Dass es in Barcelona immer wieder zu antisemitischen Übergriffen kommt, ist kein Zufall, sondern verdankt sich auch einer tief in der Stadtverwaltung verankerten Politik.
Ist ein antisemitisches Massaker wie am Bondi Beach in Sydney auch in Barcelona möglich? In Australien kam der Massenmord nicht aus heiterem Himmel. Dort hatte es schon vorher eine Serie von Brandanschlägen und eine Atmosphäre des Antisemitismus gegeben.
Zum Jahreswechsel ist im Internet ein Stadtplan von Barcelona aufgetaucht, auf dem unter anderem jüdische Einrichtungen offenbar gezielt markiert waren. Betrieben von einer anonymen Gruppe, die sich selbst als »Journalisten, Professoren und Studenten« bezeichnet, listet die interaktive Karte mehr als hundertfünfzig Unternehmen, Schulen und Organisationen auf, die als »zionistisch« gekennzeichnet sind. Ihr Ziel sei es, so heißt es, »zu verstehen, wie der Zionismus in Katalonien funktioniert« und die Auswirkungen damit verbundener Investitionen in der Region anzuprangern und zu verurteilen.
Die Veröffentlichung der Karte sorgt für Besorgnis bei der jüdischen Gemeinde. »Solche Darstellungen gefährden die Sicherheit unserer Gemeinschaft und verletzen die Würde unserer Mitglieder«, erklärte ein Sprecher. Die Gemeinde rief dazu auf, wachsam zu sein und die zuständigen Behörden über verdächtige Inhalte zu informieren.
Bürgermeister Jaume Collboni bezeichnete die Veröffentlichung als »inakzeptabel« und betonte, dass »Hass und Intoleranz in einer pluralen Stadt keinen Platz« hätten. Die Polizei habe Ermittlungen aufgenommen, um die Herkunft der Karte und mögliche strafrechtliche Verantwortlichkeiten zu prüfen. Vertreter der israelischen Regierung forderten »umgehende Maßnahmen«, um die Sicherheit von Personen und Einrichtungen zu gewährleisten. Zwischenzeitlich wurde die Karte offline genommen.
In Barcelona gab es bereits einen großen, vom Islamischen Staat (IS) inspirierten Terroranschlag: Am 17. August 2017 fuhr ein Terrorist mit einem Lieferwagen durch eine Menschenmenge auf dem Boulevard La Rambla im Zentrum der Stadt. Dabei wurden vierzehn Menschen getötet und mindestens 118 verletzt. Auf der Flucht erstach der Täter eine weitere Person. Besonders gefährlich ist in Barcelona die Kombination aus traditionellem Antisemitismus, staatlich geförderter Aufwiegelung gegen Israel, die von der Stadtverwaltung ausgeht, und dem seit Langem bekannten Pool von Salafisten, von denen einige zur Gewalt greifen könnten.
Einige der antisemitischen Vorfälle der jüngsten Vergangenheit:
- Letzten Samstag wurden Grabsteine im jüdischen Bereich des Friedhofs Les Corts in Barcelona zerstört. Als Reaktion darauf wurden die jüdischen Bereiche von drei Friedhöfen in der Stadt für die Öffentlichkeit gesperrt.
- Im September 2025 wurde eine Kinderbuchhandlung in Sant Cugat, einer kleinen Stadt bei Barcelona, mit antisemitischen Graffiti und Parolen beschmiert. Eine unbekannte Person sprühte mehrere Botschaften – darunter »Zionist« und »Komplize des Völkermords« – sowie eine palästinensische Flagge auf die Fassade. Geschäftsinhaberin Mont Soler brachte ihre »tiefste Ablehnung« dieses Akts antisemitischen Hasses zum Ausdruck. »Dieser Angriff richtet sich nicht nur gegen meine Buchhandlung, sondern auch gegen die Werte des Zusammenlebens und des Respekts, für die ich immer eingestanden bin«, schrieb Soler in einem Beitrag auf Instagram.
