmere Krisen werden ignoriert
Lager für Kriegsflüchtlinge in Gaza: Weit schlimmere Krisen werden ignoriert (© Imago Images / Anadolu Agency)

Die mediale Aufmerksamkeit richtet sich wie gebannt auf den Gazastreifen, während weitaus größere humanitäre Katastrophen, ob in Afrika oder im Iran, verdrängt werden.

Wir erleben einen medialen Wettbewerb der Weltkrisen. Auf den ersten Blick ist dieses Phänomen weder neu noch sonderlich bedenklich. Im Getriebe der Massenmedien regiert seit jeher das eherne Gesetz der Auswahl. So entscheidet prinzipiell das Konzept des Nachrichtenwertes, welche Kriterien ein Ereignis überhaupt erst berichtenswert machen. Eine Koexistenz von Sachlichkeit und Subjektivität ist eigentlich nicht unmöglich. Fakt ist aber auch, dass es als fachlicher Standard gilt, das Potenzial für eine öffentliche Resonanz zu kalkulieren, die eine Nachricht auf sich ziehen kann, worunter die Sachlichkeit oft leidet.

Es manifestiert sich als eine logische Folge der ökonomischen Verwertung von Wahrnehmung, dass eine Information eine gewisse Verwertbarkeit besitzen muss, um den Sprung in die Schlagzeilen zu schaffen. Dabei kann es sich um eine existenzielle Bedrohung oder gar die persönliche Fallhöhe politischer Akteure handeln. Der eigentliche »Renner« im Nachrichtengeschäft bleibt jedoch das menschliche Leid.

Idealerweise findet dieses irgendwo in der Ferne statt, wo es für den hiesigen Konsumenten noch irgendwie bekömmlich bleibt oder vielmehr politisch verwertbar ist. Diese Gewichtung von Weltgeschehen gehört zum Handwerk des journalistischen Alltags und dient, erst recht im digitalen Zeitalter der algorithmischen Zuspitzung, als Filter in einer überreizten Informationsgesellschaft.

Das, was vor allem seit dem 7. Oktober 2023 stattfindet, sprengt jedoch den Rahmen dieser rein professionellen Erwägung und markiert einen qualitativen Bruch. Hier geht es nicht mehr um die neutrale Prüfung von Relevanzkriterien, sondern um eine ideologisch gesteuerte Selektion.

Während der mediale Fokus wie gebannt auf dem Gazastreifen verharrt, werden weitaus größere humanitäre Katastrophen systematisch verdrängt. Diese Schieflage ist kein journalistisches Versehen, sondern das Ergebnis einer moralischen Triage. Sie wurzelt in einem Rassismus und Antisemitismus, der die Relevanz von Opfern rein nach ihrem politischen Nutzwert gegen Israel priorisiert. Im Windschatten dieser Fixierung verschwindet das Leid in Afrika und der blutige Freiheitskampf im Iran, weil diese Tragödien keine entsprechende Wirkkraft für das gewünschte Narrativ entfalten.

Dschihad und die Dunkelziffern Afrikas

In Nigeria etwa vollzieht sich eine systematische Vertreibung und Ermordung christlicher Bauern durch dschihadistische Milizen wie Boko Haram oder radikalisierte Teile der Fulani. Um die Dimension dieser Katastrophe zu begreifen, muss man die nackten Zahlen betrachten. Allein im Jahr 2024 dokumentierte die Organisation Intersociety über 8.000 Morde an Christen aufgrund ihres Glaubens. Diese Eskalation setzt sich im Jahr 2025 unvermindert fort, wobei Schätzungen von über 8.000 Opfern in den ersten sieben Monaten des Jahres ausgehen.

Ein besonders gravierender Beleg für die systematische Natur dieser Gewalt, ungeachtet der Höhe der Opferzahlen, waren die koordinierten Angriffe am Heiligabend 2023 im Bundesstaat Plateau. Laut der offiziellen Untersuchung von Amnesty International Nigeria wurden dabei mindestens 140 Menschen innerhalb weniger Stunden massakriert, wobei die Opferzahl laut späteren Berichten auf über 190 anstieg.

Man muss hier eine feine, aber entscheidende Unterscheidung treffen. Dass Organisationen wie Amnesty International über diese Gräueltaten der Form halber berichten, ist die eine Sache. Die Informationen sind vorhanden, sie sind dokumentiert und sie sind verifizierbar. Doch die bloße Existenz eines Berichts in den Tiefen einer Datenbank ist nicht gleichbedeutend mit moralischer Relevanz. Diese NGOs heben das industrielle Morden in Nigeria leider nicht konsequent hervor.

