„Der muslimische Antisemitismus hat keinen interessiert“

Günther Jikeli

„Es war natürlich [vor der Studie des AJC zum Antisemitismus unter arabischen Flüchtlingen] schon bekannt, dass Leute aus Syrien und dem Irak judenfeindliche Einstellungen haben. Es gibt Studien, die belegen, wie verbreitet etwa Holocaustverleugnungen dort sind. Was mich persönlich aber überrascht hat, war, wie weit unter ihnen Verschwörungstheorien verbreitet sind. Viele glauben, die Kriege in Syrien und im Irak seien von Israel gesteuert. (…) Das Problem ist leider, dass die großen Islamverbände in Deutschland oft eine negative Rolle spielen, weil viele von ihnen der antisemitischen Muslimbruderschaft angehören oder ihr nahestehen. Diese Verbände dürfen nicht weiter gefördert werden, wie es derzeit noch passiert. Die machen Bildungsarbeit an Schulen und mit Flüchtlingen, um die jungen Leute zu rekrutieren. Da muss genauer hingesehen werden. Diese Forderung gibt es schon seit mehr als 20 Jahren, wurde aber aus Bequemlichkeit nicht ernst genommen. Es darf nicht sein, dass diese Verbände Islamunterricht an Schulen geben dürfen. Das kann nur nach hinten losgehen. (…)

[Das Thema] hat leider keinen interessiert. Ich forsche schon länger zu Antisemitismus unter Muslimen und es gab immer den Ansatz, die eigene Nachlässigkeit durch Zweierlei zu erklären: Einerseits hieß es, der Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland sei nur auf den Israelkonflikt zurückzuführen und die Muslime seien direkt davon betroffen. Und zweitens, der Antisemitismus sei mit der Diskriminierung verbunden, die die Muslime hier erfahren. Muslime werden zwar tatsächlich diskriminiert, aber das ist ja kein Grund, Juden zu hassen. Trotzdem wurde das lange so behauptet. Es wird immer offensichtlicher, dass diese Entschuldigungen falsch sind. (…)

Was ich befürchte ist, dass sich viele auf einen Antizionismus einigen können, der den Antisemitismus etwas versteckt, aber sich trotzdem immer wieder gegen Juden richtet. Also jener Antisemitismus, der sich vordergründig gegen Israel richtet, dann aber jeden Juden verdächtigt, mit dem ‚teuflischen Staat‘ unter einer Decke zu stecken. (…) Sehen Sie sich mal an, was in deutschen Schulbüchern über Israel steht. Dazu gibt es auch Studien: Israel wird in Schulbüchern sehr oft negativ dargestellt, als sei es allein verantwortlich für den Konflikt mit den Palästinensern. Und selbst in deutschen Schulbüchern finden sich antijüdische Stereotype.“ (Interview mit Günther Jikeli: „Es gibt ein großes Gewaltpotenzial“)

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