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Auch der Libanon geht gegen gefährliche „Freudenschüsse in die Luft“ vor

Im Libanon kamen seit 2017 28 Menschen durch Freudenschüsse in die Luft um
Im Libanon kamen seit 2017 28 Menschen durch Freudenschüsse in die Luft um (© Imago Images / ITAR-TASS)

Nachdem in Jordanien im November der Innenminister zurücktreten musste, wird nun auch der Beirut gegen die lebensgefährliche (Un-)Sitte der Freudenschüsse aktiv.

Weil sie zu Silvester mit scharfer Munition in die Luft geschossen haben, werden sich im Libanon ab Februar rund 40 Personen vor Gericht verantworten müssen. Das berichtetete der englischsprachige libanesische Nachrichtenblog The961 am Donnerstag.

Eine Frau, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen war, war an Silvester in einem Flüchtlingslager in der ostlibanesischen Region Baalbek von einer Kugel tödlich getroffen worden. Laut libanesischen Medien wurde in Baalbek auch ein Neunjähriger in seinem Zimmer getötet und zahlreiche Menschen verletzt, unter ihnen ein Zweijähriger. Zudem wurden Autos und ein auf dem Flughafen Beirut geparktes Flugzeug von Kugeln beschädigt.

In einigen Teilen des Libanon ist es üblich, bei Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Beerdigungen mit Pistolen und Gewehren in die Luft zu schießen. Das geschieht oft auch bei Reden politischer Führer oder sogar, wenn ein Schüler die Abiturprüfung besteht.

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Lebensgefährlich

Die Gefahr ist groß: Wenn Kugeln in die Luft gefeuert werden, können sie mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Metern pro Sekunden auf die Erde zurückkehren, was eine ausreichende Kraft ist, um die Schädeldecke eines Menschen zu durchbohren und schwere oder tödliche Verletzungen zu verursachen.

Im September starb so der bekannte libanesische Fußballspieler Mohammed Atwi im Alter von 33 Jahren. Er war bei der Beerdigung eines Opfers der Explosionskatastrophe von Beirut von einer Kugel getroffen worden, die einer der Trauergäste abgefeuert hatte. Nachdem Atwi einen Monat lang auf der Intensivstation gelegen hatte, erlag er seinen Verletzungen.

Derartige Vorfälle sind im gesamten arabischen Raum und auch in der Türkei – wo die Tradition der „Freudenschüsse“ ihren Ursprung hat – ein gravierendes Problem.

In Jordanien – wo jedes Jahr schätzungsweise 300 Menschen an solchen Kugeln sterben – war im November der Innenminister zurückgetreten. Er hatte die Verantwortung dafür übernommen, dass entgegen einer von der Regierung und dem Königshauses erlassenen Ausgangssperre nach den Parlamentswahlen Tausende Sympathisanten der Wahlgewinner auf die Straße gegangen und den Sieg ihrer Kandidaten mit Gewehrschüssen gefeiert hatten.

In der Folge ging die jordanische Polizei massiv gegen illegalen Waffenbesitz vor, u.a. mit Kontrollen auf der Straße, bei denen Autofahrer den Kofferraum ihres Fahrzeugs öffnen mussten.

Auch im Libanon gehen die Behörden nun gegen diese lebensgefährliche Tradition vor. Wie The961 unter Berufung auf die Nationale Nachrichtenagentur (NNA) des Libanon berichtet, hat Brigadegeneral Munir Shehadeh, der Leiter des Ständigen Militärgerichts, für den 1. Februar eine Sitzung angesetzt, um über die wegen der Schüsse Verhafteten zu verhandeln.

Rasches Vorgehen

Sie werden nach Artikel 75 des libanesischen Waffengesetzes angeklagt, in dem es heißt:

„Wer an besiedelten Orten oder in einer Menschenmenge mit einer lizenzierten oder nicht lizenzierten Waffe schießt, wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis drei Jahren und einer Geldstrafe oder einer dieser beiden Strafen bestraft. Die Waffe wird in jedem Fall beschlagnahmt.“

Laut NNA seien die libanesischen Behörden in den Tagen nach Neujahr rasch und entschieden vorgegangen, um Verdächtige zu ermitteln. Sie forderten Bürger auf, Täter anzuzeigen, damit sie verhaftet werden können.

Wie The961 schreibt, gab es im Libanon an Silvester dieses Jahr mehr Schüsse als je zuvor – und das, obwohl die Behörden am 23. Dezember die Schusswaffenlizenzen aller Bürger bis zum 1. Februar außer Kraft setzten (Sicherheitskräfte und Diplomaten ausgenommen) und in den Tagen vor Silvester mit Lehrfilmen, die im Fernsehen ausgestrahlt wurden, auf die Gefahren aufmerksam gemacht hatten.

In dem Film heißt es, dass in die Luft gefeuerte Kugeln seit 2017 im Libanon 28 Menschen getötet und 164 verletzt hätten. 786 Libanesen seien in diesem Zeitraum wegen illegalen Schießens verhaftet worden.

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