Atomdeal: Gefahr besteht in (erlaubter) Entwicklung neuer Zentrifugen

By United States Department of State, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39106623)

„Einer der gefährlichsten Aspekte des JCPOA, der es dem Iran gestattet, hochentwickelte Zentrifugen zu entwickeln und zu bauen, ist kaum bemerkt worden. Angesichts der großzügigen Bestimmungen des JCPOA in Sachen Forschung und Entwicklung, kann der Iran seine atomare Infrastruktur problemlos modernisieren, ohne gegen das Abkommen zu verstoßen. Vermutlich wird die Islamische Republik in ihren gemeldeten Einrichtungen keine Bombe bauen, denn ein solcher Schritt würde das Risiko sofortiger militärischer Vergeltung bergen. Wahrscheinlicher ist es, dass der Iran das Abkommen unterlaufen wird, indem er in einer geheim gehaltenen Einrichtung verdeckt Uran anreichert. Dies hat er schließlich schon einmal getan. Diese Option erfordert die Entwicklung fortgeschrittener Zentrifugen, die bei hoher Geschwindigkeit präzise funktionieren. Schon eine kleine Kaskade sogenannter IR-8-Zentrifugen kann schnell eine große Menge Uran bis zur Waffenfähigkeit anreichern. Da zur Erfüllung dieser Funktion nur wenige Zentrifugen erforderlich sind, könnten sie leicht in kleineren Einrichtungen untergebracht werden, die womöglich nicht rechtzeitig identifiziert würden. Der Iran ist ein großes Land. Sollten die klerikalen Oligarchen es mit derartigen Einrichtungen übersäen, könnten sie ihre Aktivitäten leicht vor neugierigen Inspektoren verbergen. Dies ist umso alarmierender, als die Einschränkungen des iranischen Atomprogramms nach und nach auslaufen.

Nicht Außenminister John Kerry oder einer seiner europäischen Amtskollegen war der Haupturheber des JCPOA, sondern der Leiter der iranischen Atomenergiebehörde Ali Akbar Salehi – der verlässlichste Bombenbauer des religiösen Oberhaupts des Iran Ali Khameini – und sein aus Ingenieuren und Diplomaten bestehendes Team. Schließlich weiß er mehr über das Programm, dessen Entwicklung er sein Leben gewidmet hat, als wir. Salehi spricht fließend Englisch und wurde am MIT in Kerntechnik promoviert. Er erkannte den Irrtum seiner Vorgänger und begriff, dass der Erwerb primitiver IR-1-Zentrifugen die Nuklearkapazität des Iran zwar geringfügig erweitern, als Grundlage für ein hochmodernes Atomprogramm aber nicht ausreichen würde. Um an ein tragfähiges Atomprogramm mit verdeckter Waffenfähigkeit zu gelangen, musste der Iran die klobigen IR-1-Zentrifugen ausmisten und sie durch die höherentwickelten IR-8-Zentrifugen ersetzen. (…)

Daher bereitete es dem Iran keinerlei Schwierigkeiten, seine veralteten Zentrifugen zu demontieren und so für den Westen die Illusion zu schaffen, er schränke seine nuklearen Aktivitäten ein. Im Stadium der Verhandlungen 2015 beschäftigte die iranischen Führer die Frage, wie lange sie brauchen würden, um die neue Generation der Zentrifugen zu entwickeln und in Betrieb zu nehmen. Hamid Baidinezhad, der ebenfalls der iranischen Verhandlungsdelegation angehörte, betonte in einem Interview mit der iranischen Tageszeitung E’temad vom 23. August 2015: ‚Schließlich folgerten wir, dass die Übergangsphase, die zur industriellen Herstellung führt, nach acht Jahren erreicht sein würde. … Nach der Vollendung jener Übergangsperiode, würde das iranische Atomprogramm einen industriellen Sprung erleben und der Iran damit das Stadium der vollständigen industriellen Anreicherung erreichen.’ Also handelte der Iran im Rahmen des JCPOA genau diesen Forschungs- und Entwicklungsplan aus: Das Abkommen legt fest, dass der ‚Iran  sein R & D [Forschungs- und Entwicklungs-] Programm fortführt … unter anderem mit Blick auf IR-4, IR-6 und IR-8-Zentrifugen.’ Dem amerikanischen Verhandlungsteam waren die stufenweise Aufhebung der Sanktionen und das Inspektionsregime offenbar so wichtig, dass es dieser Maßgabe im Rahmen der Kompromissfindung zustimmte.“ (Ray Takeyh: „The Nuclear Deal Is Iran’s Legal Path to the Bomb“)

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