Bleibt antisemitischer Anschlag auf Pariser Jüdin straffrei?

„Die Anwälte, die die Familie der jüdischen Ärztin vertreten, die 2017 in ihrem Pariser Apartment bei einem kaltblütigen, antisemitischen Anschlag ermordet wurde, zeigten sich verärgert über die Nachricht, dass der angeklagte Mörder womöglich einem Strafverfahren entgehen könnte.

Oudy Bloch – ein Anwalt der Familie von Sarah Halimi, die geschlagen und gefoltert wurde, bevor sie in den frühen Morgenstunden des 4. April 2017 aus einem Fenster im dritten Stock geworfen wurde – erklärte der französischen Nachrichtenagentur L’Express gegenüber am Dienstag: ‚Man hat uns mitgeteilt, dass [der Angeklagte] Kobili Traore zum Zeitpunkt des Tatherganges strafrechtlich nicht für seine Handlungen verantwortlich gewesen sei und daher nicht eingesperrt werden kann. Zugleich wird allerdings [auch] gesagt, dass er nicht krank ist oder zumindest nicht als geisteskrank diagnostiziert wurde,‘ (…) Die gesetzlichen Strafverteidiger von Traore begrüßten den jüngsten Bericht, der ihre Behauptung stützt, dass ihr Mandant wegen der Auswirkungen von Cannabis im Delirium gewesen sei, als er den Angriff auf Halimi durchführte – und daher nach französischem Recht keine strafrechtliche Verantwortung übernehmen könne. (…)

Traore, ein malischer Einwanderer, der in demselben öffentlichen Wohnprojekt im Osten von Paris lebte wie Halimi, war der 65-jährigen Witwe bereits als potenzielle Bedrohung aufgefallen, da er sie im Aufzug des Gebäudes beschimpft hatte. Auch Halimis Tochter wurde von Traore einige Wochen vor dem Mord als ‚schmutzige Jüdin‘ beleidigt. Als chronischer Konsument von Cannabis sagte Traore gegenüber Polizeibeamten aus, dass er sich in der Nacht des Mordes von einer ‚dämonischen Macht‘ besessen gefühlt habe. Nachdem er seine malischen Angehörigen im selben Wohngebäude terrorisiert hatte, brach Traore am 4. April um vier Uhr morgens in Halimis Wohnung ein, indem er sich über die Feuerleiter Zutritt verschaffte. Dort angekommen, schlug er Halimi brutal zusammen, während er, Berichten zufolge, die arabischen Wörter ‚Allahu akbar‘ (‚Gott ist größer‘) und ‚Sheitan‘ (‚Satan‘) rief.

Als Traore um 5 Uhr morgens Halimis blutigen Leichnam aus dem Fenster schleuderte, waren Polizeibeamte, die von Anwohnern alarmiert worden waren, die Halimias qualvolle Schreie gehört hatten, bereits seit mehreren Minuten im Gebäude. Das offensichtliche Versäumnis der Polizei, die Ermordung Halimis zu verhindern, stellte den Auftakt einer zweimonatigen Periode dar, in der der Mord von Politikern und führenden französischen Medien praktisch ignoriert wurde.“ (Ben Cohen: „Sarah Halimi’s Lawyers, Relatives, Express Fury as Prospect of Criminal Trial in French Antisemitic Murder Case Again Recedes“)

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