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Der erste christliche Oberstleutnant in Israel. Ein Interview (Teil 2)

In der Entwicklung, die die christliche Gemeinschaft in Israel in den vergangenen sechs Jahren genommen hat, gibt es einige historische Wegmarken.

Major S. wird eine davon setzen, wenn er im Februar den Rang eines Oberstleutnants erhält und damit der erste Christ in den IDF (Israel Defense Forces) sein wird, der diesen Rang bisher erreicht hat. (Der erste Teil des Interviews mit S., dessen Name aus militärischen Geheimhaltungsgründen nicht genannt werden darf, wurde kürzlich hier veröffentlicht.)

Der erste christliche Oberstleutnant in Israel. Ein Interview (Teil 2)Amit Barak (AB): Nachdem Sie in den IDF Geschichte geschrieben haben und der erste Christ sind, der einen so hohen Rang einnehmen wird, glauben Sie, dass Sie eine Verantwortung haben, als Vorbild für die christliche Jugend zu dienen?

Major S. (MS): Ja, und ich werde Ihnen sagen warum: Weil viele Christen voller Verachtung waren und sagten, die IDF würden mich nicht aufsteigen lassen. Aber ich habe mir meinen Weg erarbeitet. Ich habe mein Wissen in technischen Fragen in die Armee eingebracht und zur Stärkung ihrer Fähigkeiten für die Aufgaben beigetragen, die vor uns liegen. Ich sehe mich als jemanden, der dazu beiträgt, die Vorurteile zu überwinden.

Wenn die Christen sehen, dass Leute wie ich vorankommen, wird sie das motivieren. Ich sehe heute keinen Unterschied mehr zwischen mir, einem Juden oder einer anderen Minderheit. Wir sind alle gleich und jeder erreicht das, was er sich durch seine eigene Leistung erarbeiten kann. Ich wünschte, in der Gesellschaft würden Unterschiede genauso unwichtig sein, wie sie es in der Armee heute sind. Wir werden das Schritt für Schritt schaffen.“

AB: In den vergangenen Jahren hat die Zahl der christlichen Rekruten zugenommen. Was ist der Grund dafür?

MS: Die sozialen Medien haben viel dazu beigetragen, die Wahrheit aufzudecken und Informationen zu liefern. Die meisten israelischen Medien sind nicht interessant, die arabischen Medien sind unsozial. Die sozialen Netzwerke, die die Lügen in den konventionellen Medien offenlegen, haben dazu beigetragen, die Wahrheit aufzuzeigen. Sie haben wesentlich zu diesem Prozess beigetragen.

Wir müssen auch denjenigen Juden danken, die an dem Prozess beteiligt waren, Organisationen wie „Im Tirtzu“, die sich zusammenschlossen haben, um die Forderungen der Christen zu unterstützen und voranzubringen. Auch den Angehörigen des Verteidigungsministerium und den Zuständigen für Minderheitenangelegenheiten müssen in den IDF danken. Heute gibt es eine Adresse für die christlichen Soldaten, an die sie sich wenden können, auch wenn das nur ein erster Schritt ist und wir im Vergleich zu anderen Minderheiten noch hinterherhinken. Aber so etwas gab es vor sechs Jahren noch nicht. Pensionierte IDF-Soldaten, hohe Offiziere, Aktivisten, Bewegungen und Organisationen arbeiten an diesem wichtigen Thema und bemühen sich, es zu einer Frage des nationalen Interesses des Staates Israel zu machen. Ich sehe, wie aus christlichen Soldaten Israelis wurden. Ich bin davon begeistert, weil wir uns weiterentwickeln und ein Teil derer werden, die das Heilige Land verteidigen.

AB: Was sollte Ihrer Meinung nach getan werden, um die Zahl christlicher Rekruten weiter zu erhöhen?

MS: Als Mann des Militärs werde ich zunächst auf das eingehen, was in der Armee selbst getan werden muss. Die aramäischen Christen müssen mehr Berücksichtigung finden. Das muss in den IDF-Kursen geschehen. Sie zu besuchen, zu sehen und zu hören stellt eine Verbindung her. Das ist wichtig und sollte Teil der Ausbildung sein. Im Nordkommando funktioniert das schon recht gut.

Abseits der Armee muss der Schwerpunkt auf Bildung liegen, Bildung in christlichen und öffentlichen Schulen. Wir müssen die Lehrpläne ändern und unsere Geschichte unterrichten, die der Christen. Ich will den Arabern nicht schaden, aber es kann nicht sein, dass die Christen ihre Geschichte nicht lernen. In Bethlehem, unter der Palästinensischen Autonomiebehörde, gibt es sogar einige Schulen, die über die Geschichte der aramäischen Christen und die aramäische Sprache unterrichten, und hier haben wir nichts dergleichen. Wenn wir unsere Verbindung zum Land, zum jüdischen Volk und zum Staat stärken wollen, ist das die Grundlage.

