Ayelet Shaked – eine säkulare Frau an der Spitze einer religiösen Partei

(Quelle: GPO/CC BY-SA 3.0)

„Während Israel sich auf eine Neuwahl vorbereitet, stieg Ende letzten Monats Ayelet Shaked zur Führungsperson der Vereinigten Rechten auf, einer gemeinsamen Liste der wichtigsten Fraktionen, die das zionistisch-religiöse Segment der Gesellschaft repräsentieren.

Obwohl Frauen in der Vergangenheit durchaus bereits politische Parteien in Israel angeführt haben, gelang es bis zu diesem Zeitpunkt keiner von ihnen, an die Spitze einer Partei zu gelangen, die die traditionell patriarchalisch-orthodoxe Gemeinschaft vertritt. Noch bemerkenswerter ist, dass die 43-jährige Mutter von zwei Kindern eine säkulare Jüdin aus Tel Aviv ist.

Wer ist Ayelet Shaked und wie ist es ihr gelungen, Jahrzehnte einer politischen Tradition zu überwinden?

Als Kind der Mittelklasse in Tel Aviv in den 1980er Jahren aufgewachsen, hätte man erwarten können, dass Shaked zu einer linksgerichteten Arbeitspartei- oder Meretz-Wählerin wird, einer Befürworterin der Zweistaatenlösung und einer liberalen Politik. Doch wie Shaked 2015 der New York Times erzählte, erlebte sie im Alter von acht Jahren eine Art persönlicher Offenbarung, als sie im Fernsehen sah, wie Ministerpräsident Yitzhak Shamir mit einer Gegnerin diskutierte: Shaked war von seiner nationalistischen Sichtweise eingenommen.

Einige Israelis bewegen sich im Laufe ihres Militärdienstes zumindest vorübergehend nach rechts. Im Fall von Shaked trug ein Posten als Ausbilderin in der legendären Golani-Infanterie-Brigade dazu dabei, ihre politisch konservative Haltung weiter zu stärken. ‚Ich habe festgestellt, dass im Moment keine Lösung in Sicht ist,‘ sagte sie der Times. (…)

Laut Yair Sheleg, der am Israel Democracy Institute zum religiösen zionistischen Sektor forscht, haben zwei Faktoren Shaked geholfen, bei den Religiösen voranzukommen: ihre Effektivität als Politikerin und die Entscheidung der Partei ‚Jüdisches Heim‘, auf offene Vorwahlen zu setzen.

In vielerlei Hinsicht, so Sheleg, erachten deren Anhänger den nationalistischen Aspekt des religiösen Zionismus – das gesamte biblische Israel zu regieren und den jüdischen Charakter Israels zu betonen – als wichtiger als den religiösen Aspekt. Viele ihrer Führungspersonen ‚können mit Shaked als Anführerin leben, weil sie viel mehr Wähler anzieht‘ als andere Politiker.

‚Sie sind Nationalisten. Sie wollen, dass ein rechtes Lager bei den Wahlen siegt – und wenn eine säkulare Frau dieses Ergebnis herbeiführen kann, dann soll eben eine säkulare Frau an der Spitze stehen sein‘ (…).“ (Sam Sokol: „How secular Ayelet Shaked came to dominate the right-wing religious camp“)


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