Der Führer der Quds-Brigaden, Esmail Ghaani, befindet sich Berichten zufolge in iranischem Gewahrsam und wird zu schwerwiegenden Sicherheitsverstößen verhört.
Nach unbestätigten Berichten, Esmail Ghaani sei möglicherweise gemeinsam mit dem hochrangigen Hisbollah-Führer Hashem Safieddine bei einem israelischen Angriff in Beirut getötet worden, sind nun Behauptungen aufgetaucht, der Chef der Quds-Truppen genannten Auslandseinheit des Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), Esmail Ghaani, sei noch am Leben und befinde sich in iranischem Gewahrsam. Gegen ihn werde wegen des Verdachts auf Beteiligung an der Infiltration der IRGC durch den israelischen Geheimdienst ermittelt, die Ende September zur Tötung des Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah durch Israel am 27. September geführt habe.
Wie arabische Medien am Donnerstag meldeten, soll Ghaani einen Herzinfarkt erlitten haben, als er im Rahmen der Untersuchung zu geheimdienstlichen Sicherheitslücken verhört wurde. Sky News Arabia berichtete unter Berufung auf iranische Quellen, dass der Kommandeur von den Sicherheitskräften der Islamischen Republik in ein Krankenhaus gebracht worden sei.
Die Untersuchung gegen Ghaani wurde eingeleitet, nachdem der Verdacht aufgekommen war, dass der Leiter seines Büros »über einen außerhalb des Iran lebenden Mittelsmann« Kontakt zum israelischen Geheimdienst hatte, wie Sky News Arabia berichtete.
Am Donnerstag zuvor zitierte Middle East Eye (MEE), ein in Großbritannien ansässiges und von Katar finanziertes Medium, »zehn Quellen in Teheran, Beirut und Bagdad« mit der Aussage, Ghaani und seine Mitarbeiter wurden festgenommen, während der Iran derzeit schwerwiegende Sicherheitsverstöße untersuche. Der Iran habe den »ernsthaften Verdacht«, dass Jerusalem die Reihen der IRGC infiltriert hat, sagte der Kommandeur einer vom Iran unterstützten Terrorgruppe gegenüber MEE und fügte hinzu, dass »derzeit gegen alle ermittelt wird«.
»Die Sicherheitslücke war zu hundert Prozent eine iranische, daran besteht kein Zweifel«, sagte eine Quelle aus dem Umfeld der Hisbollah gegenüber MEE. Libanesische und irakische Quellen berichteten, Ghaani stehe »unter Hausarrest« und werde von Personen unter der direkten Aufsicht des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei verhört.
Spekulationen
Ghaani, der die Kontrolle über die Eliteeinheit Quds Force übernahm, nachdem sein Vorgänger Qassem Soleimani 2020 bei einem US-Drohnenangriff in Bagdad getötet worden war, wurde zuletzt am 29. September bei einem Besuch in den Büros der Hisbollah in Teheran in der Öffentlichkeit gesehen. Ghaanis Abwesenheit fiel insbesondere bei einem Gedenkgottesdienst für Hassan Nasrallah am 4. Oktober in Teheran auf, der vom Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei geleitet wurde.
Laut drei von der New York Times (NYT) zitierten iranischen Beamten reiste Ghaani in die libanesische Hauptstadt, um der Hisbollah nach einer Reihe israelischer Angriffe, die ihre Befehlskette unterbrochen hat, Hilfe beim Wiederaufbau zu leisten. Berichte israelischer und arabischer Medien spekulierten dann Anfang vergangener Woche, ob der Iraner selbst bei einem IDF-Luftangriff in Beirut verwundet oder getötet worden sei, der auf das Treffen zielte, bei dem er anwesend gewesen sein soll. Nun hieß es jedoch, dass Ghaani nach dem israelischen Angriff, der den potenziellen Nasrallah-Nachfolger Safieddine ausschaltete, ins Visier der iranischen Verdächtigungen geriet.
Ein in Beirut stationiertes Mitglied der IRGC sagte der NYT, dass das Schweigen der iranischen Funktionäre »unter den einfachen IRGC-Mitgliedern Panik auslöst«. Am Mittwoch teilte ein Berater der Quds Force der halboffiziellen iranischenTasnim News Agency jedoch mit, dass Ghaani »bei bester Gesundheit sei und in den kommenden Tagen vom Obersten Führer die Fath-Medaille erhalten werde«.
Darüber hinaus berichteten Quellen den saudischen Medien Al-Hadath und Al Arabiya, Ghaani sei nach den jüngsten Attentaten auf hochrangige iranische Funktionäre in »Isolation« gegangen. Die halboffizielle Teheraner Nachrichtenagentur Mehr meldete am Samstag unter Berufung auf Sicherheitsquellen ebenfalls, dass Ghaani »bei bester Gesundheit« sei.
Vom Mossad unterwandert?
Der ehemalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte Ende September gegenüber CNN Türk, dass Teheran eine Einheit zur Bekämpfung von Mossad-Operationen im Iran geschaffen habe, nur um 2021 festzustellen, dass ihr Leiter ein Doppelagent des Mossad war. Neben dem Leiter der Einheit seien etwa zwanzig weitere Mitglieder der Einheit Mossad-Agenten gewesen, sagte Ahmadinedschad.
Er fügte hinzu, dass diese Agenten 2018 am Diebstahl des Nuklear-Archivs beteiligt gewesen seien, einer Reihe von Dokumenten im Zusammenhang mit dem iranischen Atomwaffenprogramm. »Israel hat komplexe Operationen im Iran organisiert. Sie konnten leicht an Informationen gelangen. Im Iran schweigt man immer noch darüber«, sagte der ehemalige iranische Staatschef dem Nachrichtensender.




