Warum ein Frieden mit dem Libanon nicht dem Frieden Israels mit Ägypten, Jordanien oder den Golfstaaten gleichen würde
Von Jan Kapusnak
Der Nahe Osten wird oft als Monolith behandelt, als bestünden seine Staaten lediglich aus Variationen desselben politischen Typs und als müsse jeder arabisch-israelische Frieden demselben Drehbuch folgen. Doch die Region ist nicht einheitlich: Jedes Land hat seine eigene Geschichte, Sozialstruktur, politische Ordnung und strategische Kultur. Jeder künftige Frieden mit Israel wird diese Unterschiede widerspiegeln.
Die jüngsten Gespräche zwischen Israel und dem Libanon zeigen das. Am 14. April leitete US-Außenminister Marco Rubio in Washington seltene direkte Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Gesandten. Es war die erste Begegnung dieser Art seit mehr als vier Jahrzehnten und ein möglicher Auftakt zu künftigen Friedensverhandlungen. Bis zum 17. April war eine von Trump verhängte, fragile zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten. In der Praxis sollte sie die Kämpfe zwischen Israel und der iranischen Proxy-Miliz Hisbollah beenden. Doch beide Seiten sind zutiefst misstrauisch, und Israel bestand darauf, Stellungen im Südlibanon zu behalten.
Dies ist nicht die Atmosphäre der Versöhnung. Es ist Diplomatie unter Beschuss. Die Umstände, unter denen Israel bislang Friedens- oder Normalisierungsabkommen mit Ägypten und Jordanien sowie im Rahmen der Abraham-Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Marokko und dem Sudan geschlossen hat, waren sehr unterschiedlich – und diese Abkommen stellten nicht alle dieselbe Art von Frieden dar. Auch jede künftige Regelung mit dem Libanon würde von dessen eigenen Realitäten geprägt sein.
Das Beispiel Ägypten
Der ägyptisch-israelische Vertrag, unterzeichnet am 26. März 1979, bleibt eine der größten diplomatischen Errungenschaften Israels. Er war ein strategischer Deal zwischen zwei starken Staaten, möglich geworden durch politischen Mut. Die Camp-David-Abkommen vom September 1978, vermittelt von US-Präsident Jimmy Carter zwischen dem ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin, legten die Grundlage für den Vertrag.
Seine Ursprünge lagen jedoch in Angst und gegenseitigem Misstrauen. Als Sadat im November 1977 nach Israel flog, war die Atmosphäre fast surreal: Der damalige IDF-Generalstabschef Motta Gur fürchtete Berichten zufolge, die Landung könne eine ägyptische Falle sein, ja sogar ein Bombenanschlag wurde befürchtet, der Israels oberste Führung auslöschen sollte. Sadats Öffnung, die auf geheime Kontakte in Marokko zwischen Moshe Dayan und Hassan Tohami, einem geheimnisumwitterten Berater des ägyptischen Präsidenten, folgte, wurde in Israel mit erheblichem Misstrauen betrachtet.
Verteidigungsminister Ezer Weizman sah dies jedoch anders und bezeichnete Sadats Friedensinitiative optimistisch als einen »großen historischen Schritt«. Vor seiner Reise nach Jerusalem machte Sadat sogar in Damaskus Halt, um Hafez al-Assad einzuladen, sich der Initiative anzuschließen. Einer von Sadats Beratern behauptete später sogar, es habe auf syrischer Seite Überlegungen gegeben, ihn festzuhalten und von dem Besuch abzubringen.
Israel erhielt den Frieden nicht als Geschenk vom Nil. Er wurde durch militärische Stärke und die Bereitschaft errungen, aus einer Position des Überlebens heraus zu verhandeln. Deshalb war der Vertrag für Israel von so großer Bedeutung. Nach den Kriegen von 1948, 1956, 1967 und 1973 hatte Jerusalem allen Grund, das Ausscheiden der stärksten arabischen Armee aus dem Kreis der aktiven Kriegsgegner zu schätzen.
Hoher Preis
Für Sadat bestand der überragende Gewinn in der Rückgabe des Sinai, den Israel im Krieg von 1967 erobert hatte. Das Abkommen beendete den Kriegszustand und sicherte Israels Südfront. Es demilitarisierte die Halbinsel unter strengen Sicherheitsauflagen und schuf eine anerkannte Grenze. Zudem garantierte es die Freiheit der Schifffahrt durch die Straße von Tiran und den Golf von Aqaba.
