Arbeitet der Iran an geheimem Langstreckenraketenprogramm?

„Als 2011 eine Explosion die iranische Forschungseinrichtung zur Entwicklung von Langstreckenraketen beinahe dem Erdboden gleichmachte und den Wissenschaftler tötete, der sie geleitet hatte, gingen viele westliche Geheimdienstler und Experten davon aus, dies hätte den relevanten technologischen Ambitionen Teherans ein Ende gesetzt. Seitdem deutete wenig darauf hin, dass die Iraner an einer Rakete arbeiteten, die in nennenswertem Maße Ziele jenseits des Nahen Ostens erreichen könnte, und die iranischen Machthaber haben erklärt, sie hätten auch keine Absicht, eine derartige Rakete zu bauen.

Als ein in Kalifornien ansässiges Waffenforscherteam im Frühjahr neue Sendungen des iranischen Staatsfernsehens begutachtete, in denen der besagte Wissenschaftler gepriesen wurde, gingen sie davon aus, es werde sich um eine Geschichtsstunde handeln, die allenfalls Einzelheiten über ein seit langem ruhendes Waffenprogramm enthüllt. Stattdessen stießen sie auf eine Reihe von Anhaltspunkten, die zu einer alarmierenden Schlussfolgerung führten: Kurz vor seinem Tod hatte der Wissenschaftler – General Hassan Tehrani Moghaddam – die Entwicklung einer zweiten, geheimen und weit ablegen in der iranischen Wüste liegenden Einrichtung beaufsichtigt, die dem Team zufolge bis heute aktiv ist. Wochenlang untersuchten die Forscher Satellitenbilder der Einrichtung. Dabei entdeckten sie, dass die Arbeit in der Anlage, die oft nachts stattfindet, sich auf hochentwickelte Raketenmotoren und Raketenbrennstoffe konzentriert.

Es sei möglich, dass in der Einrichtung lediglich Mittelstreckenraketen entwickelt werden, über die der Iran bereits verfügt. Vielleicht werde dort auch an einem ungewöhnlich weit gediehenen Weltraumprogramm gearbeitet. Doch scheine es angesichts der Strukturen und Bodenmarkierungen vor Ort sehr wahrscheinlich – wenn es sich dabei auch nicht um eindeutige Beweise handle – dass dort an der Technologie für Langestreckenraketen gearbeitet werde. Ein derartiges Waffenprogramm würde nicht gegen das Atomabkommen mit dem Iran oder sonstige offizielle Vereinbarungen verstoßen. Sollte es erfolgreich sein, würde es aber Europa und potenziell auch die Vereinigten Staaten gefährden. Sollte es sich tatsächlich herausstellen, dass der Iran an einer Langstreckenrakete arbeitet, würde dies die Spannungen zwischen Teheran und den Vereinigten Statten weiter intensivieren. Fünf weitere Wissenschaftler, die den Befund unabhängig voneinander überprüften, meinten ebenfalls, es gebe zwingende Beweise dafür, dass der Iran die Entwicklung von Langstreckenraketen verfolge.“ (Max Fisher: „Deep in the Desert, Iran Quietly Advances Missile Technology“)

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