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Arte: Keine Kritik an Bistro-Antisemitismus

Arte: Keine Kritik an Bistro-AntisemitismusSehr geehrte Frau Simon,

Sie kritisieren in der Presse die Antisemitismus-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa“, die 24 Stunden auf der Webseite der Bild-Zeitung zu sehen war, nachdem die Auftraggeber der Sendung, Arte und der WDR, sich geweigert hatten, sie auszustrahlen. Sie werfen dem Film „Polemik statt Präzision“ vor – meines Erachtens ein falscher Widerspruch, denn Polemik zeichnet sich, wenn sie gut ist, gerade durch ihre Präzision aus. Darüber hinaus bemängeln Sie „Sarkasmus, Spott und Flapsigkeit“. Nachdem Sie den Film gesehen hatten, fanden sie es „verständlicher, warum Arte den Film abgelehnt hat.“

Selbst wenn man Ihre Einwände, die ich nicht teile, akzeptiert, so würde die Nichtausstrahlung des Filmes nur dann verständlicher, wenn Arte und der WDR an ihr sonstiges Programm ähnlich strenge Qualitätsstandards anlegten. Dann freilich hätten sie auch Abstand davon nehmen müssen, jemals einen der „Dokumentarfilme“ von Michael Moore zu zeigen, die allesamt polemisch, einseitig, verzerrend, irreführend und manipulativ sind, um nur einige der möglichen Einwände zu nennen. Und wenn speziell von Arte die Rede ist, so darf nicht übersehen werden, dass der Sender sich kaum um Qualitätsstandards kümmert, wenn es um die zahlreichen anti-israelischen Machwerke geht, die dort regelmäßig zu sehen sind.

Ein Problem entstand erst mit einem Film, der aus dem israel-feindlichen Mainstream ausscherte, der das Arte-Programm charakterisiert, und sich damit gewissermaßen auch gegen die eigene Klientel richtet. Hätten sich die Macher von „Auserwählt und ausgegrenzt“ auf die Darstellung des Bierhallen-Antisemitismus von Rechtsextremen beschränkt, hätte es nie Komplikationen gegeben. Aber mit der Beschäftigung mit dem viel weiter verbreiteten Bistro-Antisemitismus – der im Gewande der Israelkritik daherkommenden Judenfeindschaft – und der Thematisierung der Unsummen europäischen und amerikanischen Geldes, die in die Dämonisierung und De-Legitimierung Israels durch UN-Institutionen, kirchliche Organisationen und NGOs fließen, wurden rote Linien überschritten.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Mena Watch – der unabhängige Nahost-Thinktank

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