Doch der politische Preis war unmittelbar. Ägypten wurde der erste arabische Staat, der Frieden mit Israel schloss, und zahlte dafür mit regionaler Ächtung. Die Arabische Liga suspendierte Ägypten nach dem Vertrag und verlegte ihren Sitz von Kairo nach Tunis. Sadat, in manchen westlichen Hauptstädten als Staatsmann des Friedens gefeiert, galt in weiten Teilen der arabischen Welt als jemand, der die gemeinsame Front verlassen hatte. Auch innenpolitisch verschlechterte sich seine Stellung, und 1981 wurde er ermordet, nachdem er mächtige islamistische Strömungen im eigenen Land gegen sich aufgebracht hatte.
Der Vertrag überdauerte Revolutionen, Kriege, Intifadas und wiederholte regionale Krisen. Doch warm wurde er nie. Es gab offiziellen Frieden, Botschaften, Geheimdienstkontakte, sicherheitspolitische Koordination, landwirtschaftliche Kooperation und Gasabkommen, aber niemals eine breite Normalisierung in einem tieferen Sinn.
Der gefährlichste politische Moment für den Vertrag kam nach den arabischen Aufständen, als der Aufstieg der Muslimbruderschaft echte Ängste auslöste, Kairo könnte Camp David infrage stellen. Doch selbst damals kam es nicht zur Aufkündigung. Unter Präsident Abdel Fattah as-Sisi kehrte sich der Trend um. Der Vertrag überlebte nicht deshalb, weil die ägyptische Gesellschaft den Zionismus akzeptiert hätte, sondern weil Ägyptens Machthaber verstanden, dass er den zentralen Staatsinteressen dient. Kairo will Ruhe sowohl in Gaza als auch auf dem Sinai. Es empfindet weder für die Hamas noch für den Palästinensischen Islamischen Dschihad besondere Sympathie, vermittelt aber weiterhin, weil Instabilität an seiner Grenze die ägyptische Sicherheit bedroht. Kairo mag Israel wegen Gaza drohen, klagen und unter Druck setzen, doch der Vertrag bleibt unverzichtbar.
Der Fall Jordanien
Der israelisch-jordanische Vertrag, unterzeichnet am 26. Oktober 1994, entstand aus einer strategischen Konvergenz zwischen zwei Nachbarstaaten, die ein gemeinsames Interesse an Stabilität, sicheren Grenzen, Wasser und engen Beziehungen zu Washington hatten. Der Vertrag wurde in Wadi Araba vom israelischen Premierminister Yitzhak Rabin und dem jordanischen Premierminister Abdelsalam al-Majali in Anwesenheit von König Hussein und US-Präsident Bill Clinton unterzeichnet, nachdem die Washingtoner Erklärung vom Juli 1994 den Zustand der Feindseligkeit zwischen beiden Ländern formell beendet hatte. Ägypten begrüßte das Abkommen, während Syrien es ignorierte. Die libanesische Hisbollah widersetzte sich dem Vertrag und startete zwanzig Minuten vor der Zeremonie Mörser- und Raketenangriffe auf Orte in Obergaliläa.
Seine Ursprünge lagen in Regimekalkül und in der allmählichen Erkenntnis, dass Jordaniens Interessen nicht länger in einer offenen Konfrontation mit Israel lagen. König Husseins Verzicht von 1988 auf Jordaniens Ansprüche auf das Westjordanland war dabei entscheidend: Er machte den Weg frei für einen Frieden Jordaniens als Jordanien und nicht als Anspruchsteller auf palästinensisches Gebiet. Der Oslo-Prozess veränderte anschließend die regionale Atmosphäre weiter. Nachdem Israel und die PLO sich 1993 offiziell gegenseitig anerkannt hatten, verlor die alte Angst, Jordanien könnte durch eine Annäherung an Israel des Verrats an der palästinensischen Sache beschuldigt werden, einen Teil ihrer Kraft.
Oslo nahm die Palästinafrage nicht aus der Gleichung; in Jordanien, wo ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung palästinensischer Herkunft ist, sorgte es vielmehr dafür, dass sie zentral blieb. Aber es machte einen Vertrag politisch vorstellbarer. Für die haschemitische Monarchie versprach der Frieden Grenzstabilität und den Schutz der besonderen jordanischen Rolle an den muslimischen heiligen Stätten Jerusalems. Zudem bot er besseren Zugang zu Wasser, engere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und eine stärkere strategische Position in einer instabilen Region.
