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Bebelplatz in Berlin in »Platz der Hamas-Geiseln« umbenannt 

Die Sanduhr auf dem »Platz der Hamas-Geiseln« in Berlin
Die Sanduhr auf dem »Platz der Hamas-Geiseln« in Berlin (Quelle: Robert Poticha / Freiheit für die Hamas-Geiseln)

Am 16. Mai fand am Berliner Bebelplatz die symbolische Eröffnung des »Platz der Hamas-Geiseln« statt, der am frühen Abend von Familien der Entführten eingeweiht wurde. 

Seit mehr als zweihundert Tagen hält die Terrororganisation Hamas 132 Israelis gefangen, die sie im Zuge ihres Massakers vom 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt hatte. Um, wie es der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster ausdrückte, »das Schicksal der Geiseln stärker in das Bewusstsein der deutschen Gesellschaft« zu rücken und die Forderung nach unverzüglicher Freilassung der Gefangenen zu unterstützen, wurde der Berliner Bebelplatz am 16. Mai symbolisch in »Platz der Hamas-Geiseln« umbenannt.

Mit dem »Platz der Hamas-Geiseln« werde »das Schicksal der Geiseln und ihrer Familien mitten in das Bewusstsein der deutschen Hauptstadt« gebracht, erläuterte der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Geschäftsführer des Tikvah Instituts, Volker Beck, das Anliegen dieser symbolischen Umbenennung. »Der 7. Oktober war nicht nur ein einmaliges Massaker in der Geschichte des Antisemitismus nach dem Ende der Shoah. Er geht auch mit der immer noch andauernden Massengeiselnahme einher, die nach mehr als einem halben Jahr nicht vorüber ist.«

Es war der Bebelplatz, auf dem die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 über 20.000 Bücher verbrennen ließen, die sie wegen ihres antisemitischen Weltbilds für einen Auswuchs »undeutschen Geistes« hielten. Diese Geschichte ist auch eine Mahnung für die Gegenwart. So erleben Juden in Deutschland seit den Massakern des 7. Oktobers einen immensen Anstieg antisemitischer Straftaten. Deshalb haben die Organisatoren sehr bewusst den Bebelplatz für die symbolische Umbenennung in »Platz der Hamas-Geiseln« ausgewählt. 

Auf dem »Platz der Hamas-Geiseln« befinden sich ab dem 16. Mai, der auch der vierzigste Geburtstag der israelischen Geisel Carmel Gat ist, bis zum 10. Juni mehrere Installationen, die an die Geiseln und ihr schreckliches Schicksal erinnern sollen. Carmel ist die Schwester von Alon Gat, der am 7. Oktober mit seiner dreijährigen Tochter vor den Terroristen fliehen konnte und nun unermüdlich für die Freilassung seiner Schwester kämpft. Alons Ehefrau Yarden, die ebenfalls fünfzig Tage lang von Hamas-Terroristen gefangen gehalten wurde, und ihre Schwester Melody Sucharewicz sind die Initiatorinnen der an den »Platz der Geiseln« in Tel Aviv angelehnten Aktion.

»Die Geiseln leiden unter unmenschlichen Zuständen bis hin zu Vergewaltigung und Folter. Darunter sind auch deutsche Staatsbürger. Mit der symbolischen Umbenennung des Bebelplatzes in »Platz der Hamas-Geiseln« rufen wir die Öffentlichkeit dazu auf, sich für die Freilassung einzusetzen. Und wir appellieren an die deutsche Politik, mehr Druck auf die Terroristen auszuüben», nennt Sucharewicz die Beweggründe für ihre Initiative. 

Sie sieht im »Platz der Hamas-Geiseln« auch eine Plattform für Kundgebungen, die dazu dienen sollen, in den Bemühungen um die Geiselbefreiung nicht nachzulassen. 

Der symbolisch in »Platz der Hamas-Geiseln« umbenannte Bebelplatz in Berlin (Quelle: Robert Poticha / Freiheit für die Hamas-Geiseln)

Die Zeit läuft davon

Unter den Installationen auf dem »Platz der Hamas-Geiseln« befindet sich die mittlerweile international bekannte »Sanduhr der Geiseln«: Die drei Meter hohe Sanduhr mit der Aufschrift »Die Zeit läuft davon« und »Bring Them Home« symbolisiert die Dringlichkeit, die hinter der Forderung nach der Freilassung der Geiseln steht. »Sie ist das kraftvolle Symbol für die Lebenszeit der Geiseln, die in der Gefangenschaft abläuft«, wie es in der Presseaussendung der Organisatoren heißt.

Darüber hinaus soll eine zwanzig Meter lange Rekonstruktion eines Hamas-Tunnels den Besuchern vor Augen führen, welchem Horror die in permanenter Lebensgefahr schwebenden Geiseln in ihrer Gefangenschaft ausgesetzt sind. Auch eine Ausstellung von etwa zwanzig Büchern ist zu sehen, die aus den Trümmern des Kibbuz Be’eri geborgen werden konnten. Am Morgen des 7. Oktober griffen die Terroristen den Ort an, ermordeten rund 130 Menschen und setzten sie in Brand, was den Kibbuz fast vollständig zerstört hinterließ. Darüber hinaus sollen 132 leere Stühle die immer noch in Gaza gefangen gehaltenen Israelis repräsentieren.

Der Angriff der Hamas sei nicht nur eine menschliche Tragödie gewesen, »die der ganzen Welt das wahre Gesicht des Bösen vor Augen führte«, sagte der geschäftsführende Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses Maram Stern. Die »Bilder von jungen Männern und Frauen, Großeltern und Kindern, die von Terroristen nach Gaza verschleppt werden«, hätten auch »die Psyche der weltweiten jüdischen Gemeinschaft für immer verändert. Mehr als 215 Tage später ist der Aufruf, sie alle nach Hause zu bringen, so wichtig wie eh und je.«

Seine Schwester Carmel werde seit über einem halben Jahr in der Hölle festgehalten, berichtet Alon Gat, der für ihre und der anderen Gefangenen Freilassung kämpft: »Die Geiseln dürfen nicht vergessen werden, weder in Israel noch in Deutschland. Heute ist meine Schwester Geisel der Dschihadisten, morgen könnte es Anna aus Berlin treffen, wenn wir nicht gemeinsam gegen Terrorismus vorgehen. Ich bitte Deutschland von Herzen mir zu helfen, meine Schwester Carmel aus den Händen der Hamas-Terroristen zu befreien.«

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