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Olympia-Attentat: Werden jetzt endlich die Geheimakten veröffentlicht?

Angehörige der bei dem Attentat 1972 ermordeten israelischen Sportler bei einer Gedenkveranstaltung vor zwanzig Jahren in München. (© imago images/Norbert Schmidt)
Angehörige der bei dem Attentat 1972 ermordeten israelischen Sportler bei einer Gedenkveranstaltung vor zwanzig Jahren in München. (© imago images/Norbert Schmidt)

Fünf Jahrzehnte nach dem blutigen Attentat von München 1972 will das Innenministerium alle Akten einer Historikerkommission zugänglich machen.

Seit fünfzig Jahren kämpft Ankie Spitzer darum zu erfahren, wie ihr Mann starb. Sie ist die wohl bekannteste Angehörige aus dem Kreis der Familien der elf israelischen Sportler, die bei der Geiselnahme im Olympischen Dorf in München 1972 von palästinensischen Terroristen getötet wurden.

Spitzers Versuch, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, begann schon wenige Stunden nach dem Attentat, als sie das Zimmer in der Connollystraße 31 aufsuchte, in dem ihr Mann als Geisel gehalten worden war. Der Raum war voller Blut von den dort gefolterten und ermordeten Sportlern, in den Wänden waren die frischen Einschusslöcher zu sehen.

Von den deutschen Behördenvertretern hatte sie 1972 nichts zu erwarten, berichtete sie der Tageszeitung Welt. Der Münchner Polizeipräsident beantwortete ihre Fragen nach den Vorgängen in München und bei dem so verheerend gescheiterten Befreiungsversuch am Flughafen Fürstenfeldbruck nicht, sondern riet ihr, sie solle »lieber in Stille trauern und sich um ihr Baby kümmern«. Ein ranghoher Polizist warf ihr vor, die Israelis hätten den Terror nach Deutschland gebracht.

Auch in den Jahren danach gaben sich die Behörden verschlossen. Akten gebe es keine, bekam Spitzer oft zu hören, u. a. auch aus dem Mund von Hans-Dietrich Genscher, der als damaliger Innenminister im Olympischen Dorf selbst mit den Terroristen verhandelt hatte. Erst in den 1990er Jahren räumte man mit der absurden Behauptung auf, es gebe keine Unterlagen über den Anschlag – es gibt sie wohl, aber sie seien bis 2041 gesperrt.

Doch jetzt, kurz bevor die Stadt München und die Bundesregierung am 50. Jahrestag mit Veranstaltungen des Terrors von München gedenken wollen, scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Laut der Welt habe das Innenministerium in den vergangenen Wochen »eine Neubewertung« vorgenommen und sei bereit, die vorhandenen Akten einer deutsch-israelischen Historikerkommission zur Verfügung zu stellen.

(Ob damit wirklich sämtliche verfügbaren Akten gemeint sind, erschließt sich aus dem Welt-Bericht nicht. Der Journalist Sven Felix Kellerhoff, der jüngst eben erst ein Buch über das Olympia-Attentat veröffentlicht hat, glaubt nicht, dass bisher noch zehntausende Aktenseiten unveröffentlicht geblieben sind. Er ist der Ansicht, dass es im Wesentlichen nur einen noch nicht zugänglichen Aktenbestand gibt: Die Akten von über 300 palästinensischen Studenten, die aus der Bundesrepublik ausgewiesen wurden und die aus Datenschutzgründen noch gesperrt seien.)

Auch eine offizielle Entschuldigung bei den Familien der Opfer für die gescheiterte Geiselbefreiung durch Präsident Frank-Walter Steinmeier scheint fünf lange Jahrzehnte nach dem Ereignis möglich. Und möglicherweise wird es auch endlich eine Entschädigung für die Hinterbliebenen geben, die diese Bezeichnung auch verdient. Dann werden vielleicht auch einige von ihnen an der Gedenkveranstaltung in Deutschland teilnehmen. Bisher lehnten sie das ab.

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