Der Vertrag wurde lange von Islamisten, Oppositionsfiguren und Teilen des Parlaments infrage gestellt, besonders in Zeiten des Krieges mit palästinensischen Terrorgruppen in Gaza. Proteste im Jahr 2024 forderten erneut ein Ende des Vertrags, und Jordaniens Parlament drängte zeitweise auf Schritte wie die Ausweisung des israelischen Botschafters. Dennoch hat die haschemitische Monarchie nichts unternommen, um das Abkommen aufzukündigen. So unpopulär es auf der Straße auch sein mag, der jordanische Staat betrachtet es weiterhin als Pfeiler der Regimestabilität und strategischen Notwendigkeit.
Die Abkommen mit Ägypten und Jordanien zeigen auch die Grenzen des Friedens. Keiner der beiden Verträge wurde im gesellschaftlichen Sinn warm. Arab Barometer berichtete im Januar 2025, dass nur fünf Prozent der Ägypter und fünf Prozent der Jordanier eine Normalisierung mit Israel befürworteten oder stark befürworteten. Kairo und Amman haben offizielle Beziehungen, sicherheitspolitische Zusammenarbeit und praktische Vereinbarungen wie Wasser- und Gasdeals aufrechterhalten, doch öffentliche Zuneigung folgte nie. Feindselige Mediendiskurse in Ägypten und Anti-Normalisierungspolitik in Jordanien haben diese Distanz lebendig gehalten. Ägypten und Jordanien zeigen, dass arabisch-israelischer Frieden real, dauerhaft und strategisch wertvoll sein kann, während er gesellschaftlich kalt bleibt.
Normalisierung
Die Abraham-Abkommen weisen auf ein drittes Modell arabisch-israelischen Friedens hin. Beginnend im Jahr 2020 normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain ihre Beziehungen zu Israel, gefolgt von Marokko und dem Sudan. Dies sind keine Verträge zwischen Frontstaaten, die nach wiederholten zwischenstaatlichen Kriegen Frieden schaffen, und sie wurzeln auch nicht in der Rückgewinnung umstrittener Territorien.
Es sind Normalisierungsabkommen, die einer anderen Logik folgen: strategische Ausrichtung gegen Iran, besserer Zugang zu Washington, wirtschaftliche und technologische Chancen und in manchen Fällen spezifische amerikanische Anreize. Marokkos Abkommen war an die US-Anerkennung seines Anspruchs auf die Westsahara geknüpft, während das sudanesische mit seiner Streichung von der amerikanischen Liste der Staaten, die Terrorismus unterstützen, verbunden war. In diesem Sinne ging es bei den Abraham-Abkommen weniger darum, einen direkten Krieg mit Israel zu beenden. Vielmehr ging es darum, regionale Allianzen neu zu ordnen und nationale Interessen durch formelle Beziehungen zum jüdischen Staat zu verfolgen.
Und auch hier ist das Bild nicht einheitlich. Die Architekten der Abkommen hofften, sie könnten etwas Wärmeres hervorbringen als den kalten Frieden, den Israel mit Kairo und Amman hat. Frühe Umfragen deuteten darauf hin, dass dies zumindest in einigen Fällen denkbar sei. Arab Barometer stellte in Marokko und im Sudan deutlich höhere anfängliche Unterstützung für eine Normalisierung fest als in Ägypten oder Jordanien, was darauf hindeutete, dass die Distanz zu einem direkten Krieg mit Israel und die sichtbaren Vorteile der Abkommen einen Unterschied machten. Doch der Gaza-Krieg ließ diese Erwartungen stark abkühlen. Bis 2023–2024 war die Unterstützung in Marokko dramatisch gefallen, und Arab Barometer kam zu dem Schluss, dass jede Hoffnung auf einen »warmen Frieden« weitgehend verdampft war.
Der Libanon ist anders
Der Libanon passt in keines der anderen arabisch-israelischen Modelle. Er ist nicht Ägypten, weil ihm ein zentralisierter Staat und eine Armee fehlen, die eine klare territoriale und sicherheitspolitische Vereinbarung durchsetzen könnten. Er ist anders als Jordanien, weil seine Institutionen ein anderes Gewaltmonopol und eine andere Regimekohärenz besitzen. Und er ist ganz gewiss kein Abraham-Abkommen-Staat, denn er ist ein Frontstaat. Dessen Geschichte mit Israel wurde geprägt durch die lange Präsenz palästinensischer Milizgruppen auf seinem Boden, den Bürgerkrieg von 1975 bis 1990, Israels Invasionen und die Besetzung des Südens bis 2000, Syriens Dominanz über die libanesische Politik bis zu seinem Rückzug nach der Zedernrevolution 2005 und die anhaltende Macht der Hisbollah. All dies hat den Libanon zu einem Schauplatz gemacht, in dem Souveränität immer wieder zersplittert war und umkämpft blieb.
