Kein Tag vergeht mehr, an dem es nicht neue Meldungen über blanken Antisemitismus gibt. Vor allem in Spanien explodiert die Zahl antisemitischer Vorfälle.
Auf einem Iberia-Flug von Buenos Aires nach Madrid am Dienstag erhielt ein jüdischer Passagier, der koscheres Essen bestellt hatte, sein Mahl mit einem Aufkleber versehen, auf dem »Free Palestine« zu lesen war. Das gab die Delegación de Asociaciones Israelitas Argentinas (DAIA), der Dachverband jüdischer Gemeinden in Argentinien, auf X bekannt.
Andere Passagiere, die sich für koschere Verpflegung entschieden hatten, stellten fest, dass ihr Essen mit den Buchstaben »FP« beschriftet war, was vermutlich als Abkürzung für den Slogan »Free Palestine« gedacht war. Der Dachverband verurteilte den »schwerwiegenden antisemitischen Vorfall« als diskriminierende Handlung und forderte die Behörden auf, von der Fluglinie Erklärungen und umgehend Maßnahmen zu fordern.
Iberia bestätigte in einer Stellungnahme, einige Passagiere hätten »handgeschriebene, pro-palästinensische Botschaften« auf den Verpackungen ihrer Speisen gefunden, und kündigte eine Untersuchung an. Die Crew habe den Vorfall dokumentiert und sei den Betroffenen zur Seite gestanden: »Der Kapitän wandte sich persönlich an sie, um sich im Namen der Fluggesellschaft zu entschuldigen.«
Erneuter Vorfall
Der Vorfall an Bord der Iberia-Maschine ereignete sich nur kurze Zeit nachdem rund fünfzig jüdische Jugendliche und ihre erwachsenen Begleiter aus einem Flug der ebenfalls spanischen Fluggesellschaft Vueling geworfen worden waren. Sie sollen von Mitarbeitern der Fluglinie antisemitisch beschimpft worden sein, nachdem sie ein Lied auf Hebräisch gesungen hatten. Eine Begleiterin der Reisegruppe wurde mit Handschellen am Boden fixiert und festgenommen. Vueling-Mitarbeiter behaupteten, die Jugendlichen hätten sich störend verhalten; Zeugen bestritten dies jedoch.
Diese Geschehnisse bei spanischen Fluglinien sind nur zwei Beispiele für den explodierenden Antisemitismus in Spanien seit dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023. Die Antisemitismus-Beobachtungsstelle der jüdischen Gemeinden hatten in ihrem Bericht für das Jahr 2024 insgesamt 193 antisemitische Vorfälle dokumentiert. Gegenüber dem Jahr 2023 bedeutet dies einen Anstieg um 321 Prozent, gegenüber 2022 sogar um 567 Prozent.






