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»Kampf der Dinosaurier«: Zerbricht die Muslimbruderschaft?

Eine der beiden rivalisierenden Muslimbruderschaft-Fraktionen hat ihren Sitz in London
Eine der beiden rivalisierenden Muslimbruderschaft-Fraktionen hat ihren Sitz in London (© Imago Images / Richard Wareham)

Der Zusammenstoß zwischen zwei rivalisierenden Fraktionen innerhalb der Muslimbruderschaft hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht, da sie auf gegensätzlichen Entscheidungen beharren und die Organisation zu spalten drohen.

Die Muslimbruderschaft ist seit Monaten gespalten zwischen einer in London ansässigen Fraktion unter der Leitung des amtierenden Führers der Organisation, Ibrahim Munir, und einer Fraktion unter der Leitung des ehemaligen Generalsekretärs der Gruppe, Mahmoud Hussein, die ihren Sitz in Istanbul hat.

Die Londoner Fraktion hielt vom 14. bis 17. Juli eine Sitzung ab, um einen neuen Schura-Rat (den zweitmächtigsten Block in der Struktur der Muslimbruderschaft) zu wählen und neue Stellvertreter für Ibrahim Munir zu ernennen.

In diesem Zusammenhang sagte Munir Adib, ein ägyptischer Experte für islamistische Gruppen, »das Treffen der Londoner Fraktion führte zur Wahl eines Ibrahim Munir loyalen Schura-Rates und zweier Stellvertreter von Munir«. Er fügte hinzu, dass auf dem Treffen auch beschlossen wurde, Mahmoud Hussein und fünf der Führer der Istanbuler Fraktion – Medhat Al-Haddad, Muhammad Abdel-Wahhab, Hammam Ali Youssef, Rajab Al-Banna und Mamdouh Mabrouk – aus dem neuen Schura-Rat auszuschließen.

Parallelstrukturen

Auf diese Weise hat die Londoner Fraktion eine gesamte Struktur geschaffen, die ihr treu ergeben ist, denn Munir hat die Position des amtierenden Generalführers (die höchste Funktion in der Muslimbruderschaft) inne, und ihm stehen nun auch zwei Stellvertreter und ein ihm treu ergebener Schura-Rat zur Seite. Auf der anderen Seite hat die Istanbuler Fraktion ebenfalls einen amtierenden Generalführer, Mustafa Tolba, und einen ihm treu ergebenen Schura-Rat.

Als Reaktion auf die Beschlüsse der Londoner gab die Istanbuler Fraktion einen Beschluss heraus, die Führer und Mitglieder der Londoner Abteilung aus der Muslimbruderschaft auszuschließen, und beschuldigte Ibrahim Munir, »Parallelstrukturen zu schaffen und den Zusammenhalt der Organisation zu gefährden«.

Die Zeitung Alsyaaq zitierte informierte Quellen in der Muslimbruderschaft, wonach die Londoner Fraktion eine Reihe neuer Beschlüsse vorbereitet, die sich gegen die Istanbuler richten. Die Quellen fügten hinzu, es habe »eine Initiative zur Beilegung der Krise zwischen den beiden Fraktionen« gegeben, im Zuge derer »Mustafa Tolba, der amtierende Generalführer der Istanbuler Gruppe, versuchte, Ibrahim Munir zu treffen, um die Krise zu lösen, aber ein Streit zwischen ihnen verhinderte eine Lösung«.

Spaltung so nahe wie nie

Munir Adib kommentierte die aktuelle Situation der Spaltung innerhalb der Muslimbruderschaft mit den Worten:

»Wir haben es mit zwei verschiedenen Gruppen zu tun, nicht mit einer einheitlichen Gruppe, in der jede Fraktion einen Führer, einen Schura-Rat und alternative Institutionen hat. Was hier geschieht, könnte das letzte und endgültige Kapitel in der Geschichte dieser Organisation sein. Es scheint mittlerweile für jede dieser beiden Fraktionen unmöglich geworden zu sein, irgendwelche Gesten einer Versöhnung seitens der anderen zu akzeptieren.«

Ahmed Sultan, ein Forscher auf dem Gebiet terroristischer Gruppen, ist ebenfalls der Ansicht, die Spaltung innerhalb der Muslimbruderschaft habe »einen noch nie dagewesenen Punkt« erreicht. »Die Vorstellung einer Rückkehr der Gruppe zur Einheit ist derzeit völlig abwegig.« Dies gelte vor allem »angesichts des Scheiterns zahlreicher Initiativen zur Lösung des Konflikts«, der als Dinosaurierkonflikt bekannt ist, weil es sich dabei um den Konflikt zwischen den wichtigsten Führern der Organisation handelt.

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