Die Demographie verschärft den Kontrast. Ägypten und Jordanien sind nicht identisch, aber beide sind relativ kohärenter als der Libanon: Ägypten ist überwältigend arabischsprachig und mehrheitlich sunnitisch-muslimisch, mit einer bedeutenden, aber viel kleineren koptisch-christlichen Minderheit. Jordanien ist überwiegend arabisch, mehrheitlich sunnitisch-muslimisch und beherbergt eine große Zahl an Menschen palästinensischer Herkunft, die fast die Hälfte der Bevölkerung ausmachen.
Der Libanon hingegen ist ein konfessionelles Mosaik, in dem die Macht unter sunnitischen und schiitischen Muslimen, Maroniten und anderen Christen, Drusen und weiteren anerkannten Gemeinschaften verteilt ist. Das macht die Politik fragmentiert und den Frieden schwieriger. Jedes Abkommen mit Israel würde sofort durch konkurrierende konfessionelle Ängste und Interessen gefiltert: Wer fürchtet Israel am meisten, wer fürchtet die Hisbollah mehr und wer sieht den iranischen Einfluss als die größere Bedrohung?
Die Umfragen von Arab Barometer haben diese Spaltung klar erfasst: 38 Prozent der libanesischen Christen befürworteten eine Normalisierung mit Israel, verglichen mit nur 5 Prozent der Muslime – ein Hinweis darauf, dass Feindseligkeit gegenüber Israel nicht der einzige politische Instinkt des Libanon ist.
Die Erinnerung an die Südlibanesische Armee macht dies noch einzigartiger. Während Israels Präsenz im Süden fungierte die SLA als lokale, von Israel unterstützte Truppe und wurde im libanesischen Gedächtnis nicht nur zum Symbol der Kollaboration, sondern auch eines zusammengebrochenen staatlichen Ordnungsgefüges. Diese Geschichte liegt noch immer über jeder Diskussion über Frieden. Ägypten und Jordanien brachten kein solches Gepäck in ihre Verträge ein. Im Libanon ist das anders.
Nicht Herr im eigenen Haus
Der aktuelle Krieg hat die Feindschaft zwischen der Hisbollah und vielen ihrer innerlibanesischen Gegner vertieft. Libanesische Rivalen werfen der Gruppe vor, ihre militärische Macht zu nutzen, um dem Staat ihren Willen aufzuzwingen und das Land wiederholt in Konflikte hineinzuziehen. In diesem begrenzten Sinn teilen Israel und ein großer Teil des Libanon inzwischen eine Grundannahme: Die Hisbollah ist kein Weg zur libanesischen Souveränität, sondern eines ihrer Haupthindernisse.
Genau deshalb bleibt jeder Friedensprozess so fragil. Die Hisbollah hat bereits erklärt, dass sie die laufenden Gespräche ablehnt und sich an kein Abkommen gebunden fühlen wird, das aus ihnen hervorgeht. Sie hat eine Entwaffnung bisher strikt abgelehnt.
In einem Land, das von politischen Morden, Einschüchterung und erzwungenen Vetos gezeichnet ist, haben viele Libanesen guten Grund zu zweifeln, dass die Hisbollah ihre Waffen abgeben oder stillschweigend ein Ergebnis akzeptieren würde, das ihre Macht beschneidet. Der Mord an Rafik Hariri im Jahr 2005 war das folgenreichste Beispiel, doch es folgten die Tötungen weiterer bekannter Persönlichkeiten, die Gegner der Hisbollah waren, darunter Samir Kassir, George Hawi und Gebran Tueni. Jüngst rief auch der Mord am Hisbollah-Kritiker Lokman Slim im Jahr 2021 dieselbe Angst wieder wach: dass bewaffnete Akteure im Libanon Dissens weiterhin bestrafen und den Raum für souveräne Politik verengen können.
Das macht Diplomatie nicht sinnlos. Aber es bedeutet, dass jedes Abkommen mit Israel eine Hürde überwinden müsste, mit der Ägypten und Jordanien nie in demselben Ausmaß konfrontiert waren: einen bewaffneten nichtstaatlichen Akteur, der sowohl das Motiv als auch die Mittel besitzt, den Prozess von innen zu sabotieren.
