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Aserbaidschan: Warum die Türkei Russland in den Kaukasus zurückbringen möchte

Gemeinsame Militärpatroullie von Russland und der Türkei in Syrien
Gemeinsame Militärpatroullie von Russland und der Türkei in Syrien (© Imago Images / TAR-TASS)

Erdogan sucht die strategische Nähe zu Putin, um gemeinsam die USA aus dem Nahen Osten zu vertreiben.

Seth J. Frantzman, Jerusalem Post

Die Türkei und Russland werden zunehmend zu strategischen Partnern in ihrem Bemühen, mit dem Iran zusammenzuarbeiten und die USA aus dem Nahen Osten zu vertreiben. Dies ist das übergeordnete Ziel der Türkei, und die jüngsten Konflikte und das Chaos, das sie von Syrien bis Libyen, dem Mittelmeerraum und dem Kaukasus verbreitet hat, sind darauf ausgelegt, diese Gebiete in russische und türkische Einflusssphären aufzuteilen.

Die Türkei erklärt über ihre Lobbyisten in den USA, dass Ankara „Geopolitik“ betreibe, um ein „Bollwerk“ gegen Russland zu schaffen. Dabei wird eine Terminologie aus der Ära des Kalten Krieges verwendet, um den Westen im Glauben zu bestärken, Ankara stehe auf der Seite Washingtons gegen Moskau. In Wirklichkeit ist es jedoch das Ziel der Türkei, mit Russland und dem Iran zusammenzuarbeiten, um den Einfluss der USA zu verringern.

Das war das Ziel in jedem Gebiet, in dem Ankara sich in letzter Zeit eingemischt hat. So arbeitet die Türkei mit Russland zusammen, um Teile Nordsyriens unter sich aufzuteilen, wodurch die US-Truppen zurückgedrängt und Extremismus verbreitet wurde. In Libyen ist ein Konflikt, in den die USA zuvor verwickelt waren, nun zu einem Spielplatz für von der Türkei unterstützte Milizen geworden.

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Der jüngste Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien war ebenfalls darauf ausgelegt, die Türkei und Russland im südlichen Kaukasus in direkten Kontakt zu bringen, um so den US-Einfluss zurückzudrängen und das Gebiet zu teilen.

Ein Beleg dafür ist das Abkommen zur Beendigung des Krieges, durch das die Rolle russisches Friedenstruppen und Soldaten in Berg-Karabach, einer autonomen armenischen Region in Aserbaidschan, verstärkt wird.

Zuvor hatte die Türkei Baku zu einem Krieg gegen die Armenier angestachelt, der massive Schäden verursachte und 50.000 Menschen zur Flucht zwang. Für die Türkei waren die Angriffe auf die armenische Zivilbevölkerung allerdings ein Erfolg. Sie brachten eine Wiederholung der von der Türkei unterstützten ethnischen Säuberungen in Afrin (Syrien), wo die Kurden im Januar 2018 vertrieben wurden.

Das Modell in Berg-Karabach war dasselbe. Die Türkei schickte Extremisten, die Menschen enthauptet haben sollen, um Kirchen zu plündern und Armenier zu vertreiben. Hundert Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich im Jahr 1915, wollte die Türkei diesen Prozess fortsetzen. Ähnlich wie 1915 wäre das Ergebnis am Ende ein erneutes russisches Engagement im Kaukasus. (…)

Die USA hatten zuvor eine größere Rolle im Kaukasus. Georgien rechnete 2008 mit amerikanischer Unterstützung, als es in einen Krieg mit Russland um umstrittene Gebiete geriet. Als Georgien besiegt wurde, ging die Rolle der USA und Europas dort zurück. Später, 2014, erwartete die Ukraine US-Unterstützung, musste aber zusehen, wie Russland die Krim annektierte.

Der Krieg, in den die Türkei Aserbaidschan im vergangenen September stürzte, war das endgültige Ende des US-Engagements im Kaukasus. Während die Türkei den Krieg als notwendig behauptete, um den Iran und Russland entgenzutreten, arbeitete Ankara in Wirklichkeit mit Teheran und Moskau zusammen.

Das Ziel war es, Russland als Friedenswächter in den südlichen Kaukasus zu bringen und jeglichen westlichen Einfluss zu entfernen. Denn Armenien hatte versucht, sich aus der russischen Umlaufbahn zu entfernen. Nikol Pashinyan wollte eine engere Bindung an den Westen suchen.

Um dies zu verhindern, ließ Moskau zu, dass das von der Türkei unterstützte Aserbaidschan einen Krieg begann, um Pashinyan im Sommer und Herbst 2020 zu schwächen. Geschwächt und besiegt, bat er um Frieden, und Russland und die Türkei rückten mit Bakus Duldung in die umstrittenen Gebiete ein.

Jetzt ist Armenien völlig in Geiselhaft von Moskau und Ankara. Die Türkei will das so. Aserbaidschan, das jahrzehntelang eine Annäherung als strategischer Partner an die USA und auch an Israel suchte, sieht sich nun ebenfalls von Ankara in die Enge getrieben. Das Endergebnis ist mehr iranische, russische und türkische Kontrolle in der Region und eine Schwächung der unabhängigen Staaten im Südkaukasus.

(Aus dem Artikel Turkey’s goal in Caucasus was to increase Russia’s role – analysis“, der in der Jerusalem Post erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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