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Artivismus made in Israel: „Auch ich bin sexy“

Anlässlich des Internationalen Tags für die Rechte von Menschen mit Behinderung violett beleuchtete Stadtverwaltung von Jerusalem
Zum Internationalen Tag für die Rechte von Menschen mit Behinderung violett beleuchtete Stadtverwaltung von Jerusalem (Quelle: Sahvim)

Anlässlich des Internationalen Tags für die Rechte von Menschen mit Behinderung wollen israelische Künstler das Tabu-Thema Sexualität bei Menschen mit Behinderung aufbrechen.

Am vergangenen Donnerstag fand der Internationale Tag für die Rechte von Menschen mit Behinderung statt. 1992 wurde für diesen Anlass der 3. Dezember von der UNO festgelegt. Israel setzt sich ganz Besonders für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung ein – dieses Jahr unter dem Motto „Sexualität“. Die ganze Woche über fanden landesweit verschiedene Veranstaltungen, Lesungen und Konzerte mit Bezugnahme auf Menschen mit Behinderung statt.

Außerdem wurden etwa 100 Gebäude mit violettem Lichte beleuchtet. Die Farbe Violett, steht international für die Gemeinschaft von Menschen mit Behinderung. In Jerusalem waren unter den beleuchteten Gebäuden das Gebäude der Stadtverwaltung, die Chords-Brücke und das Teddy-Kollek-Stadium.

Israel organisierte außerdem am Donnerstag in Zusammenarbeit mit der UNO in Genf Online-Veranstaltungen und Paneldiskussionen. Die Veranstaltungsreihe fand unter dem Titel „Dont Dis My Ability“ statt und beschäftigte sich überwiegend mit dem Tabu-Thema „Sexualität von Menschen mit Behinderung“.

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„Artivismus“ – Kunst für soziale Veränderung

Inspiriert wurde die Veranstaltungsreihe von der gleichnamigen Ausstellung der Bezalel Universität für Kunst und Design in Jerusalem. Durch „Artivismus“ – eine Zusammenführung von Kunst (art) und Aktivismus – versuchten Studierende der Universität gemeinsam mit Menschen mit Behinderung, Stigmatisierungen um das Thema Sexualität aufzubrechen.

Kunst wird hierbei als wichtiges Werkzeug gesehen, um eine soziale Veränderung hervorzurufen. Die Studierenden entschieden sich gemeinsam für das genannte Thema und kontaktierten daraufhin Menschen mit Behinderung, um deren Geschichten kennen zu lernen. In einem Zoom-Treffen zur Ausstellung erklärte eine der Studierenden, Shai Fighel, dass sie darüber schockiert war, wie sehr das Thema Sexualität in der Mehrheitsgesellschaft und auch unter Menschen mit Behinderung tabuisiert ist.

Nach einem langandauernden Prozess porträtierten die Kunststudierenden die freiwillig an ihrem Projekt Teilnehmenden in sinnlichen und sexuellen Bildern, die teilweise auch von persönlichen Erfahrungen und Texten begleitet waren, um den Porträtierten eine Stimme zu verleihen.

Dani Garmise, ein 42-jähriger Aktivist und Blogger ist einer der freiwilligen Porträtierten in der Ausstellung. Dani erzählte auf der begleitenden Zoom-Konferenz, dass es für ihn lange Zeit braucht, bis er sich im Spiegel betrachten und sagen konnte: „Ich bin sexy“. Er bemerkte erst spät, dass es eine Diskussion über das Thema Sexualität gibt. „Die meisten Menschen gehen davon aus, dass das Sexleben aufhört, wenn man gelähmt ist, doch das stimmt nicht. Wir müssen uns erst selbst als sexy sehen, damit auch der Rest der Welt uns als sexy wahrnimmt.“

Aufgrund der Corona-Maßnahmen fand die Ausstellung online statt. Die Studierenden hoffen dennoch, viele Menschen angesprochen zu haben und ihren Teil dazu beitragen zu können, die Stigmatisierung der Sexualität von Menschen mit Behinderung aufzuheben.

Menschen mit Behinderung in Israel

Israel zählt 1,5 Millionen Menschen mit Behinderung, was 18% der Gesamtbevölkerung ausmacht. 42% davon haben Schwierigkeiten beim Gehen, 13% haben Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten, 8% eine Limitierung des Seh- und weitere 8% des Hörvermögens. In den vergangenen Jahren nahm in Israel die Arbeitsbeschäftigung bei Menschen mit Behinderung zu. Wie nicht zuletzt die die jetzige Ausstellung zeigt, ist es jedoch noch ein weiter Weg, bis vollkommene Gleichberechtigung erreicht worden ist.

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