Caesar-Fotos: Syrische Folterbilder lassen sich dem Regime zuordnen

„[Bei den sogenannten Caesar-Fotos] handelt es sich um Bilder von 6.700 Menschen (ursprünglich hieß es, es handele sich um 11.000), die offenbar gestorben sind, während sie vom syrischen Regime festgehalten wurden. Ein Überläufer mit dem Codenamen Caesar behauptete, er habe die Fotos aus Syrien herausgeschmuggelt. Erstaunlicherweise seien sie vom Regime selbst im Rahmen seiner Aktenführung angefertigt worden. Erschreckenderweise wird jede Leiche (und jedes Regimegefängnis) mit einer Nummer identifiziert. Es gibt nur Nummern, keine Namen. Zum Teil durch die Bilder motiviert diskutierte der UNO-Sicherheitsrat im Mai 2014 den Entwurf einer Resolution, mit der Syrien an den Internationalen Strafgerichtshof überwiesen werden sollte. Dreizehn der fünfzehn Mitglieder des Sicherheitsrats stimmten für die Resolution, doch wurde sie von den Vetomächten Russland und China blockiert.

Der syrische Präsident Bashar al-Assad hat die Authentizität der Fotos durchgängig infrage gestellt. Als der Journalist Michael Isiskoff ihn während eines Interviews mit Yahoo News wegen der grauenhaften Bilder zur Rede stellte, antwortete er: ‚Wer hat dieser Bilder verifiziert?‘ Nun gibt es Belege dafür, dass das Regime die Bilder selbst verifiziert haben dürfte. Wie Nicola Cutcher und ich im August in einer Sendung von Channel 4 News berichteten, haben Ermittler, die mögliche Kriegsverbrechen untersuchen, jüngst Dokumente ausfindig gemacht, die ihres Erachtens belegen, dass das Regime die Authentizität der Caesar-Fotos selbst bestätigt hat. Ermittler der Kommission für internationale Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht (von denen viele Veteranen des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien sind) entdeckten die Dokumente unter hunderttausenden Akten, die das syrische Regime in Gebieten zurückließ, die von den Aufständischen eingenommen worden waren.

Die Schlüsseldokumente wurden vom Chef der Haftanstalt 227 an einen der Geheimdienstchefs des Regimes, den Direktor des Militärgeheimdiensts, geschickt, um ihn über die Festsetzung, das Verhör und den Tod von Gefangenen zu informieren. Darin werden die toten Gefangenen mit Nummern identifiziert. Als die Ermittler die Nummern der toten Gefangenen in diesen Dokumenten mit den Nummern der Leichen in den Caesar-Fotos und jenen der dort identifizierten Haftanstalt verglichen, stimmten diese überein. Wir verfügen nun also nicht nur über die Caesar-Fotos von tausenden von Folter und Hunger gezeichneten Leichen, sondern auch über Dokumente, die das syrische Regime mit manchen der Leichen in den Fotos und deren Tod in Verbindung bringen. Die Fotos halten den Zustand der Leichen der Gefangenen zu einem bestimmten Zeitpunkt fest. Die Dokumente dagegen identifizieren die Gefangenen und geben über ihr Schicksal vom Zeitpunkt ihrer Verhaftung über ihre Verhöre bis zum Tag ihres Todes Auskunft. Schließlich geben sie an, was mit ihren Leichen geschehen sollte. Sie bestätigen also, dass all dies geschah, während die betreffenden Menschen sich in der Obhut des Regimes befanden.“ (Sara Afshar: „Assad’s Syria recorded its own atrocities. The world can’t ignore them“)

Mehr zum Thema auf Mena Watch: „Codename Caesar“: Bericht aus den Folterkellern Assads

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