Das Comeback des IS in Syrien und dem Irak

„Suleiman Khalaf, der auch als Abu Fadi bekannt ist, wurde vor zehn Tagen im Kampf gegen den Islamischen Staat in Ostsyrien getötet, als das Fahrzeug, in dem er sich befand, von einer wärmegesteuerten Rakete getroffen wurde. ‚Er fuhr einen Bulldozer, der am Bau eines Erdwalls beteiligt war, als der Islamische Staat ihn mit einer Rakete traf, die wir »fuzia« nennen’, erklärte Baran Omari, der Kommandeur der zu den Volksverteidigungseinheiten (YPG) gehörenden Einheit Khalafs. ‚Der Islamische Staat griff uns in dem Dorf Bagin in der [ostsyrischen] Provinz Deir Ezzor an’, so Omari weiter. Es sei seinen Männern gelungen, die für den Raketenbeschuss verantwortlichen Kämpfer zu töten. (…) Angesicht der Tatsache, dass der Islamische Staat im letzten Jahr entscheidend besiegt worden sein soll, als er Raqqa und Mosul, seine faktischen Hauptstädte in Syrien und im Irak, verlor, hätte dies eigentlich nicht geschehen dürfen. Das vom Islamischen Staat ausgerufene Kalifat, das noch vor drei Jahren so groß war wie Großbritannien, war auf einige wenige Enklaven in den Wüsten Ostsyriens und des westlichen Irak zusammengeschrumpft. Doch allmählich stellt sich heraus, dass der Islamische Staat von seinen Feinden zu früh abgeschrieben wurde. Die Zahl von Zusammenstößen wie jenem, bei dem Khalaf starb, nimmt zu. (…)

Das, wenn auch noch begrenzte, Wiedererstarken des Islamischen Staats ist leicht zu erklären. Diejenigen, die letztes Jahr behaupteten, sie hätten die Bewegung zerstört, begannen das Fell des Löwen untereinander aufzuteilen, als er zwar schwer verletzt aber noch nicht so tot war, wie sie meinten. Nachdem sie ihren Sieg vorzeitig verkündet hatten, ließen sie sich durch andere Krisen ablenken. Im Irak war es das kurdische Unabhängigkeitsreferendum, das die Regierung in Bagdad dazu veranlasste, ihre zuvor mit dem Kampf gegen den Islamischen Staat betrauten Streitkräfte am 16. Oktober zu verlegen, um den Kurden Kirkuk und andere strittige Gebiete abzunehmen. (…) In Syrien war es der türkische Überfall auf die nördlich von Aleppo gelegene kurdische Enklave Afrin vom 20. Januar, der die militärische Lage für den Islamischen Staat günstiger gestaltete. (…) Das Rückgrat der Demokratischen Kräfte Syriens sind die YPG, von denen viele jetzt aus dem Kampf gegen den Islamischen Staat in Deir Ezzor abgezogen werden, um gegen die türkische Invasion im nordwestsyrischen Afrin vorzugehen.

Angesichts seiner schweren Verluste, seiner besinnungslosen Bestialität und seines Mangels an externer Unterstützung dürfte der Islamische Staat kaum vollständig wiedererstarken. Auch so kann er jedoch jede Menge ethnischen und konfessionellen Hass schüren.“ (Patrick Cockburn: „Inside Syria: With its enemies diverted or fighting each other, ISIS is making a swift and deadly comeback“)

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