Der Libanon hat bereits mit begrenzteren Alternativen unterhalb eines vollständigen Friedens experimentiert, und diese Erfahrungen sind aufschlussreich. Das Waffenstillstandsabkommen von 1949 verpflichtete den Libanon, zu verhindern, dass sein Territorium für Angriffe auf Israel genutzt wird. Es scheiterte jedoch daran, dass der libanesische Staat die nichtstaatlichen Akteure auf seinem Boden nicht kontrollieren konnte.
Das von den USA vermittelte Abkommen vom Mai 1983, unterzeichnet nach Israels Invasion von 1982, sollte den Kriegszustand beenden und einen Rahmen für normalere Beziehungen schaffen, wurde jedoch im folgenden Jahr unter syrischem Druck und durch den Widerstand syrisch gestützter libanesischer Kräfte annulliert. Diese Präzedenzfälle sind wichtig, weil sie zeigen, dass halbe Lösungen dort nicht überleben, wo der Staat schwach ist, Milizen bewaffnet sind und externe Patronatsmächte ein Vetorecht behalten.
Ein anderer Friede
Die laufenden Gespräche spiegeln genau diese Komplexität wider. Völkerrechtlich und diplomatisch befinden sich Libanon und Israel weiterhin im Kriegszustand, obwohl sie 2022 ein von den USA vermitteltes Abkommen zur Seegrenzziehung und im November 2024 einen Waffenstillstand erreicht haben. Keine dieser Regelungen hat den tieferen Konflikt gelöst. Sie haben weder die Frage der Hisbollah geklärt noch Landstreitigkeiten wie die Shebaa-Farmen und das geteilte Dorf Ghajar beendet.
Seit dem Waffenstillstand vom November 2024 ist die öffentliche Diskussion über Diplomatie im Libanon etwas weniger tabuisiert geworden, begünstigt durch die Rückschläge der Hisbollah auf dem Schlachtfeld und durch die Tatsache, dass einige libanesische Politiker offener über die Notwendigkeit eines anderen Kurses gesprochen haben. Doch Rhetorik ist leichter als Umsetzung.
Der Libanon will einen Waffenstillstand, einen israelischen Rückzug, Entlastung für vertriebene Zivilisten, Wiederaufbau und stärkere ausländische Unterstützung für seine Armee. Israel will, dass die Hisbollah entwaffnet wird und der Südlibanon nicht länger als Abschussrampe für Angriffe dient. Die Hisbollah lehnt die Gespräche ab, und der libanesischen Regierung fehlt weiterhin die Macht, ihren Willen entscheidend durchzusetzen. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob Diplomaten sich in Washington treffen können, sondern ob der libanesische Staat genügend Autorität (zurück-)gewinnen kann, um irgendein Abkommen am Boden überhaupt wirksam zu machen.
Israel hat recht, die Verhandlungen aus einer sicherheitsorientierten Position heraus anzugehen. Die Hisbollah ist nicht bloß ein weiterer libanesischer politischer Akteur, sondern ein vom Iran unterstützter Armee-Staat, der den Südlibanon in eine langfristige Bedrohung für Nordisrael verwandelt hat und den Libanon in vielerlei Hinsicht als Geisel hält. Jede dauerhafte Regelung muss daher mit demselben Grundsatz beginnen, der Ägyptens Vertrag sinnvoll machte: Israel muss am Ende sicherer sein als zuvor. Im Fall des Libanon bedeutet das, die militärische Infrastruktur der Hisbollah einzudämmen, Irans Einfluss zurückzudrängen, echte staatliche Kontrolle im Süden wiederherzustellen und das Risiko zu verringern, dass israelische Zivilisten erneut unter ständiger Raketenbedrohung leben.
Die nächste Phase wird entscheidend sein. Zwischen jetzt und der nächsten Gesprächsrunde werden die libanesischen Streitkräfte zeigen müssen, dass der Libanon selbst größere Verantwortung für Sicherheit, Entwaffnung und Stabilität übernehmen kann.
Jeder künftige Frieden mit dem Libanon müsste enger, strategischer und konditionaler sein, als viele Außenstehende sich vorstellen. Die wichtigste Lehre aus Ägypten und Jordanien ist nicht, dass Frieden im Lauf der Zeit nicht warm werden kann, sondern dass er nur dann Bestand hat, wenn der Staat, der ihn unterzeichnet, ihn auch tatsächlich durchsetzen kann. Ägypten konnte das. Jordanien konnte das. Der Libanon kann es bislang nicht.
Und wenn die Geschichte überhaupt etwas zeigt, ist es dann nicht dies: dass selbst im Nahen Osten Frieden in Formen möglich ist, die sich nur wenige vorstellen konnten?






