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Irak: Demonstranten gegen Regierung verurteilen Stürmung der US-Botschaft

Am Tahrir-Platz in Bagdad erinnern Fotos an getötete Demonstranten (imago images/Kyodo News)
Am Tahrir-Platz in Bagdad erinnern Fotos an getötete Demonstranten (imago images/Kyodo News)

Die Demonstranten, die seit Monaten in Bagdad protestieren, wollen mit der Botschaftsstürmung nichts zu tun haben – und beklagen den ersten Toten im Jahr 2020.

Deutlich haben sich Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Bagdad, die dort seit Monaten ausharren und gegen das irakische politische Establishment und seine Unterstützer im Iran protestieren, von den Milizen distanziert, die jüngst die amerikanische Botschaft gestürmt haben: „Die Demonstrationen am Tahrir-Platz und seiner Umgebung haben nichts mit dem zu tun, was sich vor der US-Botschaft in der Grünen Zone im Zentrum von Bagdad zugetragen hat“, stellten die Demonstranten in einer Erklärung fest.

Die zentral gelenkte Aktion, hinter der offensichtlich das Regime in Teheran stand, wurde von vielen Medien fälschlicherweise als „Demonstration“ bezeichnet, obwohl es sich ohne Zweifel um einen Aufmarsch von Milizionären handelte, die oftmals sogar in ihren Uniformen erschienen. Überschriften wie „Demonstranten erstürmen US-Botschaft im Irak“ empören deshalb diejenigen, die im Irak wirklich seit Monaten demonstrieren.

Sie nämlich wissen, dass sich die Aktion eben nicht nur gegen die USA, sondern auch gegen die Demonstrationen am Tahrir-Platz richtet. Deren Anliegen sind dem iranischen Regime ein Dorn im Auge, bedroht die Protestbewegung doch dessen enormen Einfluss im Nachbarland.

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Immer wieder kam es in den vergangenen Wochen zu gewaltsamen Übergriffen von Milizionären auf Demonstranten – würde der Iran einen entsprechenden Befehl erteilen, so sind viele der Demonstranten überzeugt, würden die Milizen den Platz stürmen und räumen. Ganz ähnliche Szenen spielen sich unterdessen bereits im Libanon ab, wo Anhänger der Hisbollah immer wieder versuchen, die dortige Protestbewegung zu provozieren oder einzuschüchtern.

Das Töten geht weiter

Trotz wachsender Spannungen und schon über 400 Toten sowie zehntausenden von Verletzten gehen die Proteste im Irak auch im neuen Jahr weiter – genauso wie das Töten von Demonstranten, das von genau den Milizen begangen wird, die jetzt die US-Botschaft stürmten. Denn schon ist das erste Todesopfer in 2020 zu beklagen:

„In der vergangenen Nacht ist in Bagdad ein Aktivist erschossen worden, teilte eine Quelle aus Polizeikreisen der AFP mit, „wo die Anti-Regierungsproteste ungeachtet der davon unabhängigen Belagerung der US-Botschaft weitergehen.

Dem Aktivisten, Saadoun al-Luhaybi, wurde in einer Nachbarschaft im Südwesten der irakischen Hauptstadt in den Kopf geschossen, so die Polizeiquelle. Er hatte an den Protesten von jungen Irakern teilgenommen, die den Irak seit Oktober erschüttert haben und bei denen nach der Entmachtung einer politischen Klasse gerufen wird, die als korrupt, unfähig und dem Iran hörig gesehen wird.“

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