Die USA dürfen den Fehler des Irak-Abzugs nicht wiederholen

US-Soldaten in Afghanistan (Quelle: U.S. Army by 1st Lt. Jesse Glenn/CC BY 2.0)

„Die Verkündung des Friedensabkommens zwischen den USA und der Taliban soll nach jahrelangen Kämpfen und monatelangen Verhandlungen unmittelbar bevorstehen. Die USA werden Berichten zufolge versprechen, ihre militärische Präsenz in Afghanistan zu verringern, im Gegenzug sollen die Taliban zusagen, bei an Bekämpfung des internationalen Terrorismus mitzuwirken und direkte Gespräche mit der afghanischen Regierung aufzunehmen.

Sowohl für Amerikaner, als auch für Afghanen ist jede Aussicht auf eine Beilegung des Konfliktes Grund zur Hoffnung. Aber auch wenn die Bürger beider Länder für den Frieden beten, müssen die Verantwortlichen in Washington Vorsicht walten lassen. Der diplomatische Prozess mit den Taliban mag eine Reduzierung der der Zahl an US-Soldaten im Land rechtfertigen, aber die Trump-Regierung sollte unter keinen Umständen den Fehler ihrer Vorgänger im Irak wiederholen und einem vollständigen Rückzug der Streitkräfte aus Afghanistan zustimmen.

Ein vollständiger militärischer Abzug aus Afghanistan wäre heute noch leichtinniger und riskanter als der Abzug der Obama-Regierung aus dem Irak im Jahr 2011. Der Irak war weitgehend stabilisiert, als die letzten US-Kampftruppen das Land verließen, und al-Qaida war im Zuge der Truppenanhebung („Surge“) von 2007 vertrieben worden. In Afghanistan hingegen sind die Taliban alles andere als besiegt, während gleichzeitig rund 20 ausländische Terrororganisationen wie al-Qaida und ISIS in der Region präsent sind. Es ist unwahrscheinlich, dass sich jemand von ihnen einem Friedensabkommen anschließt.

Die Vorstellung, dass die USA ihre Truppen abziehen können, wenn die Taliban versprechen, diese anderen Gruppierungen zu bekämpfen, anstatt mit ihnen zu kollaborieren, ist ebenfalls töricht. (…) Obwohl der Absturz ins sektiererische Chaos nach dem Abzug der USA im Jahr 2011 eine Möglichkeit darstellte, die von einigen vorausgesehen wurde, war er alles andere als sicher. Wenn die Trump-Regierung einen vollständigen Rückzug aus Afghanistan anordnet, gibt es erheblich weniger Unklarheit darüber, was geschehen wird: ein ausgewachsener Bürgerkrieg und die Wiederherstellung eines Rückzugsgebiets für Terrorgruppen, wie es zum Zeitpunkt der Planung der Anschläge vom 11. September existierte.

Die Taliban haben klar gezeigt, was sie tun werden, wenn die US-Streitkräfte verschwunden sind: Sie werden die afghanische Regierung stürzen und das Land wieder ihrer mittelalterlichen Herrschaft unterwerfen. Ihrer Weigerung, einem formellen Waffenstillstand zuzustimmen, die anhaltenden barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung und die Ablehnung der für diesen Herbst geplanten Wahlen sind allesamt Warnsignale.“ (David Petraeus/Vance Serchuk: „The U.S. Abandoned Iraq. Don’t Repeat History in Afghanistan“)


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