Neben der Bildung stellt die Sicherheitslage ein wichtiges Problem dar. Wir müssen jemanden haben, der ein Auge darauf wirft, was in den arabischen Städten und Dörfern vorgeht. Wenn es an öffentlicher Sicherheit mangelt, wird Israel als schwach empfunden und die Auswirkungen sind negativ. Die Christen, von denen die meisten in arabischen Städten leben, müssen erkennen, dass der Staat Israel stark ist, dass die IDF stark sind. Und das, woran es fehlt, die Frage der Identität, kann nur durch Bildung bewältigt werden.

AB: Denken Sie, dass der Wehrdienst für Christen gesetzlich vorgeschrieben werden sollte, wie er es für Juden, Drusen und Tscherkessen ist? Jetzt oder in der Zukunft?

MS: Derzeit besteht keine Notwendigkeit für ein derartiges Gesetz, wegen der Drohungen gegen Christen in der arabischen Gemeinschaft, in der Christen in der Minderheit sind. Das ist ein Sicherheitsproblem für ganze Familien. Wenn es diese Gefahr ernsthafter Folgen nicht gäbe, würde ich sagen, dass wir den verpflichtenden Wehrdienst brauchen. Aber wir sind noch nicht soweit. Es wird Zeit brauchen. Drohungen und Übergriffe müssen verfolgt und härter bestraft werden. Ich denke und hoffe, dass es Schritt für Schritt besser wird. In der Zwischenzeit läuft die Rekrutierung ganz gut. Mein Cousin etwas hat sich vor einigen Monaten [zum Wehrdienst] verpflichtet – trotz des israelfeindlichen Drucks. Den Christen muss die Angst genommen werden.

Aber wer sich nicht bereit fühlt, in der Armee zu dienen, sollte sich freiwillig für den Zivildienst melden, auch das ist wichtig. Jeder, der in die Armee eintritt, sollte das Gefühl haben, dass das ein Recht und keine Pflicht ist.

AB: Was sagen Sie zu denen, die sich noch immer dafür entscheiden, aus welchen Gründen auch immer nicht zu dienen?

MS: Ohne den Staat Israel haben die Christen keine Verbindung zu diesem Land – und diejenigen, die sich nicht zugehörig fühlen, sollten packen und ein Flugzeug besteigen, das sie woandershin bringt. Wenn es keinen Staat Israel gibt, kann hier keine Minderheit leben. Es gibt Christen die glauben, dass sie Araber sind und mit den Muslimen gekommen sind. Dies ist nicht leicht zu ändern. Das wird seit Jahren und Tag gelehrt, so wurden die Leute erzogen. Davon kommt man nicht so leicht los. Arabisch-muslimisch, seit Hunderten von Jahren, das kann man nicht einfach von heute auf morgen ändern. Noch schwieriger war es in einer Zeit ohne soziale Netzwerke und freien Informationszugang. Heute können wir mit Christen im Nahen Osten kommunizieren, die sich ihre Identität bewahrt haben, das hilft.


AB
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Was sagen Sie zu denen, die nur unter bestimmten Bedingungen dienen wollen, die Armee ganz ablehnen oder nur zur Polizei gehen wollen?

MS: Die Basis ist der verpflichtende Dienst: IDF, Grenzpolizei, Polizei und der Zivildienst. Du tust es für den Ort, an dem du lebst, für den Staat, die Gesellschaft, die Familie. Erledige zuerst das, danach kannst du Forderungen stellen. Aber wir sollten Anreize geben, und für Christen gibt es noch keine besonderen Anreize. Zum Beispiel gewährt der Staat Arabern Stipendien, unabhängig davon, ob sie dem Staat gedient und Beiträge geleistet haben oder nicht. Warum nicht Stipendien an Christen vergeben? Wo ist die positive Diskriminierung von Christen und Minderheiten, die sich freiwillig gemeldet und gedient haben? Es gibt keine positiven Maßnahmen zugunsten derer, die sich freiwillig gemeldet und gedient haben. Das ist absurd, untergräbt die Motivation und erschwert die Rekrutierung und Integration.

AB: Was sollte der jüdische Teil der Gesellschaft Ihrer Meinung nach tun, um den Rekrutierungs- und Integrationsprozess zu unterstützen?