Auch die Jüdische Gemeinde von Barcelona (CJB) verurteilte den Vorfall, bekundete ihre Solidarität und forderte die Behörden zum Handeln auf. »Dieser Angriff richtet sich nicht nur gegen eine symbolträchtige Buchhandlung, sondern auch gegen die Werte des Zusammenlebens, des Respekts und der Vielfalt, die unsere Gesellschaft prägen sollten«, erklärte die CJB in einer Stellungnahme. 2023 wurde eine Synagoge zum Ziel von Schmierereien. - Ebenfalls im September 2025 kündigte Barcelonas Sportstadtrat David Escudé an, keine Israelis bei der Tour de France 2026 dabei haben zu wollen.
- Im gesamten Stadtgebiet gibt es antiisraelische Wandbilder (murales) mit Slogans wie »Tod den IDF«, »Free Palestine«, »Israel Mörder«, »Alle hassen Israel« etc.
Doppelte Standards
Die Volkspartei (PP) forderte angesichts dieser »gewalttätigen und hasserfüllten Graffiti gegen Israel« von Bürgermeister Jaume Collboni »unverzügliches und entschiedenes Handeln«. »Meinungsfreiheit schützt nicht Mordaufrufe oder Diskriminierung«, erklärte der PP-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Daniel Sirera. Konkret bezog sich Sirera auf die Graffiti am Park »Gärten der drei Schornsteine« nahe der Avenida Paral·lel. Dort prangt die Botschaft »Tod den IDF« an einer der Mauern.
Die PP weist darauf hin, dass diese Graffiti gegen die Regeln des städtischen Programms »Offene Wände« verstoßen, welches beleidigende, sexistische, fremdenfeindliche oder zu Gewalt aufrufende Inhalte ausdrücklich verbietet. Diese Initiative ermöglicht es Anwohnern und Nicht-Anwohnern, bestimmte Wände in der Stadt frei künstlerisch zu gestalten. Darüber hinaus erinnerte die PP an die Verpflichtung des Stadtrats, laut der Stadtverordnung beleidigende Graffiti innerhalb von vierundzwanzig Stunden zu entfernen.
Da dies nicht geschehen ist, reisten einige israelische Künstler kürzlich nach Barcelona, um aus den Hassbildern proisraelische murales zu machen, wie sie das zuvor schon in Amsterdam getan hatten. Wie das ausging, berichtete die Jerusalem Post: »Die israelischen Wandkünstler Hodaya und Dudi Shoval reisten letzte Woche nach Barcelona, um dort antisemitische, antizionistische und antiisraelische Graffiti an prominenten Orten der Stadt zu übermalen. … Während ihrer Arbeit in Barcelona versammelte sich ein Mob und griff sie an, zunächst mit Beleidigungen, bevor die Situation in körperliche Gewalt eskalierte. Als die Shovals und ihr Kamerateam in ihr Auto steigen wollten, wurde dem Fotografen eine Glasflasche an den Kopf geworfen.«
Im Mai letzten Jahres beendete Barcelona die Städtepartnerschaft mit Tel Aviv. Zur Begründung sagte Collboni, Barcelona könne »keine Beziehungen zu einem Staat unterhalten, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht«.
Barcelona hat Partnerschaften mit Havanna, Istanbul und Shanghai. Die Menschenrechtslage in Kuba, der Türkei oder der Volksrepublik China ist offenbar kein Grund, die Freundschaft infrage zu stellen. Der chinesische Handelskonzern Suning ist Sponsor des FC Barcelona. Collboni sagt: »Barcelona ist und bleibt eine Stadt, die sich dem Frieden, den Menschenrechten und der internationalen Gerechtigkeit verpflichtet fühlt.« Israelische Radfahrer mag er in seiner Stadt nicht sehen. Das Team Bahrain Victorious nahm an der Tour de France 2025 teil und ist auch dieses Jahr willkommen. Bahrain wird international dafür kritisiert, willkürlich Todesstrafen gegen Oppositionelle zu verhängen.