Das gilt auch bezüglich des Elends im Sudan. Dort führen die Schnellen Eingreiftruppen (RSF) und verbündete arabische Milizen eine gewaltsame Kampagne gegen die ethnische Gruppe der Masalit. Als ein erschütterndes Zeugnis dieser Gewalt dient das Massaker in der Stadt El Geneina in West-Darfur. Ein umfassender Bericht von Human Rights Watch dokumentierte die systematische Exekution von tausenden Zivilisten.

Zu dieser physischen Vernichtung tritt nun der Hungertod als Massenphänomen hinzu. Laut dem Bericht des IPC-Ausschusses vom September 2025 herrscht in Gebieten wie El Fasher eine bestätigte Hungersnot der höchsten Stufe und die Prognosen für heuer bleiben verheerend. Über 21 Millionen Menschen im Sudan leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit, wobei mindestens 375.000 Menschen unmittelbar von der IPC-Phase 5 (Katastrophe) betroffen sind.

Um die mediale Verzerrung zu verdeutlichen, lohnt sich ein empirischer Vergleich. Gemäß den Daten der Hamas wurden von Beginn des Konflikts im Oktober 2023 bis zum Dezember 2025 insgesamt 463 Todesfälle durch Unterernährung verzeichnet. Diese Angaben liefert das von der Hamas gesteuerte Institute for Palestine Studies (IPS) auf seiner allen zugänglichen Website, auf der im Duktus des Dschihads von palästinensischen »Märtyrern« und »israelischen Aggressoren« gesprochen wird.

Insgesamt sind also weniger als 500 Hungertode in mehr als zwei Jahren kriegerischer Zustände im Gazastreifen dokumentiert. Auch das ist zweifelsohne tragisch, denn jeder Hungertod ist einer zu viel. Dass diese Kennzahl – ungeachtet des offenkundigen Bestrebens der Hamas nach maximal skalierten Opfermeldungen – dennoch so niedrig ausfällt, demaskiert allerdings die Anschuldigung eines intendierten Genozids durch Aushungern als faktisch substanzlos.

Während jedoch diese 463 Fälle im Gazastreifen eine globale Hysterie auslösen, verstaubt das Massensterben von Hunderttausenden Sudanesen in den hinteren Spalten der Nachrichtenportale. Diese Disproportionalität belegt einen tiefsitzenden Bias: Das schwarze Leid im Sudan besitzt keine politische Währung, da es die unbequeme Wahrheit arabisch-islamistischer Expansion offenbart und somit nicht zur Dämonisierung des Westens oder Israels taugt.

Im toten Winkel

Ein weiteres, nicht minder brandaktuelles Beispiel für diese asymmetrische Wahrnehmung zeigt sich in der Berichterstattung über den Iran: Während internationale Akteure israelische Verteidigungsoperationen oft als völkerrechtliche Grenzüberschreitung brandmarken, vollzieht sich im Iran eine staatlich exekutierte Mordwelle beispiellosen Ausmaßes.

Geleakte Dokumente des Gesundheitsministeriums und Berichte von Klinikpersonal belegen die brutale Dimension dieser Unterdrückung. Allein am 8. und 9. Januar wurden in zivilen Krankenhäusern 30.304 Todesfälle registriert. Propalästinensische Akteure verklären das Mullah-Regime währenddessen zu einem Schutzbedürftigen. Getreu dem Motto »Man beißt nicht die Hand, die einen füttert«, wird der Geldgeber hinter dem Terror gegen Israel gegen jede Kritik abgeschirmt. Das Ergebnis wiederum ist ein systematischer Rassismus der Ausblendung.

Die Intifada ist kein Kampf für Menschenrechte, sondern eine interessengeleitete Selektion im Sinne eines imperialistischen Ziels. Rund anderthalb Millennien des islamischen Kolonialismus und der damit verbundenen Expansion lassen verstehen, dass die propalästinensische Bewegung in weiten Teilen auf rassistischen Wurzeln fußt, die eine Hierarchie der Opfer festlegen. Trotz der revolutionären Rhetorik über universelle Solidarität mit Unterdrückten besitzt ein Menschenleben, ob in Afrika, im Iran oder schließlich im Gazastreifen selbst, für diese Akteure keinen Eigenwert. Leid wird in dieser Logik erst dann »verwertbar«, wenn es sich als Waffe gegen den jüdischen Staat instrumentalisieren lässt. Die »Intersektionalität« der Intifada liegt genau dort, wo sich Antisemitismus und Rassismus kreuzen.

Der Rassismus der Intifada

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