MS: Der jüdische Teil sollte bereit sein anzuerkennen, dass es nicht richtig ist, voreilige Schlussfolgerungen zu ziehen und jemanden zu stigmatisieren, sobald jemand auf einen arabischen Namen hört: Richte niemals ein Buch nach seinem Deckel. Die israelische Gesellschaft verändert sich, und wenn die Juden uns Christen besser kennen, werden sie diejenigen unterstützen und ermutigen, die ihren Beitrag leiten. Wenn die Privatwirtschaft konkrete Schritte unternimmt und auf dem Arbeitsmarkt Christen und Minderheiten, die sich freiwillig gemeldet haben, bevorzugt, wird das zur Rekrutierung und Integration beitragen.“

AB:  Wo möchten Sie die christliche Gemeinschaft in 10 Jahren in Israel sehen?

MS: Ich will, dass sie sich dem Land und dem Staat verbunden fühlen, die Flagge Israels und die Flagge der Aramäer wehen lassen. Gehört dem Staat an: als Gemeinschaft; als Kollektiv, das Teil der israelischen Gesellschaft ist; als Besonderheit und Einzigartigkeit, die dazu gehört.

AB: Die christliche Welt ist gespalten. Es gibt diejenigen, die Israel unterstützen, hauptsächlich (aber nicht nur) die evangelikale Strömung, und es gibt die Gegner. Was können christliche Unterstützer Israels tun, um die positive Entwicklung der Christen in Israel zu unterstützen?

MS: „Die meisten christlichen Kleriker in Israel haben Angst, das zu sagen, was sie denken, auch wenn sie so denken wie ich. Daher ist es wichtig, dass Christen und christliche Kleriker aus aller Welt geistige Unterstützung geben. Sie sollten in unsere Städte kommen, in die Dörfer, in die Gemeinden, in die Familien, um uns kennenzulernen, zusammen zu sein, Weihnachten zusammen zu feiern, hier in Israel, im Heiligen Land.

In materieller Hinsicht sehen wir ihre wichtige Unterstützung für den Staat Israel und die israelische Gesellschaft. Und ich hoffe, dass sie auch unsere Projekte unterstützen werden: Stipendienprojekte, unterhaltsame Tage und gemeinsame Unternehmungen christlicher Jugendlicher, Bildungsprojekte, in denen wir über unsere historischen Wurzeln, unsere Geschichte, unsere Verbindung zum jüdischen Volk und über die jüdische Bevölkerung im Land Israel unterrichtet werden, Hebräisch lernen. Und besonders wichtig: Dass die Jugend und die christlichen Soldaten sehen, dass sie von der christlichen Welt und von den Kirchen weltweit geschätzt werden – an dieser Versicherung mangelt es.

AB: Und was würden Sie zu den jüdischen Organisationen in Israel und auf der ganzen Welt sagen sowie zu christlichen Kirchenorganisationen wie dem Ökumenischen Rat der Kirchen, die in Israel gegen den Staat operieren, Soldaten und Polizisten verfolgen und belästigen und sich sogar „Christen im palästinensischen Israel“ nennen?

MS: Zuallererst sage ich den Christen in der Welt, hört nicht den arabischen und internationalen Medien und all denjenigen zu, die Propaganda gegen den Staat Israel verbreiten. Nehmt den Hörer in die Hand, kommt uns besuchen, trefft uns und hört uns an. Seid nicht ignorant. Findet heraus, was mit den Christen im Nahen Osten passiert, und versteht dann, warum es so wichtig ist, dass der Staat Israel existiert. Hört auf, Lug, Betrug und Ritualmordlegenden zu verbreiten, um Euch in die Beziehungen zwischen Juden und Christen einzumischen.

Und zu jüdischen Organisationen sage ich: Seid nicht unmoralisch. Versteht, warum es für das jüdische Volk wichtig ist, einen Staat zu haben, und dass dies das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem Christen in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben können. Anstatt es zu verletzen, zu schwächen und es zu einer leichten Beute für seine Feinde und den Terror zu machen, sollten sie stolz auf den jüdischen und demokratischen Staat sein, der seine Minderheiten verteidigt.

AB: Wie geht es für Sie weiter?

MS: Ich beabsichtige, in den IDF zu bleiben, voranzukommen und so viel einzubringen, wie ich kann. Vor einigen Monaten nahm ich an einer großen militärischen Übung im Norden teil, bei der ich eine der führenden Positionen einnahm. Ich glaube, ich habe dazu beigetragen und dass das Training mir geholfen hat zu verstehen, wie ich später zu handeln habe. Ich kann sagen: Ich fürchte mich nicht und bin für für jedes Szenario bereit.

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