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Crowdfunding für die Hamas

Die Hamas finanziert sich nicht zuletzt durch Spenden von Privatpersonen. (© imago images/IlluPics)
Die Hamas finanziert sich nicht zuletzt durch Spenden von Privatpersonen. (© imago images/IlluPics)

Sicherheitsbehörden sagen, private Spenden seien die wichtigste Finanzierungsquelle der Hamas. Spuren führen nach Deutschland und Österreich.

Viele Jahre galt die Islamische Republik Iran, vom US State Department als wichtigster staatlicher Sponsor des Terrorismus klassifiziert, als Hauptfinanzquelle der islamistischen Hamas im Gazastreifen. Wie Dokumenten zu entnehmen ist, die während Israels Militäroperationen im Gazastreifen sichergestellt wurden, hat die Hamas in den Jahren von 2014 bis 2020 insgesamt mindestens 222 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt bekommen. Laut Erkenntnissen des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2018 soll sich die Unterstützung palästinensischer Terrororganisationen durch den Iran auf mehr als hundert Millionen Dollar jährlich belaufen.

Wie die Tageszeitung Welt berichtet, soll sich das Finanzierungsmuster der Hamas laut Sicherheitsbehörden allerdings »drastisch verändert« haben: »Im Jahr 2024 wird die Hamas nach unseren Einschätzungen zum ersten Mal mehr Geld über soziale Medien generiert haben als durch die Unterstützung anderer Staaten.« Ihren Einschätzungen zufolge sollen in diesem Jahr rund hundert Millionen Euro aus den Geldbörsen von Privatpersonen an die Hamas gespendet worden sein, wenn auch teilweise unwillentlich in dem Glauben, zu humanitärer Hilfe beizutragen.

Im Grunde betreibt die Hamas, in den Worten des Experten Lorenzo Vidino, eine massive »Crowdfunding-Kampagne«. Beteiligt daran sollen hauptsächlich eine als Mediennetzwerk getarnte Organisationen namens GazaNow sowie eine Unternehmensförderung namens Al-Qureshi Executives mit Sitz in London sein. Beide wurden wegen des Verdachts der Terrorfinanzierung in Großbritannien und den USA unter Sanktionen gestellt.

Spuren nach Österreich und Deutschland

Eine zentrale Rolle soll dabei ein Mann namens Mustafa Ayash spielen, der Direktor von GazaNow. Aus diesem Grund bekam der in Linz lebende Ayash Ende März 2024 auch Besuch von den österreichischen Sicherheitsbehörden: Bei einer Hausdurchsuchung Ende März 2024 wurden zahlreiche persönliche Gegenstände beschlagnahmt, darunter ein Laptop, mehrere Mobiltelefone sowie Bankkonten. Grund für die Razzia laut Staatsanwaltschaft Linz ist ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Terrorfinanzierung.

Ende letzten Jahres hieß es eine Zeitlang, der Mann sei bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen ums Leben gekommen. Der Hochkommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen, der Österreicher Volker Türk, hatte unter Erwähnung von Ayashs Namen eine angeblich »noch nie dagewesene Zahl von Journalisten und Medienmitarbeitern« beklagt, die »seit dem 7. Oktober in Gaza getötet wurden«.

Laut Welt soll GazaNow seit dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 starken Zulauf erhalten haben und die Abonnentenzahl von rund 300.000 auf über 1,1 Millionen angewachsen sein. An der Nähe des Kanals zur Hamas kann kein Zweifel bestehen, immer wieder strahlt er auch Stellungnahmen von maskierten Hamas-Vertretern aus. Ob der Verdacht der Terrorfinanzierung gegen Ayash erhärtet werden kann, wird sich erst zeigen müssen.

Eine weitere wichtige Person im Finanzierungsnetzwerk der Hamas soll ein in Berlin lebender Brite namens Majed Al-Zeer sein, der Direktor einer Organisation namens Palestinian Return Center, die laut einem Bericht des Berliner Verfassungsschutzes aus dem Jahr 2018 als »zentrale Propagandaorganisation der Hamas in Europa« charakterisiert wurde. Al-Zeer selbst wird in Medienberichten als »Deutschlandverantwortlicher der Hamas« bezeichnet. Auch er erhielt nach dem 7. Oktober in seiner Berliner Wohnung bereits Besuch von den Sicherheitsbehörden.

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