Wie es in einem saudischen Frauengefängnis zugeht

„Kholoud Bariedah ist zwanzig Jahre alt, als sie mit ein paar Freunden in ihrer Heimatstadt Dschidda in Saudi-Arabien eine Party feiert – und die Religionspolizei sie dafür verhaftet. Der Richter schickt sie in eine Besserungsanstalt nach Mekka. (…) Nach ihrer Entlassung sagt sie sich vom Islam los, bekennt sich öffentlich zum Atheismus und flieht ins Ausland. Erst in die Türkei, dann über Schweden nach Deutschland, wo sie im Jahr 2015 Asyl erhält. Heute ist sie 32, lebt in Berlin und hat ein Buch über ihre Zeit in Haft geschrieben. (…)

‚Bis heute hat niemand über Frauengefängnisse in Saudi-Arabien geredet. Ich sollte das wohl erleben, um es der Welt mitzuteilen. (…) [S]ie sagten, ich solle den Koran auswendig lernen, um meine Strafe zu verkürzen. Dann steckten mich die Wärterinnen in Einzelhaft. (…) Ich weiß nicht, wie viele Tage ich dort saß, nur die Gebetszeiten sagten mir die Uhrzeit und ob Tag oder Nacht ist. Ich schlief viel. Gefühlt vergingen Ewigkeiten, bis sie mich auf die normale Station verlegten. (…) [A]lle zwei Wochen, immer am Freitag, bekam ich 50 Hiebe mit einem dünnen Schlagstock. (…) Ein Soldat schlug mich auf den Rücken, drei Scheichs schauten zu. Dabei durfte ich keinen Laut von mir geben, kein Schluchzen, sonst hätte der Prügler von vorn angefangen. (…)

Aus einem Gefängnis wird [eine Frau] erst entlassen, wenn ihr [männlicher] Vormund sie abholt. Es gab Fälle, in denen Frauen auch nach Ende ihrer Strafe in der Anstalt bleiben mussten, weil ihre Familien sie als Schande begriffen und dort sitzen ließen. (…) Zwar hat der Prinz in den letzten Jahren einige Reformen durchgeführt. Er entmachtete die Tugendbehörde, die Männer dürfen heute nur noch Empfehlungen geben, nicht mehr prügeln und verhaften wie die Polizei. Frauen ist es erlaubt, Auto zu fahren. Es gibt Kinos und Konzerte, wo Frauen und Männer in Theatern öffentlich zusammen feiern. Die Gesellschaft ist im Wandel. Aber was sie bis heute ignorieren, ist die männliche Vormundschaft. Das ist für mich einer die wichtigsten Punkte, die ich in meinem Buch kritisiere.‘“

(Silvia Berdoni: „Kholoud Bariedah: ‘Alle zwei Wochen, immer am Freitag, bekam ich 50 Hiebe‘“)

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