Assad und Putin lancieren Meldungen über inszenierten Giftgasangriff

„Mit einer konzertierten Medienkampagne im Vorfeld der Offensive in Idlib haben das syrischen Regime, Hassan Nasrallah von der Hisbollah und prorussische Kommentatoren alle vor einem (fingierten) Chemiewaffenangriff zu warnen begonnen. ‚Alles deutet darauf hin, dass Vorbereitungen für ein weiteres Chemiewaffenszenario in Idlib laufen‘, behauptete der Anführer der Hisbollah Hassan Nasrallah am Sonntag. ‚Ausländische Experten‘ seien in Syrien eingetroffen und könnten ‚einen Chemiewaffenangriff inszenieren‘, erklärte der putintreue Sender RT am Sonntagabend. Das russische Verteidigungsministerium habe erklärt, die ‚Experten‘ könnten den Angriff in den kommenden beiden Tagen inszenieren. Er würde dann ‚für die internationalen Medien aufgezeichnet, um ihn Damaskus in die Schuhe zu schieben‘. Die russische Botschaft in London gab über Twitter sogar Einzelheiten über den angeblich bevorstehenden Angriff bekannt. ‚Terroristen bereiten einen fingierten Chemiewaffenangriff in Syrien vor. Acht Chlorgasbehälter sind in das nahe Dschisr al-Schughur gelegene Hallouz in der Provinz Idlib gebracht worden. Die „Opfer“ sollen von Weißhelmen gerettet werden, die von der in Großbritannien ansässigen Olive Group ausgebildet wurden.‘ Am Samstag warnte die Botschaft, der Vorgang werde als ‚Vorwand für weitere Luftschläge der USA und Großbritanniens dienen‘.

Wie zu erwarten sind die Behauptungen in den Medien und Blogs zirkuliert worden, die mit dem syrischen Regime affiliiert sind oder mit ihm sympathisieren. Die in Beirut ansässige Onlinezeitung Al-Masdar berichteten, dass ‚Dschihadisten eine Chemiewaffenprovokation vorbereiten‘. Twitternutzer, die das Regime in Damaskus unterstützen, twittern wie wild über die ‚Täuschungsmanöver‘. Einer behauptete sogar, die USA hätten den Verschwörungstheoretiker Alex Jones mundtot gemacht, weil er derartige Täuschungsmanöver enthülle. John Bolton stehe hinter der Verschwörung, die ‚Al-Qaeda ermutige, in Idlib einen Chemiewaffenangriff auszuführen‘. Ein weiterer RT-Kommentator schrieb, ‚jenseits des zerfetzten Schleiers der moralischen Überlegenheit, bei der es sich in Wirklichkeit nur um US-amerikanische Kriegspropaganda handelt, hat Bolton Al-Qaeda unzweideutig aufgefordert, einen weiteren fingierten Chemiewaffenangriff zu inszenieren‘. Selbst Xinhua News in China diskutierte wie ‚die USA den Syrienkrieg zu verlängern suchen, indem sie erneute Drohungen mit Chemiewaffen aufrühren‘. (…)

Offenbar soll die von regimetreuen Quellen losgetretene Lawine von Berichten über einen Chemiewaffenangriff Behauptungen vorbeugen, das Regime sei für eventuell bevorstehende Angriffe verantwortlich. Zugleich bietet sie Kommentatoren vorab eine genehme Version, sollte es nach einem möglichen Chemiewaffeneinsatz zu Luftschlägen der US und ihrer Verbündeten kommen. So wird das Narrativ genährt, das Regime in Damaskus sei mit einer Politik des Regimewechsels und einer imperialistischen Verschwörung des Westens konfrontiert. Zugleich scheinen sich auch westliche Regierungsvertreter auf einen Chemiewaffenangriff vorzubereiten. Sie haben das Regime und seine Verbündeten davor gewarnt, den Einsatz von Chemiewaffen auch nur in Betracht zu ziehen. Der Vorlauf zu der Schlacht um Idlib hat damit bereits begonnen. Sie beginnt mit dem Kampf um die Definitionsmacht darüber, ob ein Chemiewaffeneinsatz, der noch gar nicht stattgefunden hat, eine ‚Inszenierung‘ sei oder Washington und seinen Verbündeten legitime Gründe für einen Angriff auf Assads Streitkräfte biete.“ (Seth J. Frantzmann: „‚False flags‘: War of words over ‚chemical weapon attack‘ in Idlib“)

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