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Christen im Nordirak geraten ins Kreuzfeuer zwischen Türkei und PKK

Das christliches Dorf Navkandalan im Nordirak gerät zwischen die Fronten von PKK und Türkei
Das christliches Dorf Navkandalan im Nordirak gerät zwischen die Fronten von PKK und Türkei (Quelle: Rudaw)

Bislang mussten elf christliche Dörfer wegen des Konflikts evakuiert werden und rund 500 Familien wurden vertrieben.

Yousif Musa, Rudaw

Navkandalan ist ein christliches Dorf im Batifa-Unterbezirk von Zakho im Norden Duhoks in Irakisch-Kurdistan. Die christliche Bevölkerung dort ist wegen des Konflikts zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Türkei von 70 Personen auf 40 gesunken.

Die Bewohner des Dorfes fordern Schutz. „Wir sind viermal aus dem Dorf geflohen und zurückgekehrt, wohin sollen wir denn gehen?“, fragte Soqa Issac, ein Bewohner von Navkandalan. Die Dorfbewohner seien arm und es gäbe keine Kräfte, die sie schützen, „weder vom Irak noch von der Region Kurdistan. Wir bitten die KRG [kurdische Regionalregierung], uns Waffen zu geben“, erklärte er.

„Ich besitze eine Schafherde, ich kann meine Schafe nicht ins Vorgebirge zum Weiden bringen“, sagte Basam Eliksan, ein Viehzüchter. „Sobald die türkischen Jets die Schafe sehen, schießen sie Raketen ab. Die türkische Armee eröffnet das Feuer mit ihren Maschinengewehren und Waffen. Auch die Arbeiterpartei (PKK) versperrt uns den Weg.“

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Von den 30 vertriebenen Familien sind 10 nach Zakho und Duhok geflohen. Andere Familien haben sich nach Australien, in die USA und nach Kanada abgesetzt. 2014 waren sie gezwungen, wegen des Islamischen Staates (ISIS) in die Region Kurdistan zu fliehen, und jetzt werden sie von der Gewalt zwischen der Türkei und der PKK vertrieben.

„Wir sind wegen ISIS aus unseren Häusern in Mosul ins Dorf geflohen“, sagte Nuya Yousif, ein Flüchtling in Australien. „Die Situation im Dorf war dann wegen der türkischen Armee nicht gut. Nachdem ich aus dem Dorf geflohen war, reiste ich mit meinen Kindern in die Türkei. Von der Türkei sind wir nach Australien geflogen.“

„Die Türkei und die PKK machen uns Probleme. Die Menschen fliehen aus den Dörfern; vor allem die Christen, um sichere Dörfer zu finden“, sagte Basim Gabriel, der Dorfvorsteher von Navkandalan. „Wir können nicht in den Konfliktgebieten bleiben. Der Konflikt ist jetzt sehr intensiv. Wir fordern die Vereinten Nationen auf, eine Lösung zu finden. Wir, als Christen, wollen unser Dorf nicht evakuieren.“

Neun Priester können nach Angaben der Kathedrale von Zakho keine Kirchen in den Konfliktzonen mehr besuchen. Der Pfarrer von Navkandalan ist nach Zakho geflohen. Er besucht das Dorf an den Wochenenden und erteilt den Kindern des Dorfes Religionsunterricht. Doch der Konflikt hat bei den Kindern Angst ausgelöst. „Die Luftangriffe bedrohen uns. Sie bombardieren die Berge“, erzählte Maryam, ein Mädchen aus Navkandalan.

Elf christliche Dörfer wurden nach Angaben der Kathedrale in Zakho als Folge des jüngsten Konflikts bereits evakuiert. Fast 500 christliche Familien sind bisher vertrieben worden.

(Aus dem Artikel Christian villagers under fire in Turkey-PKK clashes, der bei Rudaw erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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