Während Israel lieber einen Sturz des iranischen Regimes sehen würde, hoffen die arabischen Staaten des Nahen Ostens auf das Gegenteil, weil sie Instabilität fürchten.
Shachar Kleiman
Regierungen im gesamten Nahen Osten beobachten die Entwicklungen im Iran mit wachsender Besorgnis. Die Gefahr eines regionalen Kriegs ist dabei nicht das einzige Problem, ebenso wenig wie die Drohungen des iranischen Regimes, US-Stützpunkte und -Streitkräfte anzugreifen.
Zwei Hauptszenarien, die mit einem amerikanischen Militärschlag einhergehen könnten, beunruhigen die arabischen Staaten: Das erste wäre ein großflächiges Chaos und ein Bürgerkrieg im Iran mit Auswirkungen auf die gesamte Region. Eine solche Instabilität könnte Flüchtlingswellen auslösen und die Schifffahrtswege im Persischen Golf, einer wichtigen Verkehrsader für die Wirtschaft der Golfstaaten, unterbrechen. Das zweite Szenario, das von Israel als positiv gesehen wird, wäre ein Zusammenbruch der Islamischen Republik und der Aufstieg einer pro-westlichen Regierung in Teheran, was den Iran mit der Zeit zu einer aufstrebenden Regionalmacht machen könnte.
Letztendlich wollen die arabischen Staaten, »dass die Islamische Republik bestehen bleibt«, sagte ein iranischer Exilant gegenüber der Zeitung Israel Hayom. »Sie fürchten einen freien Iran in der Zukunft, weil sie wissen, dass ein freier und demokratischer Iran Israels primärer Verbündeter im Nahen Osten werden würde. Ihr doppeltes Spiel oder das Projekt der Muslimbruderschaft würde dann keine Abnehmer mehr finden.«
Vor diesem Hintergrund wird die Strategie der meisten arabischen Staaten deutlicher: Sie pflegen verstärkt diplomatische Beziehungen mit dem Regime und unterstützen gleichzeitig die Vermittlungs- und Verhandlungsbemühungen mit den Vereinigten Staaten.
Ägypten
Der Leiter der iranischen Interessenvertretung in Kairo, Mojtaba Ferdowsi-Pour, gab am Freitag eine Erklärung ab, in der er bekannt gab, dass eine endgültige Entscheidung über den Austausch von Botschaftern zwischen dem Iran und Ägypten getroffen worden sei und nur noch eine formelle Erklärung ausstehe. Wenn dieser Schritt umgesetzt wird, würden die nach der Islamischen Revolution von 1979 abgebrochenen Beziehungen zwischen den beiden Ländern vollständig wiederhergestellt.
Obwohl es seit Jahren diplomatische Kanäle auf niedrigerer Ebene gibt, signalisiert die jüngste Ankündigung eine Annäherung durch Ägypten, das sich von einer möglichen regionalen Konfrontation distanzieren will. Die mit dem israelischen Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen einhergehende Eskalation führte zu Störungen im Suezkanal und schweren finanziellen Verlusten für Ägypten. Kairo hat also keinerlei Interesse an erneuten Angriffen der mit Teheran verbündeten Huthi im Roten Meer.
Katar
Das Golfemirat, das einige terroristische Organisationen beherbergt, hat in einem Krieg mit dem Iran viel zu verlieren. Auf seinem Luftwaffenstützpunkt Al Udeid sind Tausende US-Soldaten stationiert. Jede Instabilität im Persischen Golf könnte auch Dohas Wirtschaft schaden, die stark von Gasexporten auf dem Seeweg abhängig ist.
Katar verfolgt daher eine zweigleisige Strategie. Auf diplomatischer Ebene vermittelt es zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten, um die Verhandlungen zur Verhinderung eines Kriegs aufrechtzuerhalten. Am Wochenende übermittelte Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghchi die Botschaft, dass die Gespräche »weiter andauern« werden. Militärisch verlässt sich Katar auf die in der Region stationierten amerikanischen Verteidigungssysteme sowie auf die bereits vorhandenen, ebenfalls amerikanischen Systeme.
