Berliner Humboldt-Universität richtet konservatives Islam-Institut ein

Humbolt-Universität Berlin (Quelle: NoRud, CC BY-SA 4.0)

„Wer die deutsche Politik gegenüber den etablierten Islamverbänden in Deutschland in den letzten Jahren verfolgt hat, hatte schon so manche Gelegenheit, sich zu wundern. Als 2006 der Grundstein für die ‚Deutsche Islamkonferenz‘ gelegt wurde, saß das ‚Who is who‘ aus dem Verfassungsschutzbericht, Kapitel Islamismus, am Tisch des Innenministers. Doch immerhin war auch die alevitische Gemeinde in Deutschland dabei, sowie eine Handvoll muslimische Individuen, die überwiegend für integrationsbereites Denken stehen. Entsprechend hoch ging es her in den Diskussionen. Die vom Verfassungsschutz mit Sorgen beobachteten Repräsentanten der Islamverbände versuchten wiederholt, den Freigeistern die Zugehörigkeit zum Islam und damit ihr Mitspracherecht abzusprechen. Ausgerechnet die altehrwürdige Humboldt-Universität zu Berlin will sich mit diesem anstrengenden innerislamischen Pluralismus gar nicht erst belasten: Den Beirat des Islam-Instituts zur Ausbildung von Imamen und Religionslehrern will sie ausschließlich mit sehr konservativen, Scharia-orientierten Verbänden besetzen. Diese Verbände werden teils aus dem Ausland dirigiert, teils sind sie hiesigen Sicherheitsbehörden wohlbekannt. Dennoch stünden sie, so die Universität, hinreichend für ‚den Islam‘ in Deutschland und insbesondere in Berlin. Den ganzen Spaß wird Berlin sich bis 2022 ganze 13,8 Millionen Euro kosten lassen! (…)

[D]ie rückwärtsgewandten Verbände sollen nun die inhaltliche und strategische Ausrichtung des Islam-Instituts und die Besetzung von Professuren bestimmen. Michael Borgolte, der Gründungsdirektor des Berliner Islam-Instituts, hatte genau darum Verbänden wie der Ditib, der lange Arm von Erdoğan, und den ‚Islamischen Kulturzentren‘ seinerzeit die Politikfähigkeit abgesprochen. Er wurde dafür natürlich scharf angegangen. Alle kritischen Zwischenrufe von liberalen Musliminnen und Muslimen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie seitens der Politik, vor allem von der CDU und den Grünen, wurden von der Universitätsleitung und dem SPD-dominierten Senat kaltschnäuzig ignoriert. Die Spitzen von Universität und Senat halten daran fest, ausgerechnet am Islam-Institut der Humboldt-Universität mit diesen drei Partnern zu kooperieren: dem ‚Zentralrat der Muslime in Deutschland‘, der ‚Islamischen Föderation Berlin‘ und der ‚Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands‘ (IGS). Die drei hatten die Dreistigkeit, die Fortsetzung der Verhandlungen an die Zusage zu knüpfen, dass keine liberalen Islam-Vertreter in den Beirat aufgenommen werden – dass also die Mehrheit der Muslime ausgeschlossen wird. (…)

Der [‚Zentralrat der Muslime in Deutschland‘] von Aiman Mazyek vertritt in allen zentralen Fragen die Position des scharia-orientierten Islam: bei der Stellung der Frau, dem Umgang mit Homosexuellen, der Religionsfreiheit, der Freiheit von Meinung und Wissenschaft etc. Ganz wie die ‚Islamische Föderation Berlin‘, eine lokale Ausprägung der lange als verfassungsfeindlich eingestuften ‚Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş‘, und die ‚Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands‘ (IGS), ein Satellit des iranischen Mullah-Regimes auf deutschem Boden. Die mehrheitlich liberal denkenden Musliminnen und Muslime in Deutschland kommen in diesen Verbänden nicht vor. Die so dringend notwendige Akademisierung des liberalen Islams und Entwicklung einer Islam-Theologie auf der Basis von Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Menschenrechten wird von diesen Verbänden systematisch verhindert.“ (Rita Breuer: „Reaktionäres Islam-Institut kommt!“)

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