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Wenn sich arabische Außenminister in David Ben-Gurions-Wahlheimat treffen

Im Kibbuz Sde Boker sind Israels Staatsgründer David Ben-Gurion und seine Frau Paula begraben
Im Kibbuz Sde Boker sind Israels Staatsgründer David Ben-Gurion und seine Frau Paula begraben (© Imago Images / Danita Delimont)

Die Außenminister Israels, der Vereinigten Staaten und von vier arabischen Staaten – Ägypten, Marokko, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) – trafen sich am Sonntag und Montag zu einer Konferenz in dem israelischen Kibbuz Sde Boker.

Eine solche Konferenz, noch dazu an einem solchen Ort, wäre noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen. Am Sonntag fand eine gemeinsame Sitzung statt, der Montag war bilateralen Treffen und Arbeitsgruppen gewidmet.

An dem Negev-Gipfel, zu dem der israelische Außenminister Yair Lapid eingeladen hatte, nahmen Abdullah bin Zayed Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Abdullatif bin Rashid Al-Zayani aus Bahrain, Nasser Bourita aus Marokko, Sameh Shoukry aus Ägypten und US-Außenminister Anthony Blinken teil.

Hauptthema Iran

Wichtigstes Thema war das anstehende Atomabkommen mit dem Iran, das noch in dieser Woche unterzeichnet werden könnte. Der Vertrag würde die Freigabe von mehr als 90 Mrd. Euro an das iranische Regime bedeuten, zusätzlich zu den mindestens 50 Mrd. Euro pro Jahr, die es durch den dann wieder erlaubten Erdölverkauf erlösen würde.

Beobachter befürchten, dass dieser enorme Zufluss an Geldern zu einer neuen Terrorwelle gegen Israel und die Golfstaaten führen könnte. Auch der Weg zu einer iranischen Atombombe ist nach jüngsten Erkenntnissen der UN-Atomaufsichtsbehörde IAEO viel kürzer als bislang gedacht.

Israel und seine arabischen Verbündeten betrachteten das Treffen im Negev darum als Gelegenheit, ihre Bedenken gegenüber Blinken zu äußern, der sich für das Abkommen einsetzt. Der israelische Fernsehsender Kanal 12 berichtete am Sonntag, Blinken habe gesagt, dass US-Präsident Joe Biden noch nicht entschieden habe, ob das Korps der Islamischen Revolutionsgarde im Rahmen einer Rückkehr zum Atomabkommen mit dem Iran von der Liste der ausländischen Terrororganisationen gestrichen werden soll.

Laut Kanal 12 betonte Blinken, dass die Vereinigten Staaten nicht um jeden Preis zum Atomabkommen zurückkehren würden. Das allerdings scheint eine leere Versprechung zu sein: Erst diesen Monat hatte der Iran das Nachbarland Irak mit Raketen angegriffen. Das Ziel war offenbar das amerikanische Konsulat in der kurdischen Metropole Erbil im Norden des Landes, was die Frage aufwirft, was das iranische Regime denn eigentlich noch anstellen muss, um die US-Regierung davon zu überzeugen, dass es kein Friedenspartner ist.

Negev-Gipfel soll regelmäßige Veranstaltung werden

Während der abschließenden Pressekonferenz am Montag teilte Israels Außenminister Yair Lapid mit, dass dieses historische Gipfeltreffen im Negev zu einer regelmäßigen Veranstaltung werden soll.

»Dieses Treffen ist das erste seiner Art, aber nicht das letzte. Gestern Abend haben wir beschlossen, den Negev-Gipfel zu einem dauerhaften Forum zu machen.«

Überschattet wurde die Konferenz am Sonntag von einem Terroranschlag in der nordisraelischen Stadt Hadera, zu dem sich die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekannte. Nachdem die beiden Terroristen – bei denen es sich um arabische Israelis handeln soll – auf der Straße Feuer aus automatischen Waffen eröffnet hatten, kam es zu einem Gefecht mit Beamten der Grenzpolizei. Dabei wurden neben den Tätern auch die beiden 19-jährigen Grenzpolizisten Yezen Falah und Shirel Abukarat getötet.

Nach Angaben der Polizei retteten die beiden mit ihrem Einsatz vielen Menschen das Leben. Drei weitere Polizisten seien verletzt worden, meldete die Website Times of Israel.

VAE-Außenminister: »Wir haben uns nicht gekannt«

Der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Abdullah bin Zayed al Nahyan, lobte die amerikanische Rolle bei der Unterstützung des Sde-Boker-Gipfels und schwärmte von den sich erwärmenden Beziehungen zwischen Israel und der arabischen Welt.

»Es ist neu für Abdellatif und Nasser und mich, in Israel zu sein … obwohl Israel schon sehr lange in dieser Region ist, ist dies unser erstes Mal. Wir haben uns nicht gekannt.«

Im Hinblick auf den Terroranschlag von Hadera sagte Al Nahyan, der Sde-Boker-Gipfel sei ein Signal gegen derartigen Terrorismus.

Ben-Gurions Wahlheimat

Der 1952 von zionistischen Pionieren gegründete Kibbuz Sde Boker war die Wahlheimat des Gründers und ersten Ministerpräsidenten des Staates Israel, David Ben-Gurion, und seiner Ehefrau Paula, nachdem Ben-Gurion sich im Dezember 1953 erstmals aus der Politik zurückgezogen hatte. 1955 kehrte Ben-Gurion in die israelische Regierung zurück.

David Ben-Gurion, der seine drei letzten Lebensjahre wieder in Sde Boker verbrachte, starb am 1. Dezember 1973 und wurde in Sde Boker neben seiner 1968 verstorbenen Frau Paula bestattet. In der spärlich besiedelten Negev-Wüste sah er einen Ort, der zum Blühen gebracht und die Heimat eines großen Teils des jüdischen Volkes werden könnte.

Die Wüste, so Ben-Gurion, gebe den Juden die Gelegenheit, ganz von vorne zu beginnen, schrieb er einmal in Sde Boker:

»Als ich heute aus meinem Fenster schaute und einen Baum vor mir stehen sah, erweckte der Anblick in mir ein größeres Gefühl von Schönheit und persönlicher Zufriedenheit als alle Wälder, die ich in der Schweiz und in Skandinavien durchquert habe. Denn wir haben jeden Baum an diesem Ort gepflanzt und ihn mit dem Wasser bewässert, das wir auf Kosten zahlreicher Anstrengungen bereitgestellt haben.«

Juden fühlten sich mit Israel verbunden, denn »hier muss noch alles erledigt werden«. Es hänge nur von den Juden ab, an diesem »privilegierten Schöpfungsakt« teilzunehmen.

»Die Bäume bei Sde Boker sprechen mich anders an als die Bäume, die anderswo gepflanzt werden. Nicht nur, weil ich mich an ihrer Anpflanzung und Pflege beteiligt habe, sondern auch, weil sie ein Geschenk des Menschen an die Natur und ein Beitrag der Juden zum Dünger ihrer Kultur sind.«

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