Saudi-Arabien
Das Königreich verstärkt die Zusammenarbeit mit dem Iran in der Hoffnung, einen Angriff auf die auf saudischem Boden stationierten US-Streitkräfte zu verhindern. Am Rande der Milan 2026, einer internationalen Marineübung in Indien, fand Berichten zufolge ein trilaterales Treffen zwischen hochrangigen Marineoffizieren aus Saudi-Arabien und dem Iran statt. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Verbesserung der maritimen Zusammenarbeit einschließlich der Bekämpfung der Piraterie, der Sicherung der Schifffahrtswege und des Krisenmanagements.
Dies folgte auf Gespräche vor einigen Wochen zwischen dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und dem iranischen Präsidenten Masoud Peseschkian, bei denen der Kronprinz versöhnliche Botschaften übermittelte und versprochen haben soll, dass er »keine [US-Militär-]Aktionen von seinem Territorium aus zulassen werde«.
Oman
Das Sultanat hat sich zum wichtigsten Vermittler zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten am Golf entwickelt. Nach der letzten Gesprächsrunde in Genf erklärte Außenminister Badr Albusaidi, es seien Fortschritte erzielt worden und die Atmosphäre sei konstruktiv gewesen. Dennoch bleibt unklar, ob der Oman diesmal Erfolg haben wird.
Mit dem Iran verbundene diplomatische Quellen sagten, die USA hätten die Themenbereiche ballistische Raketen und regionales Engagement angesprochen, während die iranische Delegation darauf bestand, sich ausschließlich auf die Atomfrage zu konzentrieren. Laut einem Bericht in Al Akhbar warnte der US-Gesandte Steve Witkoff die Iraner davor, dass eine solche Beharrlichkeit »nicht zu ihrem Vorteil« sei.
Vereinigte Arabische Emirate
Beamte in Abu Dhabi haben, wie andere in der Region auch, deutlich gemacht, keinen Angriff auf den Iran von ihrem Territorium aus zuzulassen in der Hoffnung, dass das Regime in Teheran seine Reaktion begrenzen wird. Es gibt auch Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen eines regionalen Konflikts auf die Föderation.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters sind die Aktienmärkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits am Freitag gefallen, nachdem Investoren auf ein Ultimatum der USA reagiert hatten, wonach der Iran innerhalb weniger Tage eine Einigung erzielen müsse oder schwerwiegende Folgen zu erwarten habe. Gleichzeitig argumentieren Kommentatoren aus den Emiraten, dass Teheran den größten Teil seines Einflusses verloren habe und sich in einer Sackgasse befinde.
Kuwait
Auch das Emirat Kuwait hat seine Besorgnis zum Ausdruck gebracht. So stellte der hochrangige Politiker Abdullah al-Nafisi Anfang des Monats die Frage, weshalb die Verhandlungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten nicht direkt geführt werden könnten: »Wäre das nicht schneller und würde es nicht die mit indirekten Gesprächen verbundenen Spannungen vermeiden?«, fragte er damals. Bei einer anderen Gelegenheit erklärte er, die Gespräche würden scheitern, weil US-Präsident Donald Trump die Iran-Frage als einzige Lösung für seine »innenpolitischen Probleme« betrachte.
Irak
Inmitten der regionalen Turbulenzen scheint Bagdad in einer politischen Sackgasse zu stecken. Der pro-iranische schiitische Block hatte beabsichtigt, Nouri al-Maliki als Premierminister zu nominieren. Die Vereinigten Staaten und verschiedene irakische Akteure sprachen sich jedoch unverzüglich gegen einen Kandidaten aus, der als dem Iran nahestehend gilt. Infolgedessen werden Berichten zufolge nun alternative, weniger umstrittene Namen in Betracht gezogen.
Ein amerikanischer Angriff auf den Iran könnte den Irak wegen der dem iranischen Regime gegenüber loyalen schiitischen Milizen ins Chaos stürzen. Im Januar schlossen die USA jedoch den Abzug aus ihrer letzten großen Basis im Irak, Ain al-Asad, ab. Diese Entwicklung schränkt die Auswahl potenzieller Ziele für Teheran ein.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






