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Bald vierter israelischer Raketenschutzschirm

Israels Abwehrsystem Iron Dome im Einsatz gegen den jüngsten Raketenbeschuss aus Gaza
Israels Abwehrsystem Iron Dome im Einsatz gegen den jüngsten Raketenbeschuss aus Gaza (© Imago Images / NurPhotos)

Israels Verteidigung gegen den Beschuss mit weitreichenden Artillerie- oder Mörserprojektilen sowie mit Kurz-, Mittel- oder Langstreckenraketen beruht auf mehreren Systemen.

Am bekanntesten ist das Raketenabwehrsystem Iron Dome, das gegen 155 mm Artilleriegranaten und Kassam-Kurzstreckenraketen der Hamas und des Islamischen Dschihads aus Gaza sowie Katjuscha-Raketen der Hisbollah aus dem Libanon mit einer Reichweite von bis zu 70 Kilometern schützt. Es wurde 2007 gegen skeptische Stimmen in Politik und Militär vom damaligen Verteidigungsminister Amir Peretz als Abwehrsystem ausgewählt, die Entwicklung mit finanzieller Unterstützung der USA bewerkstelligt. 

Das System, das ab Juli 2010 einsatzbereit war und mit dem 2011 erstmals Raketen aus Gaza abgefangen wurden, beruht auf einem von Israel Aircraft Industries entwickelten Elta Radarsystem, das einen Raketenstart erkennt und die Flugbahn berechnet, woraufhin im Kontrollzentrum der Einschlagspunkt der Rakete bestimmt wird. Liegt dieser errechnete Einschlagspunkt in einer der vorher bestimmten Schutzzonen, sprich: in bewohnten Gebieten, werden nach manueller Bestätigung eine oder mehrere Tamir- Abwehrraketen mit einem Radarsuchkopf gestartet. Die Erfolgsquote des Iron Dome liegt bei über 90 Prozent.

Mittel- und Langstreckenraketen

Für Raketen mit einer Reichweite zwischen 70 und 300 Kilometern sowie für Marschflugkörper wurde das System David’s Sling entwickelt, das auf einer Weiterführung der amerikanischen Stunner Abfangrakete beruht. Das System ist seit 2017 im Einsatz und ersetzte die bis dahin verwendeten Patriot-Systeme MIM-23 und MIM-104.

Das Erfassungsradar hat eine Reichweite von über 470 Kilometern. Im zentralen Feuerleitstand ist man via einem Datenlink über die Flugwege der Lenkwaffen informiert. An der Lenkwaffenspitze befinden sich ein Infrarotsuchkopf und Sensoren, hinter der Elektronik der Gefechtskopf und am Heck eine Düse. Bei Angriffen in der jüngsten Auseinandersetzung mit dem Islamischen Dschihad in Gaza kam das System bei weitreichenden, vermutlich aus iranischer Herkunft stammenden Raketen zum Einsatz. 

Arrow wiederum ist ein Abwehrsystem für weitreichende ballistische Raketen, mit dessen Entwicklung 1996 begonnen und das im Jahr 2000 getestet wurde. 2008 und 2021 kam es zu Überarbeitungen des Systems, dessen letzte Entwicklung den Namen Arrow 4 trägt. Es besteht aus der Abfangrakete, einem Kontrollsystem und einer Radaranlage. Die Steuerung erfolgt durch das Radar der Leitstelle, das die einfliegende Rakete markiert. Etwaige Kurskorrekturen werden durch das Bodenradar an die Abfangrakete gesendet.

Abwehrraketen des Arrow-2-Systems kamen 2017 erstmals bei der Neutralisierung einer syrischen S-200-Rakete zum Einsatz.

Lasergestütztes System

Mit dem vom israelischen Rüstungsunternehmen Rafael entwickelten System Iron Beam soll mit einem Hochleistungslasersystem ein neuer Weg zur Verstärkung zumindest des Iron Dome beschritten werden, wenn die Reichweite des feindlichen Beschusses unter sieben Kilometer liegt. Das System verwendet ein Faserlaser, welches das Ziel innerhalb von Sekunden in der Luft zerstört und im Vergleich zu Iron-Dome-Raketen, von denen jede einzelne etwa 50.000 Euro kostet, äußerst günstig ist. Das System ist noch in Entwicklung und soll in den kommenden Jahren einsatzfertig sein.

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